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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: ONEGIN – ein Meisterwerk aus Meisterhand

09.02.2016 | Ballett/Tanz

WIENER STAATSOPER/ Staatsballett am 8.2.2016 „ONEGIN“ – ein Meisterwerk aus Meisterhand

So hundertprozentig pointiert interpretiert, wie es dieses choreographische Meisterwerk von John Cranko wohl verlangt, gelang dem Ensemble an diesem Abend nicht so ganz. Trotzdem: ein schöner Erfolg und ansprechende Leistungen mit mehreren dramatischen Momenten von Vladimir Shishov in der Titelrolle, Ketevan Papava (Tatjana) und Kirill Kurlaev (Fürst Gremin). Und frische Jugendlichkeit strahlten Natascha Mair (Olga) und Davide Dato als Lenski bei ihren Rollendebüts aus.

Ein halbes Jahrhundert kann Crankos getanzte Version von Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ für sein Stuttgarter Ballett nun schon auf den großen Bühnen bestehen, und dieses Liebesdrama mit edler romantischer Prägung hat nichts von seinen lyrischen Reizen eingebüßt. Diese gute, sensible Geschichte, vom Choreographen eindringlich und hochmusikalisch erzählt, vermag ein breites Opernpublikum nach wie vor zu erfreuen. Dirigent James Tuggle stellte sich am Beginn allerdings schon sehr brutal ein, schickte nur wenige zärtere Küsschen zu den Tänzern hinauf. Im Schlussakt allerdings, als das Orchester zu Peter Iljiitsch Tschaikowskis „Zarte Vorwürfe“ in Moll  – Musikarrangement: aus dem Melodien-Schatz des russischen Meisters, überwiegend von Karl-Heinz Stolze orchestrierte Klavierstücke – dann doch zu echtem Philharmoniker-Sound fand, klang die Aufführung sehr berührend aus. 

Meinhard Rüdenauer

 

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