Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SALZBURG/ Festspiele/ Großes Festspielhaus_ LUISA MILLER – konzertant. Abschluss der diesjährigen Festspiele

Wieder stehende Ovationen für Domingo

01.09.2019 | Oper


Jubel nach „Luisa Miller“. Foto: Marco Borrelli/ Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele: 31.08.2019 Sbg/GH „Luisa Miller“

Ende gut, alles gut. Ein passendes Sprichwort, sowohl für die Salzburger Festspiele, als auch für das Auftreten Placido Domingos. Das Festival hatte seinen prächtigen musikalischen Abschluss, Domingo wurde wie bei der ersten Aufführung mit Standing Ovations begrüßt.

Eine konzertant aufgeführte Oper hat ihre Tücken, die Sänger bemühen sich, nicht kerzengrade und ohne Emotionen auf der Bühne zu stehen, die Auftritte sollen so unauffällig wie möglich ablaufen, kein Sänger sollte zu lange auf seinen Einsatz warten müssen, aber auch nicht auf die Bühne sprinten. Luisa Miller ist eine Oper, die die Interaktion braucht, weshalb sie szenisch wohl besser zur Geltung kommt als konzertant.


Nino Machaidze (Luisa). Foto: Marco Borrelli/ Salzburger Festspiele

Bei dem Staraufgebot war aber ein Misserfolg von Vorneherein auszuschließen, jeder Einwand wäre Haarspalterei. Nino Machaidze sang die Titelrolle mit sehr viel Kraft, vielleicht eine Spur zu dramatisch, aber mit sicherer Höhe und klarer Diktion. Als Federica war Yulia Matochkina zu hören, ihr samtweicher Mezzo war in der kleinen Rolle der verschmähten Braut ein Luxus. Roberto Tagliavini sang den Conte di Walter, sein kraftvoller Bass, sowohl in der Höhe als auch in tiefen Lagen ein Ohrenschmaus. John Relyea war der furchtbare Wurm. Auch er setzte seine mächtige Stimme bestens ein. In der Rolle der Laura (und als Verstärkung für die prächtig singende Konzertvereinigung Wiener Staatsoper) konnte Cecilia Molinari sehr gut gefallen. Piotr Beczala bewies in der dankbaren Rolle des Rodolfo, dass er wohl derzeit der beste Tenor des italienischen Faches ist. Strahlende Höhe, wohlklingende Mittellage und ein traumhaft schönes Timbre – was will man mehr?

James Conlon war ein umsichtiger Leiter des Mozarteumorchesters, das weit mehr als ein routinierter Klangkörper für symphonische Werke ist.

Bleibt zum Schluss der Held vieler Opernabende, Placido Domingo. Wie schon im Vorjahr an der MET, sang er die Rolle des alten Miller. Zu Beginn vielleicht ein wenig verhalten, kam seine immer noch und immer wieder begeisternde Stimme zur vollen Entfaltung. Seine Technik erlaubt es auch in seinem Alter, auch schwierige Rollen bestens zu interpretieren. Wenn gelegentlich der eine oder andere Ton etwas kürzer angesungen wird, so muss man dennoch die große Klasse, die er immer noch besitzt, bewundern. Das Publikum war zurecht begeistert, nicht ganz selbstverständlich bei der Aufführung eines im Repertoirebetrieb eher stiefmütterlich behandelten Werkes.

Johannes Marksteiner

 

Diese Seite drucken