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3 HERZEN

25.04.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat 3 Herzen~1

Ab 1. Mai 2015 in den österreichischen Kinos
3 HERZEN
3 coeurs  /  Frankreich  /  2014
Regie: Benoît Jacquot
Mit: Benoît Poelvoorde, Charlotte Gainsbourg, Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve u.a.

Eine Mutter und zwei Töchter, und die Mama – gespielt von Catherine Deneuve – ist immer noch die berühmteste von den dreien. Sie macht bei einem Film mit, wo sie fast keine Rolle hat (meist serviert sie Essen rund um den Familientisch), aber damit vermutlich die Unterstützung für ihre Tochter im Leben, Chiara Mastroianni, abgeben will, die ihre Tochter im Film spielt. Die andere ist Charlotte Gainsbourg, die braucht nach vielen spektakulären Erfolgen keinerlei Unterstützung…

Deneuve und Töchter

Drei Frauen, die drei titelgebenden Herzen? Mitnichten. Dieser Film von Benoît Jacquot erzählt an sich die klassische Dreiecksgeschichte des Mannes zwischen zwei Frauen, nur dass sie hier gewaltig verkompliziert wird. Die Frauen sind nämlich Schwestern, und der Mann weiß es die längste Zeit nicht…

Um dergleichen zu konstruieren, ist schon ein gerütteltes Maß an Unglaubwürdigkeiten nötig, und auch sonst neigt der Film zu demonstrativer Übertreibung. Der Belgier Benoît Poelvoorde, der ein so hervorragender Komiker ist (unvergessen mit Dany Boon in „Nichts zu verzollen“), muss hier vom ersten Blick an, den er wirft, knüppeldicke Tragödie spielen. Marc ist Finanzbeamter (schon kein sympathischer Beruf, da die Leute im Zuschauerraum durchwegs zu deren Opfern zählen), und zu Beginn allein und depressiv in einer fremden Stadt. Wie er die offenbar ebenso einsam-seelenleere Sylvie (auch Charlotte Gainsbourg trägt diesbezüglich gewaltig auf) nächtens anspricht und die Unbekannte zu einem Rendezvous in Paris überredet, passiert wohl auch eher im Kino als in der Realität. Sie kommt, er versäumt den Termin, weil zwei trickreiche Chinesen ihn bei seinem Versuch, ihre Bilanzen zu hinterfragen, geschickt auflaufen lassen, und sie fährt trotzig mit dem ungeliebten Gatten nach Amerika – was er nicht weiß.

Auch nicht, dass Sophie, die er einige Zeit später kennen lernt (Chiara Mastroianni hat weder die Schönheit ihrer Mutter noch den unwiderstehlichen Reiz ihres Vaters, sie ist von einer Durchschnittlichkeit, die man bestenfalls als sympathisch bezeichnen kann), die Schwester dieser Sylvie ist…

Erst als geheiratet wird und die Schwester (jetzt Sylvie) zur Hochzeit kommt, wird alles klar – und die Tragödie, die hochdramatisch als solche hochgeputscht wird, nimmt ihren Verlauf: ein voll ausgereiztes Melodram… Und wieder einmal, wie leider in letzter Zeit so oft, liefert der französische Film spekulative Massenware statt wie früher so oft feinnervige, interessante Psychogramme.

Dass Dreiecksgeschichten immer wieder mal letal ausgehen – ja, das weiß man. Aber man hat dergleichen schon wesentlich interessierter verfolgt als hier.

Renate Wagner

 

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