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ZWICKAU: Besuch im Hause Schuhmanns in Zwickau zum 170.Todestag von Robert Schuhmann (29.07.1856)

29.07.2026 | Reflexionen-Festspiele

Besuch im Hause Schuhmanns in Zwickau

zum 170.Todestag von Robert Schuhmann (29.07.1856)

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 Während meines dreijährigen Aufenthalts in Leipzig und Chemnitz lag es nahe, neben Dresden und allen anderen wunderschönen Städten Sachsens, auch einmal Zwickau zu besuchen. Erwähnenswert ist auch Freiberg, ein Juwel des Mittelalters, nur 30.Minuten von Dresden entfernt, wo die berühmte Orgel von Gottfried Silbermann, dessen Hauptorgel 1770 – 1714 erbaut, und mit 44 Registern (2674 Pfeifen) wohl das größte Werk ist, welches zur damaligen Zeit erschaffen wurde.

Auf den Stufen der Lutherkirche in Zwickau saß ich nun, um meine so erlebnisreichen Eindrücke noch einmal Revue passieren zulassen. Clara und Robert Schuhmann, das große Musikerehepaar der deutschen Romantik – hier in Zwickau, dessen Geburtsstätte Robert Schuhmanns am Hauptplatz Nr.5 sich befindet, und wo man bei Betreten der Räumlichkeiten, den Eindruck gewinnt, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Gleich oberhalb des Stiegenaufgangs, den langen Flur entlang, finden wir beim Betreten des Entrees, zahlreiche, weitläufige, insgesamt acht große Ausstellungsräume, die mit über 350 Exponate, von der Haarlocke Clara Wiecks bis zum Schachspiel Robert Schuhmanns und Puppenbesteck der Schuhmann-Kinder, intime Einblicke in das tägliche Leben des berühmten Künstlerehepaares geben. Sogar Claras schwarze, elegante Biedermeierpumps stehen noch neben den Pedalen ihres Flügels, die greifbar nah zum Mitnehmen verleiten. Aus einem Nebenzimmer hört man entfernt, einen jungen japanischen Musikstudenten mit so einer Inbrunst die „Träumerei“ spielen. Ohne nun zu wissen, wer denn so virtuos am Flügel des Wilhelm Wiecks spiele, so erweckt es doch, zumindest bei mir den Eindruck, als sei in dieser so in sich ruhenden Atmosphäre, die schöne und so großartige Klaviervirtuosin Clara dem Totenreich entstiegen, um hier nun selbst, so wie bereits zu Lebzeiten, wie so oft die Musik von Robert vor internationalem Publikum zuspielen.

Als ich die göttlichen schumannschen Töne vernahm, war ich zutiefst gerührt, und fühlte mich in eine Zeit zurückversetzt, die aber in Wahrheit, gar nicht so ein friedliches Biedermeier war, wie uns die Geschichte zu erzählen versucht. Der Vater Roberts, Friedrich August Gottlob Schuhmann, der neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit, zunächst 1799 als Verlagsbuchhändler tätig, gründete bald darauf einen Buchladen und Verlag, das bald zu einem literarischen und politischen Zentrum der Stadt Zwickau und ganz Sachsen wurde.

Friedrich August Schuhmanns historisch – politisches Wochenblatt der „Erzgebirgische Bote“ wurde zum Sprachrohr der fortschrittlichen, politischen Kräfte des unruhigen Sachsen. Die politischen Wogen schlugen immer höher, Klagen und Beschwerden wegen der Ausschreitungen der Feudalarmee und der Misswirtschaft in der städtischen Verwaltung; der Hass gegen den Hof wuchs immer mehr an. Es wurde offenbar, dass die radikalen bürgerlichen Bestrebungen tief in der Gesellschaft wurzelten.  August Schuhmann stand in einer engen Beziehung zu Karl Ernst Richter, dem Theologen, indem die Zeitgenossen die Seele der fortschrittlichen politischen Kräfte Sachsen erkannten. Richters Blatt „Die Biene“ war das Organ des Widerstandes; in seinen Spalten erschienen, besonders zu Anfang der dreißiger Jahre, unter dem Einfluss der Pariser Juli-Ereignisse, glühende revolutionäre Artikel. Nicht zu vergessen die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 die 100.000 Opfer forderte. Mögen die Familie Wieck und die Schuhmanns vor dem kriegerischen Gemetzel auch verschont geblieben sein, so gehörten doch Leid und Elend, ebenso zum Alltag des gemeinen Volkes, so wie es in vorjährigen oder späteren Jahrhunderten immer wieder stattgefunden hatte.

In diese revolutionären Geschehnisse und kriegerischen Zeiten, wurde unser, später erfolgreiche Komponist Robert, Alexander Schuhmann am 8.Juni 1810 hineingeboren, wo er als fünftes Kind das Licht der Welt erblickte. Robert schreibt später in seinem Tagebuch „…Ich war fromm, kindisch und hübsch, lernte fleißig und ward in meinem 6 ½ Jahren in die Privatschule des jetzigen Amtspredigers in Freiberg, des H. Döhner, der damals hier Archidiaconus war, eines sehr gebildeten und geachteten Mannes, geschickt: im siebenten Jahre lernte ich lateinisch, im achten französisch und griechisch…“

Robert war ein glückliches, sorgenloses Kind, und ergötzte sich staunend an schönen Gebeten und Gedichten und versuchte angenehme, harmonische Klänge auf dem Klavier anzuschlagen.

Im Jahre 1820 kam er aufs Gymnasium seiner Geburtsstadt. Von da an entfalteten sich vor den Augen der Eltern und Mitschüler seine vielfältigen Talente. Doch zu Anfang schien sich der junge Schuhmann doch eher für die Literatur zu interessieren, wo vom Vater die Begabung vererbt, er zunächst selbst Verse und Gedichte schrieb, und unter anderem auch Gedichte früherer alter Klassiker ins Deutsche übersetzte.

Robert beschäftigte sich außerdem mit Philosophie, spielte Klavier und komponierte eigene Melodien. Der Vater als Literat freute sich am meisten über die dichterische Ader Roberts und ebnete ihm den Weg für seine schriftstellerischen Versuche. Zuerst versuchte er sich in Liebesgedichten, dann schrieb er Tragödien, und unter den Arbeiten des Gymnasiasten – Schriftstellers finden sich sogar zwei Romane. Die Literatur begleitete seine ganze Jugend, wo er aber auch ebenso unter der Verlockung der Musik stand. Mit sieben Jahren bereits begann er bei dem städtischen Organisten Kuntsch Klavierstunden zu nehmen. Er blieb neun Jahre lang sein Schüler und erlernte von ihm die Elemente der Harmonielehre und des nummerierten Basses. Roberts musikalische Begabung lenkten natürlich auch alle Aufmerksamkeit auf seine Mitschüler und seine Eltern, nur bekanntlich konnte man schon damals nicht allein von der Kunst leben. Und in erster Linie war es die Mutter Johanna, Christiane Schuhmann, geboren Schnabel, die sich zunächst gegen eine künstlerische Laufbahn aussprach, da ihr diese für zu ungewiss und unsicher erschien. Hingegen der Vater durchaus Verständnis für eine weitere musikalische Ausbildung plädierte, und wo er beschloss, seinen Sohn 1825 zu Carl Maria von Weber zu bringen, um damit Robert seine musikalische Ausbildung dort fortsetze. Doch Weber war inzwischen nach England gereist, von dort kehrte er nicht mehr zurück, wo er in London am 5.Juni 1826 verstarb. Auch Friedrich August Schuhmann verstarb am 10.August 1826, wodurch sich die musikalischen Pläne für den Sohn zerschlugen.

Während ich hier den Beitrag schreibe schlendere ich gedanklich durch den dritten Raum des Schuhmann Hauses, um auf seinen weiteren Spuren zu wandeln. Es ist eines der schönsten deutschen Musikermuseen in Deutschland, und besonders Schuhmannverehrern zu empfehlen, bei einem Urlaub im Erzgebirge in Zwickau einen kurzen Abstecher zu machen, da nicht nur das Museum, sondern auch diese entzückende historische Stadt durchaus sehenswert ist. Interessant ist natürlich auch der Raum „Der Jünglingsjahre Leipzig/Heidelberg 1828 – 1835“ worauf wir in meinem Beitrag noch zusprechen kommen. Hier finden wir nicht nur frühere Porträts von Clara Wieck und ihren Eltern, auch wie Schuhmanns Aktentasche und Taschenkalender (1830) und ein Tafelklavier von Friedrich Rosenkranz mit pianistischer Trainingsapparatur nach Modellen des 19.Jahrhunderts. Außerdem Originaldrucke der ersten Werke Robert Schuhmanns und Clara Wiecks.

Doch kommen wir nun auf Schuhmanns Studentenjahre (1828 – 1830) zu sprechen. Auf das Zureden der Mutter und seines Vormunds, des Kaufmanns Rudel, ließ sich Schuhmann in die juristische Fakultät der Leipziger Universität einschreiben. Dort traf er mit seinem guten Freund und ehemaligen Schulkameraden Emil Flechsig zusammen, dieser stellte ihn Moritz Semmel, dem Bruder seiner Schwägerin vor. Die kleine Gesellschaft erweiterte sich bald um ein viertes Mitglied: In Gisbert Rosen fand Schubert eines der besten Freunde seines Lebens. Er mietete gemeinsam mit Flechsig eine Wohnung, und bald stellte sich auch heraus das alle vier für den Dichter Jean Paul (1763 -1825) schwärmten. Es entstanden rege Zusammenkünfte, die mit literarischen Debatten und Gesprächen über Kunst ausgefüllt waren. Der neue Freund Rosen begleitete Schuhmann auch oft nach Zwickau, unter anderem unternahmen sie gemeinsam in den Ferien lange Reisen durch Süddeutschland. Besuchten das Haus von ihrem großen Vorbild Jean Paul und fuhren dann weiter über Augsburg nach München.

Die Stadt widerhallte zu dieser Zeit von Heines Ruf: vor kurzem kamen die „Reisebilder“ und das „Buch der Lieder“ heraus, dass den damaligen jungen Dichter mit einem Schlag berühmt machten. Mit Hilfe eines Augsburger Bekannten, gelang es Schuhmann Heine persönlich kennenzulernen. In seinem Tagebuch schreibt er: „Ich stellte mir…in Heine`n einen mürrischen, menschenfeindlichen Mann vor, der schon wie zu erhaben über den Menschen und dem Leben stünde, als dass er sich schon an sie anschmiegen könnte. Aber wie anders fand ich ihn, und wie ganz anders war er, als ich mir ihn gedacht habe. Er kam mir freundlich, wie ein menschlicher, griechischer Anakreon entgegen, er drückte mir freundschaftlich die Hand und führte mich einige Stunden in München herum…“. Damals hätte sich noch keiner gedacht, dass zwölf Jahre später gerade Schuhmanns Musik den besonderen Ton der Heine’schen Gedichte finden, und dass der zu der Zeit unbekannte Jurist aus Leipzig, als Berufener Heines Gedichten das Tor des Musikreiches öffnen würde. Es erklärt sich auch, durch Schuhmanns besondere Liebe zur Dichtkunst, das er in späteren Jahren sich ausgiebig dem Liedgesang widmete.

In München trennten sich die beiden Freunde. Rosen fuhr nach Heidelberg weiter, Schuhmann kehrte über Bayreuth ins elterliche Haus nach Zwickau zurück, um von dort aus endlich nach Leipzig zu übersiedeln, somit sein Studium an der juristischen Fakultät anzutreten.

Doch aus den zahlreichen Briefen die er an seine Mutter schrieb, lässt sich erkennen, dass Schuhmann nicht gerade glücklich in Leipzig war. Aus seinen Briefen klingt Wehmut und Heimweh. Vor allem fehlen ihm die Naturschönheiten der Zwickauer Landschaft, aber auch die Zukunft machte ihm Sorgen. Als auch die Juristerei schien ihm nur wenig zu taugen, wo eine innere Zerrissenheit ihn teils wankelmütig und unzufrieden machte. Wobei ihm Philosophie und Geschichte eher interessierte, aber in Wahrheit die Musik ihn nicht mehr losließ. Obwohl er sich dem Wunsch seiner Mutter unterworfen hatte, dass ihn zwang zu studieren, so meldete er sich zumindest bei den Professoren Krug und Otto an, und ließ sich in die Liste der Hörer aufnehmen, besuchte kurze Zeit Vorlesungen, aber weiter reichte der Entschluss nicht. Am 13.Juni schreibt er an die Mutter: „…Ich gehe regelmäßig in die Kollegien, spiele des Tages zwei Stunden Klavier, lese einige Stunden oder gehe spazieren – dies ist mein einziges Vergnügen…

Wäre da nicht dieser Dr. Ernst August Carus, ein Arzt aus Colditz gewesen, der mit seiner gebildeten und musikliebenden Frau von feinem Geschmack in Leipzig ihre Salons gegeben, und eine Förderin talentierter Künstler der Stadt gewesen wäre. Viele wurden durch die Zusammenkünfte und durch den allgemeinen Künstlertreff bekannt. Auch Schuhmann, der sonst die Gesellschaft mied, verkehrte gern im Hause des Dr. Carius und begann allmählich als vertrauter Freund der Familie zu gelten. Hier erkannte man Schuhmanns wahres Talent, wo er auch den Komponisten Marschner und den Dirigenten G.Wiedebein kennenlernte, den er so hochachtete, dass er ihm seine neuesten Lieder zur Begutachtung zusandte.

Die Antwort von G.Wiedebein fiel günstig aus und spielte höchstwahrscheinlich eine wichtige Rolle, als sich der durch das ständige Schwanken in der Berufswahl aufgeriebene junge Schuhmann nach kurzer Zeit sich letztendlich für die Musik entschied. Wiedebein erkannte nicht nur sein Talent an, sondern gab ihm gute Ratschläge, die den angehenden Komponisten in seinen tiefsten ästhetischen Überzeugungen bestätigten.

„…Vor allem andern sehen Sie auf Wahrheit, Wahrheit der Melodie, der Harmonie und des Ausdrucks – mit einem Wort auf poetische Wahrheit. Wo Sie diese nicht finden oder auch nur bedroht sehen, da reißen Sie hinweg, und sollt` es Ihr Liebstes sein…“ schreibt Wiedebein weiter.

Im musikalischem Hause Dr. Carus lernt Schuhmann auch Friedrich Wieck kennen. Der damals dreiundvierzig Jahre alt war, hatte ursprünglich Theologe werden und sich nur nebenbei mit Musik befassen wollen. Da es ihm aber gelungen war, in Leipzig eine Musikschule zu gründen, widmete er sich endgültig ganz der Musik. Als Schuhmann ihm begegnete, hatte Wieck schon einen guten Ruf als vorzüglicher Klaviervirtuose. Besonders seine ältere Tochter Clara erregte bereits zu der Zeit in den musikalischen Kreisen Leipzigs immer größeres Aufsehen. Doch Clara war nicht nur eine virtuose Pianistin, sondern spielte auch Violine. Das junge Mädchen und der junge Student Schuhmann wurden bald gute Freunde. Friedrich Wieck war sich des außerordentlichen Talents Schuhmanns durchaus bewusst, und doch malträtierte er ihn oft mit stundenlangen Fingerübungen und versuchte ihn das Phantasieren am Flügel abzugewöhnen. Denn ihm ging es in erster Linie um eine gründlichste, technische Ausbildung.

Schuhmann sammelte wie zu Hause in Zwickau auch in Leipzig bald eine Gesellschaft, einen Freundeskreis um sich. Umgeben von Musikern wie Julius Knorr, Glock und anderen trat man gemeinsam in den Salons auf. Schuhmann komponierte zu dieser Zeit mehrere Quartette für Klavier und Streicher; von einem wissen wir bestimmt, vom verschollenen e-Moll Klavierquartett, dessen Klavierstimme er damals selbst spielte.

Der geistige Patron des Freundeskreises war Schubert. Alle schwärmten für ihn, Schuhmann vergötterte ihn, und spielte alle Werke die er auftreiben konnte, auswendig. In dieser Schubert – Periode seines Lebens entstand auch eine große Verehrung für J. S. Bach dessen Werke für ihn ebenso eine Inspiration, indem er sich mit Theorie und Praxis Bachscher Werke intensiv auseinandersetzte.

Durch die Musik wurde die Literatur allmählich in den Hintergrund gedrängt, und es dauerte auch nicht lange, da hatte er genug von der Universität Leipzig und schmiedete Pläne im nächsten Semester nach Heidelberg zu übersiedeln. „Heidelberg, sei die Stadt der Studenten, und er als Student habe ein warmes Heim in der Stadt gefunden…“ so schreibt er. Hier trifft er auch seine treuen Freunde Rosen und Semmel wieder. An seine Mutter bittet er um die Erlaubnis in die Schweiz und nach Italien zureisen, nur fehle ihm dazu oft das nötige Geld. Doch Schuhmanns Reise und Wanderlust lässt ihn nicht davon abhalten die Schweiz und Italien zu erkunden. Nicht selten versucht er als junger Reisender die Postkutsche zu vermeiden und geht mit dem Ranzen auf den Rücken zu Fuß, um auch die Schönheiten des „Schweizer Paradieses“ vollauszukosten.

In Italien lässt er sich vom „Dolce Vita“ und Musik inspirieren und fährt Anfang Oktober wieder nach Heidelberg zurück. In Erinnerung an seine Reisen stürzt er sich förmlich an das Klavier, übt oft bis zu sieben Stunden, improvisiert wo einige musikalischen Skizzen entstehen. Freunde und Bekannte, die sich im Hause A.F. Justus Thibauts, selbst hochmusikalisch, versammelten, baten Schuhmann oft auf dem Flügel zu phantasieren. An seinen Bruder Julius schreibt er: „…Du glaubst kaum, wie ich in Heidelberg allgemein geliebt und wirklich, ohne mir zu schmeicheln, geachtet und verehrt werde…“.

Am 1.Juli 1830 schreibt er nach Hause: „Selbst Thibaut rede ihm zur Künstlerlaufbahn zu, und bemerkte, ohne Herz und Hingabe könne niemand ein großer Jurist werden…“. Gedanklich hatte sich Schuhmann schon von seinem Jusstudium verabschiedet, indessen beschäftigt er sich intensiver mit dem Klavierspiel und dem Komponieren. Wo erste Entwürfe für eine Sinfonie und ein Klavierkonzert entstehen. Ende 1829 und Anfang 1830 – jene Klavierstücke zu Papier bringt, die bereits mit Opus Nummern versehen und der Nachwelt den Beginn seiner Komponisten – Laufbahn verdeutlichen. Dazu zählen das Werk „Papillons“ Op.2 Nr. 1,2,4,6 und 8 das 1831im Druck erschienen als Abegg – Varianten. Zu dieser Zeit schrieb er auch die erste Fassung der später in abgeänderter Form mit Op. 7 bezeichneten Toccata.

Am 21.August schreibt er an Wieck: „…Ich bleibe bei der Kunst, ich will bei ihr bleiben, ich kann es und muss es. Ich nehme ohne Tränen von einer Wissenschaft Abschied, die ich nicht lieben, kaum achten kann, ich blicke aber auch nicht ohne Furcht auf die lange Bahn hinaus, die zum Ziele führt, das ich mir jetzt vorgesteckt habe. Glauben Sie mir, ich bin bescheiden, habe auch viel Ursache, es zu sein; aber bin auch mutig, geduldig, vertrauensvoll und bildsam…“.

 

1831 kehrt Schuhmann wieder in sein geliebtes Sachsen, nach Leipzig zurück. Hier findet er ein blühendes Musikleben vor. An seine Mutter schreibt er: „…Ich kann mich nicht mehr an den Gedanken gewöhnen, als Philister zu sterben, und mir ist`s jetzt so, als wär` ich von jeher zur Musik bestimmt gewesen…“. Schuhmann treibt allem voran sich im Klavierspiel zu perfektionieren. Von Juli 1831 – Februar/März 1832 nimmt er weiteren Unterricht bei Heinrich Dorn in Komposition, Generalbass und Kontrapunkt. Wie ein Besessener folgt er den Übungen die ihm aufgetragen und sitzt bis zu sieben Stunden am Klavier um sein Ziel möglichst bald zu erreichen. Und doch trieb er die Versuche an selbst- angefertigten Übungen und ohne Wiecks Wissen allzu weit; Er überanstrengte seine Hand, und er selbst war schuld daran, dass seine Pianisten Laufbahn, die ihm eine so glänzende Zukunft versprochen hatte, schon nach kaum einem Jahr ein jähes Ende fand: im Oktober erlahmte der mittlere Finger seiner Hand. Schuhmann verfällt aufgrund seiner Erkrankung in Depressionen, kaum verkraftet er, dass er seinen Traum als Konzertpianist nun für immer aufgeben muss. Im August 1832 schreibt er an die Mutter „…Es habe keinen Sinn mehr das Klavierstudium fortzusetzen…“, denn nach Aussage des Musikermediziners und Neurologen Eckart Altenmüller handle es sich hier um eine tätigkeitsspezifische fokale Dystonie (neurologische Erkrankung) und man halte seine Beschwerden für unheilbar.

Schuhmann konzentrierte sich ab nun auf das eigenständige Erlernen von Kompositionstechniken. Anschauungsmaterial lieferte ihm hier vor allem das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach. In seinem musikalischen Lebenslauf schreibt er: „…Die meiste Zeit fast beschäftige ich mich mit Bach; aus solcher Anregung entstanden die Impromptus op. 5 die wohl auf eine neue Form zu variieren angesehen werden mögen. Auch die Komposition einer Sinfonie glückte in diesen Jahren; sie wurde bis auf den letzten Satz fertig…“. Der erste Satz wurde in Zwickau bald vorgetragen, als nämlich die dreizehnjährige Clara Wieck dort ein selbstständiges Konzert gab. Dieses Stück kennt die Nachwelt leider nicht, denn es ist verschollen. Die letzte Komposition des Jahres 1833 – und vielleicht die bedeutendste aus dieser Zeit – ist das Impromptu (op.5), das er auf ein Thema Klara Wiecks schrieb.

Schuhmann hatte nun alles daraufgesetzt, zumindest als Komponist erfolgreich zu sein, indem er hoffte, dass die „tüchtige Mühe“ auch seine Kunstfreunde ansprechen würde. Doch kaum hatte er seine Depression wegen der Erkrankung seiner Hand überwunden, traf ihn ein weiterer Schicksalsschlag. Sein Bruder Julius, der die väterliche Buchhandlung in Zwickau geleitet hatte, starb unerwartet, und bald folgte ihm die Frau Karls, eines anderen Bruders, die geliebte Schwägerin Rosalie, die er insbesondere hochgeschätzt und sehr verehrte.

An Clara schreibt er: „…Du warst damals ein kleines eignes Mädchen mit einem Trotzkopf, einem paar schöner Augen, und Kirschen waren Dein Höchstes. Sonst hatte ich niemanden als meine Rosalie. Ein paar Jahre vergingen. Schon damals um 1833 fing sich ein Trübsinn einzustellen an, von dem ich mich wohl hütete, Rechenschaft abzulegen; es waren Täuschungen, die jeder Künstler an sich erfährt, wenn nicht alles so schnell geht, wie er sich`s träumte. Anerkennung fand ich nur wenig; dazu kam der Verlust meiner rechten Hand zum Spielen. Zwischen allen diesen dunklen Gedanken und Bildern hüpfte mir nun und allein Deines entgegen; Du bist es, ohne es zu wollen und zu wissen, die mich sogar eigentlich schon seit langen Jahren von allem Umgang mit weiblichen Wesen abgehalten. Wohl dämmerte mir schon damals der Gedanke auf, ob denn Du vielleicht mein Weib werden könntest; aber es lag noch alles in so weiter Zukunft; wie dem sei, ich liebte Dich von jeher so herzlich, wie es unser Alter mit sich brachte…Dennoch fühlte ich mich nur selten glücklich, es fehlte mir etwas; die Melancholie, durch den Tod eines lieben Bruders noch mehr über mich herrschend, nahm auch noch immer zu. Und so sah es in meinem Herzen aus, als ich den Tod von Rosalien erfuhr. – Nur wenige Worte hierüberdamals lief ich denn auch in einer ewigen fürchterlichen Aufregung zum Arzt – sagte ihm alles, daß mir die Sinne oft vergingen, daß ich nicht wußte wohin vor Angst, ja daß ich nicht dafür einstehen könnte, daß in so einem Zustand der äußersten Hülflosigkeit Hand an mein Leben lege…“. Dies sind nur einige Auszüge einiger Briefe eines verzweifelten Mannes, wäre da nicht sein Freundeskreis gewesen, die Schuhmann von seinen quälenden Gedanken abbrachten, ihm immer wieder ermunterten. Um diese psychische Krise zu überwinden, die begleitet von Wahn – und Suizidvorstellungen, hier ihn sogar ein Arzt riet zu heiraten, indem er sich für Schuhmann eine Besserung dieses Zustandes erhoffte. Dem Rat folgend verlobte sich Schuhmann 1834 mit Ernestine von Fricken, geb. von Zedtwitz. Löste die Verlobung aber bald wieder auf und setzte der Dame jedoch ein musikalisches Denkmal: den Carnaval (1834/1835).

Nach dieser kurzen Affäre gründet Schuhmann neben seiner Kompositionsarbeit, zusammen mit Friedrich Wieck, dem gleichaltrigen Ludwig Schunke, und einigen weiteren Freunden im April 1834 die Neue Zeitschrift für Musik und machte damit der Allgemeinen musikalischen Zeitung Konkurrenz, in der er selbst einen bedeutenden Beitrag über Chopins op. 2, die Variations sur „La ci darem la mano“ de „Don Juan“ de Mozart, veröffentlicht hatte. Da die Mitbegründer der Zeitung kaum Zeit aufbringen konnten, übernahm Schuhmann zehn Jahre lang den größten Teil der Arbeit als Herausgeber und Redakteur und schrieb auch selbst viele Beiträge. Im Juli 1844 gab Schuhmann die Leitung der Zeitschrift an seinen Autor Oswald Lorenz ab.

Gedanklich befinde ich mich nun wieder im Hause Schuhmanns diesmal im Hochzeitszimmer – Darstellung einer Liebesgeschichte zwischen Clara Wieck und Robert Schuhmann die dokumentarisch widerlegt ist. Hier finden wir einige Exponate z.B. die Haarlocke und Taschenuhr Clara Wiecks, das Verlobungsgeschenk 1837, Kostproben aus der Brautkorrespondenz des Jahres 1840 und Hochzeitsgeschenke. Als auch einige Kompositionsentwürfe. Die Vitrine „Kulinarisches“ bietet unter anderem Besteck, Geschirr und Trinkgefäße aus Familienbesitz.

Ich lasse die Beziehung zwischen Clara und Robert noch einmal Revue passieren. Kaum gab es in der Musikgeschichte eine so berührende Liebesbeziehung wie zwischen Clara und Robert, deren Briefe mehr aussagen als nur einfache Worte.

Schuhmann ging also mit dem Gedanken einher seine Jugendliebe Clara zu heiraten. Doch in den ersten Monaten des Jahres 1836 traf ihn ein weiterer Schicksalsschlag das ihn in tiefste Schwermut verfallen ließ. Im Februar starb seine geliebte Mutter im Alter von 65 Jahren. Er fuhr sofort nach Zwickau; das Testament, die Erzählungen seiner Freunde über die Krankheit, die Leiden und die letzten Tage der Mutter erschütterten ihn zu tiefst. Ward er nicht genug bestraft, dass er viel zu früh seinen Vater verlor, danach seinen Bruder, dann Rosalie und jetzt seine geliebte Mutter? Der Verlust der Mutter war für Schuhmann ein schwerer Schlag. Und doch fühlte er ein Mädchen neben sich, mit dem er sein Schicksal teilen konnte. Nach dem Besuch am Grab seiner Mutter eilte er direkt zur Zwickauer Post, um an Clara zu schreiben.

„Abends nach 10 Uhr, 13. Februar 1838…Mein heutiger Tag war von mancherlei bewegt – ein offenes Testament meiner Mutter, Erzählungen von ihrem Sterben: hinter allem Dunkeln steht aber immer Dein blühend` Bild, und ich trag` alles leichter. In Leipzig wird mein erstes sein, meine äußeren Angelegenheiten in Ordnung zu bringen; mit dem inneren bin ich im Reinen; vielleicht das der Vater die Hand nicht zurückzieht, wenn ich ihn um seinen Segen bitte. Freilich gibt es da noch viel zu denken, auszugleichen. Indes vertrau` ich auf unsern guten Geist. Wir sind vom Schicksal schon für einander bestimmt; schon lange wußte ich das, aber mein Hoffen war nicht so kühn, Dir es früher zu sagen und von Dir verstanden zu werden…“. Doch der Vater Wieck wünschte sich ein anderes Los für seine Tochter. Er war wegen Claras Künstlerlaufbahn an Schuhmanns Seite besorgt, und hätte ihre Zukunft auch sonst nur neben einem soliden, in geregelten Verhältnissen lebenden Gatten gesichert gesehen. Der alternde und mürrische Klavierlehrer war auch so nicht immer gut auf Schuhmann zusprechen, warum hätte gerade er ihm, der viel zu schwärmerisch und verträumt, oft wankelmütig, dem es an Besonnenheit und Gleichgewicht fehlte, seine Einwilligung zu einem Bündnis zweier Liebenden geben sollen? Er hielt Schuhmanns Zukunft für die stürmischste Unsicherheit selbst. Als die beiden ihre Liebe gestanden, geriet der alte Wieck in maßlosen Zorn, und statt beschwichtigender, überzeugender Worte griff er zu den energischsten Mitteln, um die seiner Ansicht nach tragische Ehe noch rechtzeitig zu vereiteln. Er schickte Clara auf eine Konzerttournee und dem jungen Mann verbot er ein für alle Mal sein Haus. Die zwei jungen Leute litten zwischen Hoffnung und Resignation und waren hin und her gerissen. Endlich beschlossen sie, dass Robert am 13.September 1837, dem 18. Geburtstag von Clara, sich wieder an den Vater wenden und um die Hand seiner Tochter anhalten sollte.

Doch Wieck schlug Roberts Bitte erneut aus. Schuhmann schreibt am 18. September an Clara: „Die Unterhaltung mit Ihrem Vater war fürchterlich. Diese Kälte, dieser böse Willen, diese Verworrenheit, diese Widersprüche – er hat eine neue Art zu vernichten, er stößt einem das Messer mit dem Griff in das Herz…Was denn nun meine liebe Clara? Ich weiß nicht, was ich anfangen soll…gar nicht…Ich traue Ihnen, ach von ganzem Herzen, und das erhält mich aufrecht. – Aber Sie werden sehr stark sein müssen, mehr als Sie ahnen…Hätte ich nur ein Wort von Ihnen. Sie müssen mir sagen, was ich tun soll…Sie nicht einmal sehen zu dürfen! Wir könnten es, sagte er, aber an einem dritten Ort, in aller Gegenwart, recht zum Spektakel für alle. Wie das alles erkältend ist, so nagend! Auch schreiben dürften wir uns, wenn Sie reisen! Das war alles, was er bewilligte…“. In Zeiten dieser wahrlich unglücklichen Liebe entstanden sehr viele Briefe, zusammenfassend in einem „Brautbuch“ die Schuhmann seiner geliebten Clara schrieb mit den Worten: Dieses Buch ist für meine Braut Clara Wieck. Sollte ich plötzlich sterben, so bitte ich die Freunde, die es finden, es ihr zu geben. Ein tugendhaftes Weib ist eines Mannes größter Stolz.

 

Neben den Briefen und Liebesgeständnissen, entstanden auch mehrere Klavierstücke Schuhmanns, die die beiden Herzen noch enger verband. Die C- Dur – Fantasie, das „Concert sans orchestre“ (Op.14), die Fantasiestücke und die „Davidsbündlertänze“ sind durchweg Liebesmusik. In der Fantasie taucht zum ersten Mal die C – Dur – Melodie auf, die Schuhmann aus Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ übernahm, die sowohl hier als auch später in der Liederserie „Frauenliebe und Leben“ und in der Musik der C – Dur – Sinfonie das Symbol seiner Sehnsucht nach der Geliebten verdeutlicht.

Vom 3.Oktober 1838 bis zum 5. April 1839 lebt Schuhmann in Wien und bezieht ein Zimmer in der Schönlaterngasse Nr. 679 (heute Nr. 7a) im 1.Stock. Trifft dort mit zahlreichen Musikerkollegen zusammen. Außerdem versuchte er auch seine Neue Zeitschrift für Musik in Wien zu etablieren, aber bei Tobias Haslinger und Anton Diabelli stieß er auf Ablehnung, nachdem diese ihn an Graf Joseph Sedlnitzky, dem Chef der Zensurbehörde weiter verwiesen. In einem Brief Wien, 3 November, 1838 schreibt Schuhmann: „…Weder die Zeitung noch ich bleiben hier, wir passen im Grunde genommen nicht hierher. Die Sache hat sich nach genauer Erwägung von allen Seiten als nicht vorteilhaft herausgestellt. Das Haupthindernis ist die Zensur. Bis spätestens Ende April hoffe ich wieder in Leipzig zurück zu sein, mit neuer Kraft, mit mancher Erfahrung mehr mich der Zeitung anzunehmen…“. Dem kämpferischen Schriftsteller und Komponisten Schuhmann, der sein ganzen bisheriges Leben der deutschen Kunst gewidmet hatte, schienen das berühmte Wiener Gemüt müde, die Gedankenwelt der Wiener oberflächlich, ihre Probleme verschroben und auf ein Nebengleis geraten zu sein. Doch obwohl der vielen Enttäuschungen in Wien, entschädigte ihn wenigstens der Besuch bei Ferdinand Schubert, dem Bruder des Komponisten, der ihm einen Einblick in Schuberts Nachlass gewährte, worunter er eine ganze Reihe unbekannter Werke entdeckte, darunter die große C-Dur Sinfonie.

Seine geliebte Clara wollte er noch in Salzburg treffen und man plante ebenso eine gemeinsame Reise nach London. Doch beides zerschlug sich.

Monate um Monate vergingen. Clara durchlebte fürchterliche Monate und hoffte immer, daß der Vater doch endlich seine Einwilligung zu einer Heirat geben werde. Jedoch in Anbetracht der Wiener Misserfolge Schuhmanns versteifte sich Wieck. Er scheute sogar vor Verleumdungen nicht zurück und schonte weder Schuhmann noch die eigene Tochter. Solange Clara nicht gewillt war, den Weg eines offenen Bruches mit ihrem Vater zu betreten, blieb Schuhmann nichts anderes übrig, als zu warten und zu leiden. Am 8.Juni 1839 schreibt er an Clara: …Ich bin heute in mein neunundzwanzigstes Jahr getreten, vielleicht schon die größte Hälfte von meinem Leben liegt hinter mir. Sehr alt werde ich ohnedies nicht, dies weiß ich genau. Es haben meine großen Leidenschaften in mir gestürmt, und Kummer um Dich hat auch an mir gezerrt…O Du meine geliebte Clara, wann endlich werde ich Dir in die Arme stürzen können. Vergessen und verziehen soll dann das sein, was wir haben umeinander dulden und kämpfen müssen – auch Deinem Vater…“. An Keferstein schreibt Schuhmann 31.Januar 1840: …Sie wissen vielleicht, daß Clara meine Verlobte ist, vielleicht auch, welche Mittel ihr Vater angewandt, die Verbindung zu hindern…Wie dem sei, verzögern kann er die Verbindung noch eine Weile, hindern aber nicht. Claras bedeutende Stellung als Künstlerin hat mich nun oft über meine geringe nachdenklich gemacht, und weiß ich auch, wie sie schlicht ist, wie sie in mir nur den Musiker und Menschen liebt, so glaub` ich doch auch, würde sie es erfreuen, wenn ich etwas für eine höhere Stellung im staatsbürgerlichen Sinne täte. Erlauben Sie mir nun die Frage: ist es schwer, in Jena Doktor zu werden?

Wie man sieht, war Schuhmann sogar bereit, aufgrund seiner großen Liebe in seinen alten Beruf als studierter Jurist wieder zurückzukehren, und doch befürchtete er, dass auch diese evtl. Entscheidung, und das mit gutem Grund, auf den alten Wieck keinen Eindruck machen werde. Also entschlossen sich die jungen Leute ihr Los in die Hand des Gerichts zulegen und reichten im Juni 1839 ein Gesuch an das Appellationsgericht zu Leipzig ein. Auf die Eingabe hin wurde eine regelrechte Verhandlung anberaumt. Inzwischen musste sich Clara mit ihrem Vater noch einmal auseinandersetzen, damit sie wiederholt um seine Einwilligung bitten und er noch einmal seine Gegenargumente darlegen könne. Die zweite Begegnung war für Clara entscheidend: „…Dieser Tag hat mich getrennt auf ewig, wenigsten das zarte Band, zwischen Vater und Kind zerrissen – mein Herz ist auch, als wär` es zerrissen! …“. Das Gericht entschied sich zu Gunsten der zwei Liebenden; im September 1840 gab es seine Einwilligung zur Ehe. Endlich durften sie heiraten. Sie feierten ihre Hochzeit am 12. September 1840, den Vorabend des 21.Geburtstags Claras, in der Kirche von Schönefeld bei Leipzig wo sie auch ihre ersten Ehejahre verbrachten. An diesem Tag begann Schuhmann ein neues Tagebuch; das er als „Ehetagebuchs“ bezeichnete wo wir den allgemeinen Ehealltag aber auch das spätere Glück mit den Kindern mitverfolgen können. Es kam die Zeit seiner dauernden, innigen Seligkeit. Schuhmann dankte seinem Schicksal für sein tiefes Glück und für alles, was ihm die erfüllte Liebe schenkte, mit der reichen Ernte der folgenden Jahre. 1840 wurde ein Jahr großer Produktivität, in dem rund die Hälfte seines gesamten Liedschaffens entstand, und Clara bestärkte ihren Mann in seiner Arbeit, war aber auch seine strengste Kritikerin. In der musikalischen Zweisamkeit, das für Robert eine Voraussetzung war, veröffentlichte das Ehepaar 1841 Zwölf Gedichte aus Rückerts Liebesfrühling für Gesang und Pianoforte als op.37 (Robert Schuhmann) und op.12 (Clara Schuhmann), ohne dass die Autorschaft der einzelnen Lieder offenbart wurde. 1841 komponierte Schuhmann seine Sinfonie Nr.1in B – Dur, die Frühlingssinfonie. Sie wurde am 31.März unter dem Dirigat von Felix Mendelsohn Bartholdy uraufgeführt, die wahrlich zu einem Publikumserfolg wurde. Noch im selben Jahr vollendete Schuhmann die Sinfonie in D – Moll. Schlag auf Schlag entstanden im Schuhmanns „Kammermusikjahr“ drei Streichquartette op.41, das Klavierquintett Es – Dur op.44, das Klavierquartett op.47 und die Phantasiestücke op.88 für Klavier, Violine und Violoncello. 1843 bekommt Schuhmann eine Anstellung für kurze Zeit am Leipziger Konservatorium, um dort Klavier, Komposition und Partitur Spiel zu unterrichten. In dieser Zeit versuchte der alte Friedrich Wieck Schuhmann zu helfen, indem er in seinen Schriften immer wieder auf die Vorbildlichkeit von dessen Musik – nicht in Interpretationen seiner Tochter Clara – hinwies und ihn neben Fréderic Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ignaz Moscheles und Carl Maria von Weber zu seinen künstlerischen Vorbildern erklärte. In einem Versöhnungsbrief an Clara versuchte Wieck außerdem mit dem Ehepaar Schuhmann, die sich inzwischen eines Töchterchens erfreuten, Marie Friederike Elisabeth die bereits am 1.Sept. 1841 geboren ward, wieder anzubahnen. Er unterzeichnete den Brief mit „Ihr Vater F, Wieck“. Robert Schuhmann blieb Friedrich Wieck jedoch gegenüber reserviert, denn zu tief saßen die seelischen Wunden die er ihm einst angetan hatte. Selbst als 1843 die zweite Tochter Elise geboren, hatte der inzwischen gewordene Großvater keinen Kontakt zu seinen Enkelkindern bzw. verbot Robert dem alten Wieck den Zutritt zum Haus.

Obwohl des Familienglücks und der ersten Erfolge Schuhmanns die Geldsorgen wuchsen, begab sich Clara Schuhmann im Januar 1844 wieder auf Konzerttournee, unter anderem nach Russland, was ihr 6000 Taler einbrachte. Schuhmann begleitete sie – in den Augen der Bewunderer Claras, stand er weniger im Mittelpunkt als Komponist, sondern eher als Gatte, einer Europaweit bekannten Pianistin. In St. Petersburg wurde seine 1.Sinfonie in einem Privatkonzert aufgeführt.1844 zerschlug sich Schuhmanns Hoffnung, Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden. Schuhmann zog daraufhin mit seiner Familie am 15.Dezember 1844 nach Dresden. Die Folgezeit war geprägt von Krankheiten, er klagte über ständige Müdigkeit, Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle und Hörstörungen. Die Folge war möglicherweise bipolare Störungen, die auch als manisch – depressive Krankheit zu bezeichnen ist. Vermutlich trug auch eine frühere Syphilis zu der Erkrankung bei, insbesondere zum neurokognitiven Verfall sowie zu den Schwindelanfällen und Hörstörungen. Und doch trotz seiner Erkrankungen bleibt Schuhmann weiterhin produktiv. Er vollendet sein Klavierkonzert in a – Moll op. 54, schrieb seine Oper Genoveva op.81 und die Bühnenmusik Manfred op.115. Außerdem zahlreiche Klavierwerke, Kammermusik, Lieder, Chorgesang und Werke für Chor und Orchester. 1847 löste er Ferdinand Hiller als „Liedmeister“ der Dresdner Liedertafel, einer Männergesangsvereins ab.

Schuhmanns nochmalige Bemühungen um den Posten des Leipziger Gewandhauskapellmeisters scheiterten wiederum, ebenso sein Vorhaben, Hofkapellmeister in Dresden zu werden. Glücklicherweise erhielt er im Dezember 1849 das Angebot, die Nachfolge von Ferdinand Hiller als Städtischer Musikmusikdirektor in Düsseldorf anzutreten. Schuhmann zögerte zunächst, und vor allem das ihm vertraute Sachsen zu verlassen. Schließlich entschloss er sich doch mit Einverständnis von Clara die Stelle anzutreten, wo die Familie am 1.Dezember 1850 Dresden verließ und in Richtung Westen fuhren.

In Düsseldorf wurde das Ehepaar Schuhmann mit Respekt und Ehrungen empfangen, die einem der größten Musiker Deutschlands gebührten. Der Empfang war ausgesprochen herzlich: Orchester und Chor hatten einige Werke Schuhmanns einstudiert. Es gab eigens für ihn einen Ball und Souper. Schuhmann wurde von Hiller in die künstlerischen Kreise eingeführt. Die Begeisterungsfähigkeit der Rheinländer steckte Schuhmann an: Er komponierte 1850 neben vielen anderen Werken im November und Dezember seine 3.Sinfonie in Es – Dur, die sogenannte Rheinische. Neben dem Komponieren, war Schuhmann als städtischer Musikdirektor mit vielerlei Aufgaben beschäftigt. Er führte die Leitung des bestehenden Berufs – und Amateurorchesters, dessen Träger der Allgemeine Musikverein der Stadt war. Schuhmann hatte pro Winter zehn Abonnementkonzerte zu planen, einzustudieren und zu leiten. Zudem war er verpflichtet, in zwei katholischen Kirchen Düsseldorfs vier größere Aufführungen zu veranstalten. Darüber hinaus musste Schuhmann den Düsseldorfer Anteil an den gemeinsam mit Köln und Aachen veranstalteten Niederrheinischen Musikfest vorbereiten und durchführen. Schuhmann stellte sich zwar allen diesen Herausforderungen, fühlte sich aber wegen seiner allgemein schwachen Gesundheit oft überfordert. Im Jahre 1853 stellte ihm der Geiger Joseph Joachim (1831 – 1907), ein Musiker der Schuhmann hochverehrte, im Herbst 1853 dem damals 20 Jahre alten Johannes Brahms vor. Die beiden freundeten sich an und musizierten gemeinsam mit Schuhmanns Schüler und Freund Albert Dietrich (1829 – 1908). Die Drei wurden zu einem musikalischen Team. Ein Ausdruck dessen ist die im Oktober 1853 für Joseph Joachim verfasste F.A.E. Sonate für Violine und Klavier. Die in dieser Zeit entstandenen konzertanten Werke für Klavier und Violine gelten als ein letzter Höhepunkt in Schuhmanns Schaffen. Schuhmann war außerdem von Brahms Können als Pianist und Komponist begeistert. Er bewirkte, dass der Musikverlag Breitkopf & Härtel einige Werke von Brahms veröffentlichte. Bald zählte Brahms auch zum allgemeinen Freund der Familie Schuhmann, wo er auch eine besondere Verehrung für Clara, selbst Schuhmann nicht verborgen blieb. Aber er tolerierte dieses freundschaftliche Verhältnis Brahms zu seiner Frau, die ihm auch weiterhin treu ergeben blieb.

Vom 24.November – 22.Dezember 1853 begleitete Schuhmann seine Frau auf einer Konzertreise nach Holland. Clara spielte dabei mit viel Beifall, Schuhmanns Klavierkonzert a – Moll op.54 auch dessen Konzert Allegro d – Moll op. 134, das Klavierquintett 0p.44 und das Klavierquartett op.47. Schuhmanns 1. und 2. Sinfonie wurden bejubelt und auch der Rose Pilgerfahrt op.112 traf den Geschmack des Publikums, das Schuhmann als Berühmtheit feierte. 17.Januar 1854 vermerkt Schuhmann in seinem Tagebuch: „In allen Städten wurden wir mit Freunden, ja mit viel Ehren bewillkommnet. Ich habe mit Bewunderung gesehen, wie meine Musik in Holland beinahe heimischer ist, als im Vaterland.“

Zwei Tage später reist das Ehepaar Schuhmann nach Hannover, wo Clara Schuhmanns von Joseph Joachim konzertierte Werk für Violine und Orchester op. 131 spielte.

Am Höhepunkt des Erfolges endlich angelangt verschlechterte sich Schuhmanns Gesundheitszustand immer mehr. Im Februar 1854 verstärkten sich Schuhmanns psychische Leiden zusehends. Er klagte vor allem über „Gehöraffektionen“. Töne, Akkorde, ganze musikalische Stücke tobten in seinem Kopf und raubten ihn den Schlaf. Auch längere depressive Phasen beeinträchtigen seine weitere Schaffenskraft.

Sein Freund Joseph Joachim schreibt in einem Brief: „Am 17. Februar meldete sich das erste untrügliche Symptom der Geisteskrankheit. Schuhmann stand in der Nacht auf und bat um ein Licht, um ein Thema niederzuschreiben, das er – wie er zu den bestürzten Familienmitgliedern sagte – von einem Engel soeben erhalten habe. Die Nachricht verbreitete sich rasch in der Stadt, und die Freunde eilten zu Frau Klara, um ihr zu helfen und sie in der Pflege des Kranken abzulösen. Schuhmann lag nicht im Bett, er hütete sogar das Zimmer nicht ständig. Wer ihn in einer guten Stunde besuchte, verließ ihn in der Überzeugung, die Nachricht sei nur ein Gerücht gewesen…“. Wie es in Wahrheit um Schuhmanns Gesundheit stand konnten weder Clara noch die Freunde damals richtig beurteilen. Denn hier und da gab es auch immer wieder lichte Momente. Zu Hause verschloss er sich, statt eine Erklärung für sein Verhalten zugeben, machte sich wieder an seine Arbeit und setzte sie fort wo er sie liegengelassen hatte. Aber die momentane Erleichterung täuschte weder die Ärzte noch ihn selbst. Tag und Nacht wurde Schuhmann währenddessen von seiner Frau und seinen Kindern beobachtet wo er bereits seit dieser Zeit unter ärztlicher Aufsicht stand. Konnte allerdings trotzdem am 27.Februar 1854 in einem unbeachteten Augenblick die Wohnung in der Bilker Straße 1032 (heute Nr.15) verlassen. Er ging zur nahen Oberkasseler Pontonbrücke, stieg über das Geländer und stürzte sich, nachdem er seinen Ehering ins Wasser geworfen hatte, in den Fluss. Zum Glück wurde Schuhmann vom Brückenmeister Joseph Jüngermann und weiteren unbekannten Männern gerettet, nach Hause geleitet und von einem herbeigerufenen Arzt betreut. Clara ließ man nicht zu ihm. Sie suchte mit ihren Kindern Zuflucht bei einer Freundin, und erfuhr über den Suizidversuch ihres Mannes erst später. In Erkenntnis des schrecklichen Vorfalls entschied sich Schumann freiwillig, auf eigenen Wunsch, nach Endenich, neben Bonn, sich in die Nervenanstalt des Dr. Richards einweisen zulassen.

Die fachgemäße Behandlung, der Umgebungswechsel und die Ruhe taten bald ihre Wirkung. Der Kranke wurde ruhiger, sein allgemeines Befinden besser. Am liebsten blieb Robert auch tagsüber im Bett oder auf dem Sofa, und machte ab und zu kürzere Spaziergänge im Garten. Beklemmungen und Gehörstörungen blieben aus, der Appetit kehrte zurück und er schlief gut. Nur war er immer müde und fühlte sich oft erschöpft. Seine Erschöpfung paarten sich oft mit Melancholie und er vermisste Clara und seine Kinder. Denn Clara fügte sich den Vorschriften der Ärzte, außer dass sie miteinander korrespondierten, ahnte Clara noch nicht, dass sie ihren Mann nur noch auf dem Sterbebett sehen würde.

Schuhmann schreibt am 14.September 1854 „Wie freute ich mich, geliebte Clara, Deine Schriftzüge zu erkennen; habe Dank, daß Du gerade an solchen Tagen schriebst und Du und die lieben Kinder sich immer noch in alter Liebe erinnern. Grüße und küsse die Kleinen. O könnt ich Euch einmal sehen und sprechen; aber der Weg ist doch zu weit. So viel möchte ich von Dir erfahren, wie Dein Leben überhaupt ist, wo ihr wohnt und ob Du herrlich spielst wie sonst, ob Marie und Elise immer vorschreiten, ob sie auch noch singen – ob Du noch den Klemms `schen Flügel hast – wo meine Partiturensammlung (die gedruckten) und die Manuskripte (wie das Requiem, des Sängers Fluch) hingekommen sind, wo unser Album, das Autographen von Goethe, Jean Paul, Mozart, Beethoven, Weber und viele andere an Dich und mich Briefe enthielt, wo die Neue Zeitschrift für Musik und meine Korrespondenz?...Schreibe mir noch Genaueres über die Kinder, ob sie noch von Beethoven, Mozart und aus meinem Jugendalbum spielen, ob auch Julie das Spiel fortsetzt und wie sich Ludwig, Ferdinand und die liebenswürdige Eugenie zeigen… So viele Fragen und Bitten hab` ich – … So leb` denn wohl geliebte Clara und ihr lieben Kinder, und schreibt mir bald! Dein alter getreuer Robert.“

Mit ärztlicher Erlaubnis durfte Schuhmann auch hier und da nach Bonn, wo ihn sein Weg immer zu Beethovens – Denkmal führte. Stundenlang stand er in Gedanken versunken vor dem Meister, den er hochverehrte und den er sein ganzes Leben für sein Ideal hielt. An Clara schreibt er: „Eben komme ich von Bonn zurück, immer Beethovens Statue besuchend und von ihr entzückt. Wie ich vor ihr stand, erklang die Orgel in der Münsterkirche. Ich bin jetzt viel kräftiger und sehe viel jünger aus als in Düsseldorf. Nun möchte ich Dich um etwas bitten, daß Du Herrn Dr.  Peters schriebst, mir manchmal von Geld zu geben, was ich wünschte, und ihm wieder ersetztest. Oft bitten mich arme Leute, und dann dauert`s mich…wie war das sonst ganz anders… Gib mir doch Mitteilungen über das Leben unserer Anverwandten, Freunde und Freundinnen in Köln, Leipzig, Dresden und Berlin, über Woldemar, Dr. Härtel, Du kennst sie alle…“. Im letzten Brief 1855 schreibt Schuhmann an seine Frau über den, der ihm zu dieser Zeit am nächsten stand; er wollte Brahms fröhlich zum 22.Geburtstag gratulieren. „…Den Geburtstag unseren Geliebten wußt ich nicht; darum muß ich Flügel anlegen, daß die Sendung noch morgen mit der Partitur ankömmt…“.

Am 27.Juli 1856, sah Clara zwei Tage vor Schuhmanns Tod, ihn an einem Sonntag wieder. „Ich sah ihn, es war abends zwischen 6 und 7 Uhr. Er lächelte mich an und schlang mit großer Anstrengung, denn er konnte seine Glieder nicht mehr regieren, seinen Arm um mich – nie werde ich das vergessen. Um alle Schätze gäbe ich diese Umarmung nicht wieder hin. Mein Robert, so mußten wir uns wiedersehen, wie mühsam mußte ich mir Deine geliebten Züge hervorsuchen; welch ein Schmerzensanblick! Vor 2 ½ Jahren von mir gerissen, ohne Abschied, was alles auf dem Herzen, und nun still zu seinen Füßen lag ich, wagte kaum zu atmen, und nur dann und wann ein Blick, zwar umnebelt, aber doch so unbeschreiblich mild wurde mir…Montag den 28. Waren wir, Johannes und ich, den ganzen Tag draußen, immer ab und zu bei ihm, oft aber auch nur durch das kleine Fensterchen in der Wand nach ihm blickend. Er litt schrecklich, obgleich der Arzt es nicht meinte. Seine Glieder waren in fortwährendem Zucken, sein Sprechen oft sehr heftig. Ach, ich mußte Gott bitten, ihn zu erlösen, weil ich ihn ja so lieb hatte… Dienstag, den 29. sollte er endlich befreit werden von seinen Leiden – Nachmittag 4 Uhr entschlief er sanft. Seine letzten Stunden waren ruhig, und so schlief er auch ganz unbemerkt ein, niemand war in dem Augenblick bei ihm…“.

Am Abend des 31.Juli 1856 wurde Schuhmann auf dem alten Friedhof in Bonn zu Grabe getragen. Clara Schuhmann überlebte ihren Mann um 40. Jahre. Sie wurde neben ihm im gemeinsamen Ehrengrab beigesetzt. Die Töchter Marie Friederike wurde selbst eine erfolgreiche Pianistin, Elise unterrichtete als Klavierlehrerin in Frankfurt, Julie lebte aufgrund ihrer schwachen Gesundheit bei Freunden Claras im Süden, Sohn Emil verstarb bereits im Kindesalter (8.Februar 1846 – 22.Juni 1847), Sohn Ludwig, mit einer erfolglosen Schul – und abgebrochenen Berufsausbildung wurde eine Geisteskrankheit diagnostiziert, lebte fast 30. Jahre in der Landesversorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke im Schloss Colditz und verstarb mit 51.Jahren. Sohn Ferdinand wurde Bankangestellter in Berlin, Eugenie verbrachte ihre Kindheit und Jugend aufgrund der Konzerttätigkeit der Mutter bei einer Freundin Clara Schuhmann bzw. in Pensionaten und lebte 20 Jahre als Klavierlehrerin in London. Der letzte Sohn Felix, kam drei Monate später am 11.Juni 1854 nach Schuhmanns Einweisung in eine Nervenheilanstalt, auf die Welt.  Er infizierte sich im Alter von 19.Jahren mit einer Lungentuberkulose, schrieb, vom Vater das Talent vererbt, literarische Verse und verstarb mit Vierundzwanzig am 16.Februar 1879.

Schuhmanns Biografien, aber auch seine Tagebücher erzählen eines der erschütterndsten und tragischsten Lebensgeschichten, die jemals über einen Komponisten, außer vielleicht Beethoven, jemals geschrieben und veröffentlicht wurden. In diesem Beitrag habe ich versucht einige Briefe miteinzubinden, aber es ist durchaus empfehlenswert, die gesamte Korrespondenz zwischen Clara und Robert, seiner Familie, seinen Freunden, Bekannten und Kollegen auszuheben und zu lesen. Mein damaliger Besuch im Schuhmann Hause in Zwickau gab mir sehr viele Inspirationen mit auf den Weg. Die 140 Lieder die er allein Clara gewidmet hatte, seine vielen Werke wie Klaviersonaten, Kammermusik und Sinfonien, die er sozusagen in einem Schaffensrausch schrieb, sind ein Ausdruck seiner Seele und tiefsten Empfindungen. Schuhmann verstand die Musik als Sprache der Seele und verwandelte sein inneres Leben in lebendige musikalische Klangfarben – so wie es versteht der Dichter sein Erleben in Worte zu fassen.

Copyright Manuela Miebach

 

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