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BERLIN/ Philharmonie: ROBIN TICCIATI DEBÜTIERT BEI DEN BERLINER PHILHARMONIKERN

08.12.2023 | Konzert/Liederabende

Berlin/Philharmonie: Robin Ticciati debütiert bei den Berliner Philharmonikern 07.-09.2023

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Robin Ticciati. Foto: Benjamin Ealovega

Warum eigentlich dirigiert Robin Ticciati erst jetzt erstmals die Berliner Philharmoniker? Das haben sich vermutlich viele gefragt. Seit 2017 ist der Londoner mit dem Lockenkopf Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) und hat es weiter vorangebracht. Er gehört zu den besten Dirigenten und ist auch im Ausland gefragt.
 
Locker wie gewohnt springt er aufs Podium und hat dabei immer ein aufmunterndes Lächeln im Gesicht. Ebenso locker, doch sehr präzise, ist auch diesmal sein Dirigat. Daß sich die Instrumentalisten und er bestens verstehen, zeigt sich sofort. Das Werk einer Frau, wie in dieser Spielzeit beim DSO üblich, steht allerdings in der Philharmonie nicht im Programm, doch es wird sozusagen durch den Einsatz der 1. Konzertmeisterin Vineta-Sareika-Völkner bestens ersetzt.

Mitgebracht hat Ticciati Werke, die beim ersten Hören leicht in die Ohren gehen, aber auch dunkle Seiten besitzen, die im Verlauf gekonnt verdeutlicht werden. Das zeigt sich schon beim ersten Stück, genannt „Die Mittagshexe“ op. 108 von Antonín Dvořák, dem Klangmeister, dessen Musik die böhmisch-mährische Heimat nie verleugnet.

Zunächst wird ein warmer Sommertag musikalisch geschildert, auch der Wald mit seinen Geräuschen scheint nahe zu sein. Alles wirkt friedlich, doch das Kind quengelt immer wieder, was die Oboe nachzeichnet.

Die Mutter droht mit der Mittagshexe, und die künden zunehmend auch die Blechbläser an. Als der Vater nach Hause kommt, hält seine Frau ihr lebloses Kind in den Armen. Schaurig schildert die Musik zuletzt den Sieg der Mittagshexe über die Mutter, die ihr Kind retten wollte. Ein unerwartet krasser Ausklang dieses so friedlich begonnenen Sommertages. Danach großer Beifall.

Mehr an Moderne bietet das Stück  Sinuous Voices von Ondřej Adámek, der 1979 in Prag geboren wurde. „ Ich kontrastierte die Welt der intimen Stimme, des Gebetes und des Rituals mit einer extrovertierten Welt, einer Menge, die außer Kontrolle gerät.“

Diese Gegensätze, mal sanfter, mal motorisch krass wirkend, arbeitet Ticciati mit den Philharmonikern erkennbar heraus. Auch nach diesem teils dissonanten Stück wird anerkennend applaudiert, zumal der anwesende Komponist auf die Bühne kommt und sich freudig verneigt.

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Foto: Monika Rittershaus

Der Höhepunkt des Abends ist selbstverständlich Gustav Mahlers „Symphonie Nr. 4 G-Dur“, zu der das Orchester nun in voller Größe antritt. Leichtfüßig, schelmisch und gesanglich wirkt das zunächst, erinnert an einen heiteren Waldspaziergang. Auch hüpfende oder sich verschiebend Rhythmen sind mitunter zu vernehmen, andererseits auch Krach und Lärm. Dieser zunächst so heile erscheinenden Welt darf bei Mahler niemand trauen. Das lehren seine weiteren Symphonien. Hinter dem schönen Schein und sogar einigen Walzertakten verbergen sich schon hier die Abgründe.

„Sehr behaglich. „Wir genießen die himmlischen Freuden“, mit diesem Text aus „Des Knaben Wunderhorn“ hat Mahler den 4. Satz gekennzeichnet und unterstützt das nun mit echtem Gesang, dargeboten von der Sopranistin Elsa Benot. Dass die bei dem Festmahl geschlachteten Tiere etwas kritisch erwähnt werden, ist aber nur den abgedruckten Liedstrophen zu entnehmen und nicht der Sängerin.

So locker das klingt, ist jedoch dieser paradiesischen Ausmalung nicht zu trauen. „Morendo“ (ersterbend) , so sollte laut Mahler der 4. Satz enden. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Diese insgesamt so erstaunlich heitere Mahler-Symphonie hat durchaus ihre Abgründe, doch in den Ohren des Publikums dominiert verständlicherweise das Fröhliche, und der Schluss-Jubel ist groß.  Ursula Wiegand

Momentan gibt es für den heutigen letzten Abend noch 50 Karten!

 

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