Stuttgart: Elektra, Wiederaufnahme 8.4.2024

Violeta Urmana, Irene Theorin. Foto: Martin Sigmund
Richard Strauss‘ 2.Oper Elektra wird an der Staatsoper als Wiederaufnahme aus 2005 in der Regie von P.Konwitschny, Ausstattung: H.-J.Schlieker, gespielt. Das Dirigat hat jetzt GMD Cornelius Meister übernommen. Auch in seiner Wiedergabe klingt „Elektra“, nach Strauss‘ erster Oper ‚Salome‘, hochdramatisch, und als erste Zusammenarbeit mit H.v.Hoffmannsthal vielleicht noch authentischer, weil Strauss ja die Entstehung der Texte seiner Oper hautnah miterlebt. Insgesamt klingt Elektra sicher noch düsterer als ihr Vorgängerwerk, und dem Mythos gemäß sehr spannend, denn die neuen Morde in der 5.Generation des mykenischen Geschlechts, die ja genauso eintrafen,wie vom Orakel vorausgesagt, sind beim jeweiligen Stand der Dinge so nicht vorhersehbar. In „Elektra“ bietet Strauß mit 111 Spielern sein bislang größtes Orchester auf und setzt es auch hemmungslos ein, über weite Strecken auch gern gemäßigt-atonal bombastisch, aber doch immer auch durchwirkt von leisen und zarten Episoden,z.B.fuer Elektras Schwester Chrysothemis,die sich nicht zu einem Mord an ihrer Mutter einspannen lassen kann.
Die Oper wird im Graben unter Cornelius Meisters signifikantem Dirigat mit großem Impetus wiedergegeben, wobei der Blechbläserchor und ein gewaltiger Schlagapparat enorme Bedeutung gewinnen. Meister arbeitet aber auch die mit einigen wiederkehrenden Motiven prägnante Struktur des gnadenlosen Einakters heraus.
Zum Ende kommen bei Konwitschny, der das Werk ja mit großer Eigenwilligkeit durchinszeniert hat, noch Maschinengewehrsalven hinzu,es ist quasi eine Revolution, die das Zeitalter der Blutrache ablöst, und die mykenisch-griechische „Demokratie“ samt Judikative begründet. Dazu lässt er Feuerwerke abbrennen.
Das Mägde-Quintett ist mit Stine Marie Fischer, Ida Raenzloev, Alexandra Ionis, Clare Tunney und Esther Dierkes hochdramatisch besetzt. Die Aufseherin gibt Kammersaengerin Catriona Smith mit ganz starkem Sopran.
Alter und junger Diener sind mit Daniel Kaleta und Alexander Efanov sehr präzise Mitglieder des Opernchores. Lena Spohn gibt, ebenfalls Choristin, die Schleppträgerin. Anna Matyuschenko ist die Vertraute Klytämaestras, und Sebastian Bollacher agiert als Pfleger des Orest, beide auch sensitiv aus dem Chor besetzt.
Torsten Hofmann gibt charakter-tenoral den Aegisth, der in seinem Kurzauftritt lamentiert, dass seine Anordnungen nicht befolgt werden. Orest ist Pawel Konik,in dessen voluminös getragen baritonalem Gesang die Musik sich wieder einmal tonal beruhigt, bis er von Elektra erkannt wird.
In bester Form befindet sich derzeit Simone Schneider als Chrysothemis mit gerundetem und packend zugreifendem jungdramatischem Sopran.
Die Klytämnestra gestaltet Violeta Urmana mit immer noch spannendem bestens artikuliertem Mezzosopran.
Die Titelfigur ist Irene Theorin und beherrscht die Szene mit ihrem in allen Lagen ausgewogenen angenehm farbigen und akkurat geführten Sopran.
Friedeon Rosen

