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3 CD Box JOHANN NEPOMUK HUMMEL: Klaviersonaten erstmals vollständig mit Hammerklavier eingespielt – Costatino Mastroprimiano- Brilliant Classics

19.08.2018 | cd

3 CD Box JOHANN NEPOMUK HUMMEL: Klaviersonaten erstmals vollständig mit Hammerklavier eingespielt – Costatino Mastroprimiano- Brilliant Classics

 

Die erste vollständige Einspielung der sechs Klaviersonaten samt Fantasina in C Op. 124 mit Hammerflügel ist ein veritabler Hit. So viel an pianistischer Bravour, rhetorisch gewürzter Melodieführung, raffinierter Satztechnik, genuin biedermeierlicher Verzierungskunst macht klar, Hummel steht musikalisch Mozart und Beethoven nahe. Aber er hat sich dennoch eine verblüffende Eigenständigkeit bewahren können. Daher muss sein Werk heute erneut gehört und sein in Wirklichkeit eminenter musikhistorischer Stellenwert neu eingestuft werden. So weit von Beethoven sind seine Sonaten qualitativ nicht entfernt, als das nachvollziehbar wäre, warum die Werke heute so in Vergessenheit geraten sind. 

 

Der in Pressburg geborene Johann Nepomuk Hummel war ab seinem achten Lebensjahr Mozarts Schüler  und hat auch 2 Jahre lang in dessen Haus gewohnt. Hummel kannte Mozarts Werk  und hat selbst seine Themen zitiert, Transkriptionen und Arrangements vorgenommen. Das Verhältnis zu Beethoven war wegen der pianistischen, wohl auch der kompositorischen Konkurrenz und der außergewöhnlichen Befähigung Hummels zu genialen Improvisationen schwieriger. Beethovens Nähe zeigt sich im grundiert dramatischen bis stürmischen Duktus der Musik. Aber auch Haydn und dessen Ars Rhetorica haben schöne Spuren  in den formidablen und hier neu zu entdeckenden Klaviersonaten hinterlassen. Die Sonaten entstanden in einem breiten Zeitraum zwischen 1792 und 1824. 

 

Hummel selbst erfand und entwickelte einen ganz persönlichen Stil von effektvoller Brillanz und dramaturgisch konzeptueller Dichte. Sein Einfluss auf Komponisten wie den jungen Chopin,  Schumann oder Schubert gilt als unbestritten. Hummel benutzte nicht Wiener Instrumente (Graf), sondern ein französisches Erard-Fortepiano, was viel über seine Vision als Pianist aussagt. Dessen Hämmer sind mit drei Schichten Filz belegt: Eine harte als Unterlage, darauf eine weichere und schließlich noch eine sehr weiche Lage. Damit kann der Pianist, je nach Stärke des Anschlages, viele unterschiedliche Effekte erzielen. „Mit seinen klar voneinander getrennten Klangregistern bietet ein Erard nicht nur ein Feuerwerk an Klangfarben, sondern es erlaubt, die kompositorischen Strukturen plastischer hörbar zu machen. Um das zu erreichen, wird man von der notwendigen Anschlagsdifferenzierung aufs höchste gefordert. Dass dabei auch die Notationsweise einen neuen, womöglich wieder ihren ursprünglichen Sinn erhält, ist die besondere Bereicherung. Man fühlt sich an diesem Instrument mit einem Mal ganz nah an der Inspirationsquelle der Komponisten.“ weiß Sheila Arnold als Künstlerin das Spezifische des Erard Fortepianos trefflich zu beschreiben.

 

Costantino Mastroprimiano vollbringt mit seiner immensen Erfahrung und historischem Wissen wahre rhetorische Wunder. Seine stupende Interpretation ist voll innerer Spannung, seine höchst differenzierte Anschlagskultur, die perfekt austarierter Temporegie und eine überbordender Spiellust machen dieses Hummel-Album zu einem köstlich kulinarischen Hörgenuss. Der Solist verwendet ein Fortepiano Urbano Petroselli nach Anton Walter und einen Erard aus dem Jahr 1838 – für die Sonaten Nr. 5 und 6 sowie die Fantasina.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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