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ZULU

05.05.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Zulu

Ab 9. Mai 2014 in den österreichischen Kinos
ZULU
Südafrika  /  2013
Regie: Jérome Salle
Mit: Orlando Bloom, Forest Whitaker u.a.

Ein Polizeifilm ist ein Polizeifilm ist ein Polizeifilm? Zwar sind auch hier ein Schwarzer und ein Weißer Partner, aber dennoch ist alles ganz anders. Denn dieser Film von Jérome Salle inszeniert den Schauplatz dermaßen mit, dass er nahezu zum Hauptdarsteller wird: Südafrika.

Man könnte einen dauerbesoffenen, völlig gleichgültigen  weißen Polizisten und einen streng-korrekten schwarzen Polizisten (mit sexuellen Nöten und Geheimnissen) auch anderswo finden, und die Mordgeschichten würden auch überall funktionieren: junge weiße Frau irgendwo tot abgelegt, Designerdroge, Polizei auf der Suche nach den Händlern. Das geht so superbrutal schief (ein sympathischer Polizist – Conrad Kemp – wird geradezu dahingeschlachtet), dass man sich ganz tief in seinen Kinosessel vergraben möchte. Nur ein Polizeikrimi?

Nein, ein Südafrika-Film, die tragische Darstellung eines nach wie vor zerrütteten Landes (so sehr man uns von der Leinwand auch – zu Recht – Mandelas Großtaten gepredigt hat). Ali (eine weitere Meisterleistung von Forest Whitaker, es scheint, als könne er nur solche liefern) ist ein Schwarzer, der als Kind am eigenen Leib (bis zur Kastration) jede Gewalt an sich und seiner Familie erfahren hat (sein Vater verbrannte vor seinen Augen bei lebendigem Leib) und dennoch nichts möchte, als mit allen friedlich zusammen leben, was bekanntlich so einfach nicht ist, wenn es die anderen nicht wollen. Ihm zur Seite seine fabelhaft nüchterne Mama, die irgendwann auch in die hoffnungslose Spirale tödlicher Gewalt gerät.

Brian Epkeen ist ein Bure, der viel zu unkonventionell ist, um dieselben Vorurteile und grimmigen Hassgefühle zu nähren wie viele seiner Landsleute, inklusive seiner eigenen Familie (hier wird auch das Thema aufgebracht, dass Wissenschaftler an Drogen arbeiteten, die die schwarze Bevölkerung des Landes ausrotten sollten…) Orlando Bloom, auf den ersten Blick nicht zu erkennen, bärtig, müdes Gesicht, abgerissen, spielt Brian, einen Mann am Ende, von Frau und Kind getrennt, die Gattin nun mit einem Superreichen zusammen, immer mit seinem halbwüchsigen Sohn zusammenstoßend, der ihn mit Verachtung überschüttet… Der frühere Orlando Bloom, den man kannte (von „Fluch der Karibik“ bis „Herr der Ringe“), war immer ein Vergnügen, weil er sein hübsches Äußeres mit Selbstironie unterfütterte. Aber der neue Orlando Bloom ist entschieden interessanter. Auch wie er, als der Fall der Drogengeschäfte schrecklich Fahrt aufnimmt, gewissermaßen „aufwacht“, wieder zu dem Menschen wird, der eine Aufgabe hat, ohne dass das in kitschiges Pathos überginge…

Dieser Film ist von schauriger Brutalität, aber vor allem reflektiert er die Menschenverachtung einer Gesellschaft, die Andersfarbige auf jeden Fall ohne mit der Wimper zu zucken auszurotten bereit ist –  Schwarz wie Weiß unterscheiden sich da nicht. Sie tragen ihre gewalttätige Geschichte mit sich herum, und weil wenige daraus gelernt haben, sind sie gezwungen, sie immer wieder zu wiederholen. Nein, das ist kein schöner Urlaubskrimi, deutsches Fernsehen, Safari, Tafelberg, devote schwarze Bedienste. Das ist eine Hölle, deren Shootout in der Wüste von Namibia stattfindet und niemanden schont, blanke Hoffnungslosigkeit, direkt auf die Leinwand gebracht, und man ist fassungslos, weil man zu spüren meint, dass es genau so sein dürfte wie hier dargestellt…

Renate Wagner

 

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