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CD „MOZART MADE IN SALZBURG“ – RAFAEL FINGERLOS singt Arien und Lieder, MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG unter LEOPOLD HAGER; Solo Musica

27.10.2021 | cd

CD „MOZART MADE IN SALZBURG“ – RAFAEL FINGERLOS singt Arien und Lieder, MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG unter LEOPOLD HAGER; Solo Musica

 

Vielseitigkeit und Herz – Rafael Fingerlos ist einer der besten und berührendsten Mozartsänger seiner Generation

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Salzburg und Mozart: Solist, Dirigent/Pianist, Orchester und Komponist dieser CD einen eine tiefe biographische Beziehung zu Salzburg. Rafael Fingerlos, der als feinsinniger Liedsänger auch schon zu CD-Ehren kam (“Fremde Heimat”, Stille und Nacht”), erweist sich mit diesem Mozart Album als wandelbarer Interpret sowohl von Herren- als auch Dienerrollen, Liedern, Konzertarien und Raritäten, wie der dramatischen Arie des Allazim aus “Zaire” ‚‘Nur mutig, mein Herze‘ oder der Konzertarie “Un bacio di mano”, KV 541. Auch das kurze Lied “Wie unglücklich bin ich mit”, KV 147, werden nur wenige kennen. Zudem hören wir einen Querschnitt der wichtigsten Bariton Arien aus der “Zauberflöte” (Papageno), aus “Le Nozze di Figaro” (Figaro/Graf), “Don Giovanni” (Giovanni/Leporello), “Così fan tutte“ (Guglielmo), die Konzertarie “Rivolgete a lui lo sguardo”, KV 584 und des stolzen “Ich möchte wohl der Kaiser sein”. 

 

Rafael Fingerlos verfügt über einen virilen, fein granulierten Bariton mit enormer Höhe und elegant schlanker Tiefe. Lyrische gesponnene Bögen liegen ihm ebenso wie dramatisch- Explosives, den volkstümlich naiven Naturburschen und Haudrauf beherrscht er genau so wie den adeligen Schuft. Das Tollste aber, wo sich Fingerlos von anderen Kollegen abhebt, ist die vollkommene Natürlichkeit im Vortrag (diesbezüglich, in Sachen Textdeutlichkeit und Sprachwitz erinnert mich Fingerlos sehr an die Wiener Bariton-Legende Erich Kunz), sowie die wie aus dem Moment geborenen Emotionen. Frappant sind nicht zuletzt die Deckung von Figur/Charakter und stimmlichem Ausdruck sowie eine Ehrfurcht gebietende Stimmfarbenpalette.

 

Am Ende der CD, die auch wegen des unverschämt frisch-auftrumpfenden Dirigats von Leopold Hager und der traumwandlerischen Stilsicherheit des Mozarteumorchesters Salzburg ein Hit ist, überrascht Fingerlos mit einer echten Rarität: Die Cabaletta des Figaro Grafen “Ah no, lasciarti in pace” zur Arie “Hai già vinta la causa” – “Vedró entre io sospiro” (Wiener Fassung 1789) mit vierzehn hohen Gs. Fingerlos: “Plötzlich kommen einem die fünf hohen Gs aus Rossinis Barbier-Auftrittsarie “Largo al factotum” wie ein Spaziergang vor.” 

 

Es stimmt nicht ganz, dass es sich – wie auf dem Cover beworben – um eine Weltersteinspielung handelt: Fischer-Dieskau nahm die Arie in der Fassung mit Cabaletta von 1789 mit dem Wiener Haydn-Orchester unter Reinhard Peters für die DECCA (1969) auf, Michael Spyres stellte die Cabaletta kürzlich in seinem Album “Baritenor”, 2020 in der Salle Érasme mit dem Orchester philharmonique de Strasbourg unter der musikalischen Leitung von Marko Letonja aufgenommen, ebenfalls vor. Fingerlos dürfte aber die stimmkräftigste aller Versionen im Gepäck für uns haben.  

 

In seinem Text für das Booklet hat Fingerlos eine Bitte an uns alle: “Hoffentlich schaffen wir es – gerade in der Kunst – die in der Krise wiederentdeckten Qualitäten wie Demut, Aufmerksamkeit und ein sensibles Miteinander mehr in den Fokus zu rücken. Weniger Show und falsche Perfektion, mehr Authentizität und ehrliches, qualitativ hochwertiges Handwerk. Vielleicht gelingt es auch, genauer hinzuhören und so wieder mehr von den leisen Tönen und echten Emotionen wahrzunehmen, auf der Bühne, auf Einspielungen, im Publikum und in unserem privaten Umfeld. Das ist mein großer Wunsch. Möglich wird das nur, wenn sich alle Beteiligten Künstler in den Dienst der Sache stellen – und das mit intensiv spürbarem, tiefem Respekt voreinander und vor der Musik. So soll, so muss es sein.” Diese Wort des Rafael Fingerlos nicht nur in Gottes Ohr. 

 

Fazit: Ein Mozart-Album für die einsame Insel!

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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