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WIEN/ Konzerthaus: RESONANZEN "GLAUBE; LIEBE; KRIEG …

28.01.2018 | Konzert/Liederabende

WIEN/ Konzerthaus: RESONANZEN  „GLAUBE; LIEBE; KRIEG …“ am 28.1.2018

Ein musikalischer Höhepunkt, sowohl wegen der Sänger als auch wegen der grandiosen Musiker.

Es war ein Abend mit Werken der Spätrenaissance zum Frühbarock, der Wiege zur Oper in Italien. Die Werke wurden farbigst und effektvollst interpretiert. Der Anfang des Abends war einem Anonymus gewidmet, dann hörte man weitere Werke von Giandomenico Martoretta (ca. 1515 – nach 1570), ist wahrscheinlich in Mileto/ Calabria geboren, aber infolge des schweren Erdbebens 1783 sind fast alle Dokumente verloren. In der Zeit um 1545 war er in Caltanisetta / Sizilien tätig., wo er ein Madrigalbuch dem sizilianischen Politiker Francesco I Moncada widmete. Er war ein Madrigalist und Komponist. Aus Florenz kam Marco da Gagliano (1582 – 1643), er war Madrigalsänger und für die Entwicklung der Oper ein wichtiger Komponist des frühen Barock, er schrieb eine „Dafne“. Giovanni Pierluigi da Palestrina (1526 – 1594) war ein bekannter römischer Kirchenmusiker der Renaissance. Luigi Rossi (ca. 1598 – 1683) aus Torremaggiore /Puglia, studierte in Napoli und war ein Opernsänger – Tenor und auch Komponist und Lautenist. Er war am Hof der Medici tätig, und wurde später an den Pariser Hof berufen. Er war in seiner Zeit ein sehr gefragter Interpret. Der Genuese Michelangelo Rossi (1601 – 1656) war auch bekannt unter Michel Angelo del Violino. Er studierte unter anderen mit Girolamo Frescobaldi. Er wirkte als Violinist und Komponist des Frühbarock. Auch er war am Schaffen der Oper sehr beteiligt. Sein Werk ist „Erminia sul Giordano“. Wahrscheinlich aus Palermo stammt Sigismondo d Ìndia (ca. 1580 – ca. 1629).Der Name d`India ist in dieser Zeit häufig in dieser Stadt zu finden. Später, in Napoli, wo er mit Gesualdo und Ascanio Mayone studierte nannte er sich „Edler von Palermo“. Er komponierte Madrigale, Villanelle und Motetten. Er ist ein Wegbereiter des Überganges von der Renaissance zum Frühbarock. Claudio Monteverdi (1567 – 1643) ist ein ganz großer seiner Zeit, fast will ich sagen „ohne Monteverdi kein Verdi“.

Das „Concerto Romano“ unter Alessandro Quarta, setzt sich aus Sängern und Instrumentalisten zusammen. Alessandro Quarta versteht es, mit dem ersten Takt das Publikum in den Bann zu ziehen, mit der größten Selbstverständlichkeit finden Perfektion und Stil statt, ohne auf Charme und Schwung zu verzichten. Das Programm bietet Liebesverwicklungen und auch Dramen rund ums Mittelmeer. Die Sopranistin Paola Valentina Molinari sang mit sicherer perfekter Technik und nahezu fast vibratoloser Stimme „Li sarracin `adorano lo sole“ eines Anonymus. Des Weiteren hörte man sie mit der Szene der Erminia „Piante voi che si spesso“ aus der gleichnamigen Oper von Michelangelo Rossi. (Libretto von Giulio Rospigliosi 1600 – 1669), Sowie als Clorinda von Claudio Monteverdi. Die schöne Dichtung stammt aus der Feder von Torquato Tasso (1544 – 1595) aus dem Werk „Gerusalemme liberata“. Lucia Napoli hat eine fein geführte warme Mezzosopranstimme, die wunderbar das „Lamento di Zelmi turca.  Con occhi belli e fieri“ von Luigi Rossi (Text von Fabio della Corgna (16oo? – 1643) zu Gehör brachte. Eine große Entdeckung war die wunderschöne Stimme des Baritons Mauro Borgioni der als „Testo“ in Claudio Monteverdis „Combattimento di Tancredi e Clorinda„. Eine samtige, fein geführte ausdrucksstarke Stimme, die man sich auch im Belcanto gut vorstellen könnte. Als Tancredi hörte man den Tenor Luca Cervoni mit passender Stimme. Die weiteren Sänger ergänzten wunderbar in den Ensembles Enrico Torre/Altus, Ricardo Pisani/Tenor und Giacomo Nanni/Bass. Sie alle sangen von Giandomenico Martoretta „O stelluccia d `amor„, Palestrinas „Le selve havea d `intorno al lito Euxenio„, sowie „Alla guerra d `amore“ von Sigismondo d `India. Von Marco da Gagliano spielten die ausgezeichneten Instrumentalisten die „Sinfonia a 3 aus Ballo di donne turche„. Jeder Musiker ein Solist, Laura Corolla und Gabriele Pro – Violine, Pietro Meldolesi/Viola, Tedoro Bau/Viola da gamba, Marco Contessi/Kontrabass, Francesco Tomasi/Theorbe und Laute , Salvatore Carchiolo/Cembalo und Nicola Procaccini/Orgel.

Musikalisch ein Höhepunkt, oder der Höhepunkt dieser Resonanzenwoche.

Traditionell gab es im Anschluss das Resonanzen-Menu im Foyer. Die Speisenfolge war von der griechischen Küche inspiriert, aber leider kein großer Wurf. Da sind wir von der Küche des Weinzierl Besseres gewohnt. Die zu schwach gewürzten Speisen hätten besser zum Konzert der „Pseudogriechischen Musik“ gepasst. Jetzt muss ich noch einen Schluck Ouzo nehmen.

Elena Habermann