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YVES SAINT LAURENT

14.04.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Yves Saint Laurent

Ab 18. April 2014 in den österreichischen Kinos
YVES SAINT LAURENT
Frankreich  /  2014 
Regie: Jalil Lespert
Mit: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon u.a.

Auch wer keine Ahnung von Haute Couture hat, kennt den Namen „Yves Saint Laurent“ so wie man „Dior“ oder „Chanel“ kennt – er war einer der ganz Großen der Modebranche. Allerdings für den Durchschnittsmenschen, der seine Kleidung von der Stange kauft, nicht mehr. Geboren 1936, gestorben 2008, und als sein Freund nach seinem Tod die gemeinsame Kunstsammlung verkaufte, las man einiges in den Medien.

Das ist auch der Ausgangspunkt für einen Film, der in die klassische „Biopic“-Schiene fällt und an sich nicht ohne Reiz ist. Der grundlegende Fehler des Drehbuchs, das Regisseur Jalil Lespert hier mit ästhetischem und anderem Fingerspitzengefühl verfilmt hat – die Geschichte ist zu „privat“, weder der Künstler Saint Laurent noch der soziale, ökonomische und medienpolitische Hintergrund eines absoluten „Stars“ der Modeszene werden so ausgeleuchtet, wie er es verdiente und wie es einen mehr interessierte als der im Lauf des Films monotone Untergang eines besonderen Talent… Und das, obwohl der „reale“ Pierre Bergé diesen Film unterstützt und echte Saint Laurent-Stücke dafür zur Verfügung gestellt hat. Er hätte besser aufpassen sollen, dass seinem Lebensgefährten Gerechtigkeit widerfährt.

Man begegnet zuerst dem jungen, ausgemergelten Schüler, von der Herkunft her ein „Pied-noir“, wie man die Algerien-Franzosen nannte. Ihn hatte sein Zeichentalent und sein Gefühl für Mode früh genug in die „alte Heimat“ zurückgeführt, seine Eltern hingegen waren tief erschüttert, als sie aus der „Provinz“ Algerien, die ihre Heimat gewesen war, nach Frankreich mussten. Saint Laurent war ab 1953 jugendlicher Mitarbeiter im Imperium von Christian Dior, bis dieser 1957 starb – und man den 21jährigen zu seinem Nachfolger machte.

Pierre Niney spielt diesen Yves durch sein ganzes Leben, vom Schüler bis zum alten Mann, und das ist eine große Leistung. Der schüchterne Außenseiter, der es schwer hat, zu kommunizieren, besonders mit Frauen, so sehr sie ihm zu Füßen liegen. Nach einer kurzen Tragödie, die ihn als unfähig zeigt, in den Algerien-Krieg zu ziehen, werden die Szenen in der Welt der Mode – umgeben von Mannequins und Directricen –bald seltener, jene, die ihn auf seinen homosexuellen Ausflügen zeigen, häufiger.

Laurent und Partner

Mit Pierre Bergé fand Saint Laurent 1958 seinen Lebensmenschen: Guillaume Gallienne von der Comédie francaise liefert eine ähnliche Meisterleistung wie Niney, Geliebter, Gefährte, Beschützer, der Mann, der den Künstler immer vor der Wirklichkeit abschottete, wo sie zu hart wurde, der die Geschäfte des weltweit erfolgreichen Labels „Saint Laurent“ führte, der ihn nicht verließ, als Yves mehr und mehr in die Welt des Rauschgifts und der billigen Abenteuer abglitt. Man bewegt sich in der „Unterwelt“ von Marokko und Paris, Yves ging mit einem Liebhaber von Lagerfeld (dieser wird von Kinski-Sohn Nikolai Kinski täuschend echt verkörpert) eine enge Beziehung ein, Bergé zahlte den Mann aus – und blieb unermüdlich, Yves vor dem Abgrund zu retten. Im Grunde ist es nicht nur eine homosexuelle Beziehungsgeschichte, sondern das Heldenlied einer übergroßen Liebe (mit den hier dann nicht zu vermeidenden Einsprengseln von Kitsch hier und dort).

Man bekommt Partikelchen vom Arbeitsleben, wenn es so spektakulär ist wie die „Mondrian“-Kleider, die Saint Laurent, von diesem Maler inspiriert, entwarf und damit nicht nur Modegeschichte schrieb, sondern auch ästhetische Zeichen der Zeit setzte. Dabei geht es immer darum, ihn wie einen Schlafwandler zu zeigen, der durch sein Leben schwebte, ohne Lebenskonzept, ohne Halt (außer dem, den Bergé ihm gab), ohne Ziel, eine verlorene Seele.

Einmal bekommt man nicht das Biopic als Verherrlichung vorgesetzt, was zumindest eine Abwechslung ist. Außerdem ist der Film schlechtweg großartig gespielt. Und dann doch ein wenig unbefriedigend: Das allein kann es nicht gewesen sein. Nur im Drogenrausch auf schwulen Pfaden wandeln, macht keine Persönlichkeit von Weltruhm…

Renate Wagner

 

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