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WORLD WAR Z

24.06.2013 | FILM/TV

Ab 28. Juni 2013 in den österreichischen Kinos
WORLD WAR  Z
USA  /  2013 
Regie: Marc Forster
Mit: Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, Fana Mokoena, Moritz Bleibtreu u.a.

Zu Beginn des Films will Superstar Brad Pitt – von dem man ja weiß, dass er mit Gefährtin Angelina Jolie einen ganzen „Stall“ von Kindern, eigene und adoptierte, hat – dem Publikum geradezu privat zuzwinkern. Mit Gattin im Bett, wird er morgens von zwei lebhaften kleinen Töchtern geweckt, macht Frühstück, ist, wie man erfährt, der Papa, der den Job aufgegeben hat, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Ja, wenn es als Idylle beginnt, ist der Schock umso größer…

Und der lässt nicht auf sich warten: Erst sitzt die vierköpfige Familie nur im Auto und gerät offenbar in den Straßen von Philadelphia in einen Stau. Dann breitet sich plötzlich Chaos auf, einzelne Menschen brechen in Veitstanz zusammen und verwandeln sich erschreckend, auf einmal rennet und flüchtet alles, ohne sich zu retten: Man bekommt im Moment keine Erklärung für die Katastrophe, aber offenbar sind die Zombies los…

Wann diese Geschichte spielen soll, die auf einem Roman von Max Brooks beruht, weiß man nicht – es ist jedenfalls Science-Fiction, Katastrophe und Horror zugleich, und tatsächlich gibt es schon Überlegungen, ob die programmierten Blockbuster dieses Sommers sich nicht so ähneln und im Wege stehen, dass sie am Ende zu Flopbustern werden, weil das Publikum müde wird, sich mit im Prinzip stets denselben Katastrophen füttern zu lassen…

Hier sind es also die schauerlichen Zombies, die unsere Familie flüchten lassen, und nun stellt sich heraus, dass Gerry Lane alias Brad Pitt nicht nur braver Vater, sondern eigentlich UN-Katastrophen-Fachmann ist. Zwar will er der Aufforderung des UN Deputy Secretary-General nicht folgen, sich auf die Spuren der „Seuche“ zu setzen (es wird unterstellt, man wird Zombie, so wie sich einst AIDS verbreitet hat, nur dass es hier in Sekundenschnelle geht, etwa wie beim Vampirbiß), aber nur, wenn er sich bereit erklärt, Ursachen und damit Bekämpfungsmöglichkeiten der Katastrophe zu erforschen, bekommt er für seine Familie Platz auf einem sicheren, unverseuchten amerikanischen Schlachtschiff. Was bleibt dem braven Familienvater, der außerdem noch Patriot und Menschenfreund ist, schon übrig?

Seine Reisen, die man logisch nicht nachvollziehen darf, führen von Korea, wo das Virus ausgebrochen sein soll (was man sieht, ist immer schaurig und grausig), nach Israel. Hier erster wahrer Katastrophen-Klimax, wenn Heerscharen tobender Zombies Mauern überwinden und Menschen jagen. Interessanterweise wird die Soldatin Segen zwar gebissen, mutiert aber nicht und darf Gary auf seiner weiteren Flucht begleiten. Die führt sie über einen Flugzeugabsturz (kein Film, den man im Flugzeug zeigen sollte) weiter nach Wales (!), wo es eine WHO-Forschungsstätte gibt, in der man Wissenschaftler, die zu Zombies mutiert sind, eingeschlossen hat…

Nun bekommt Brad Pitt seinen großen Auftritt, man weiß nur leider nicht wirklich, worum es geht, als er es wagt, sich in die geschlossene Abteilung zu begeben, sich dabei an den Monstern vorbei zu schleichen, sich selbst zu infizieren – und damit die Welt zu retten? Weder logisch noch wirklich spannend – und dann ist alles plötzlich ganz schnell zu Ende. Mit einem ordentlichen Drehbuch hat sich da wirklich niemand auseinander gesetzt.

Als Regisseur fungierte immerhin jener Marc Forster, der den letzten James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ zu seinem so außerordentlichen, düsteren Ereignis gemacht hat. Düster ist diese Geschichte auch, fugenlos in ihrem schaurigen Computer-Effekten und Horrorvisionen und Echtmenschen-Szenen (natürlich bekommt man wieder die 3 D-Brille auf die Nase gesetzt), aber man hat schon so viel dergleichen gesehen, dass es schwer fällt, stets von neuem beeindruckt zu sein. Ehrlich – eigentlich sind die Zombies so öde wie der Handlungsverlauf.

Seltsam auch, dass man sich für diesen Film so überhaupt keine Mühe mit der Besetzung gemacht hat. Außer dem noch immer publicity-trächtigen Namen Brad Pitt findet man in der Besetzung absolut niemanden, der mit einem gewissen Bekanntheitsgrad oder auch nur mit einer sehenswerten Leistung aufwarten würde. Dass in einer winzigen Nebenrolle – als Wissenschaftler im weißen Mantel – Moritz Bleibtreu auftaucht, ist überhaupt nur für deutsche Kinobesucher erkennbar. Und auch da erzielt es (wie die lächerlichen Nebenrollen, die Til Schweiger gelegentlich in Hollywood-Filmen spielte) nur ein Kopfschütteln. Nein, nicht Mireille Enos als Ehefrau des Helden, nicht Daniella Kertesz als die israelische Soldatin (nicht sehr weiblich, kein Love Interest) putzen die Sache auf, und die übrigen Männer der Geschichte gleiten – bis auf Fana Mokoena, ein schwarzer südafrikanischer Schauspieler als amerikanischer UN Deputy Secretary-General – geradezu gesichtslos vorbei.

Am Ende stellt sich die Frage, was mit Brad Pitt los ist. Es ist voll und ganz „sein“ Film, er hat sich die Rechte an dem Stoff gesichert und ihn produziert, sich allein als „Star“ in den Mittelpunkt gestellt, und hofft zweifellos, die rund 200 Millionen Dollar Gestehungskosten, die da drin stecken, wieder heraus zu bekommen.  Es ist, vor allem in den Special Effects, ein Schlachtschiff von Film – aber was bietet er ihm als Darsteller? Rein gar nichts.

Nun hat Brad Pitt ja die Jahre seit „Mr. & Mrs. Smith“ 2005, was zumindest noch eine potente Action-Komödie war, damit vergeudet, für die Öffentlichkeit das zu spielen, was er durch diesen Film wurde – nämlich der männliche Teil von „Brangelina“, wobei er als der Mann des Paares immer ein paar Schritte hinter Angelina Jolie zu gehen schien, die doch die Blicke und Kameras vordringlich auf sich zog. Außer den „Inglourious Basterds“ (und da hießen die Stars Quentin Quarantino und Christoph Waltz) hat er seither in keinem Film mitgewirkt, der jenem Superstar-Charakter Genüge getan hätte, den er sich in den Neunziger Jahren erarbeitet hat. Dabei war unter den Filmen, die er mit bemerkenswerter Ungeschicklichkeit wählte, auch nichts wirklich Hochwertiges dabei (es sei denn, man nähme „Tree of Life“ als solches, aber dem werden viele zurecht widersprechen) – kurz, Brad Pitt dürfte genau gemerkt haben, dass er etwas tun muss, um den Absturz aufzuhalten, zumal er ins gefährliche Alter kommt.

Ob der Zombie-Blockbuster, den er gewählt hat, die richtige Entscheidung war, sei dahingestellt. Aber da es ja nur ums Geld geht und der der Film mit 66 Millionen Dollar allein am Eröffnungswochenende fast ein Drittel seiner Kosten eingespielt hat – das ist immerhin ein unschlagbares Argument.

Wenn also ein Schauspieler so viel wert ist wie sein letzter Film, dann hält sich die Aktie Brad Pitt im Jahr seines 50. Geburtstags nur noch mit zweifelhafter Zombie-Hilfe am Leben…

Renate Wagner

 

 

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