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WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS

23.07.2013 | FILM/TV

 

Ab 25. Juli 2013 in den österreichischen Kinos
WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS
The Wolverine  /  USA  /   2013
Regie: James Mangold
Mit: Hugh Jackman, Famke Janssen, Tao Okamoto, Rila Fukushima u.a.

Von den Mutanten, die man als „X-Men“ kennt, ist – zumindest im Kino – Wolverine zweifellos der stärkste, denn er hat (mal abgesehen von den „Oldies“ Xavier und Magneto und eventuell von „Storm“ Halle Berry) die stärkste Besetzung gefunden: Hugh Jackman, kraftvoller, aber nicht penetranter Körper, ausdrucksvoller Schauspieler, auch dann letztlich immer sympathischer Typ, wenn er mit seinen aus den Knöcheln ausgefahrenen sechs Messer-Krallen exzessiv wird. Er trägt auch einen „X-Men“-Ableger-Film, in dem er die alleinige Hauptrolle spielt.

Die Geschichte ist diesmal nach Japan versetzt, wohl nicht nur, weil Wolverine auch als Marvel-Comic-Figur dort einiges erlebt, sondern wohl auch, um den japanischen Filmmarkt zu befriedigen, der diesmal fast alle anderen Hauptdarsteller und das Ambiente zwischen Großstadt Tokio und wundervoller Landschaft stellen darf. Allerdings zeigt sich bald, dass Wolverine – wenn auch mit seinen bekannt unirdisch-mutantischen Fähigkeiten – hier in einen ganz normalen Film geraten ist. Und nicht einmal in einen besonders aufregenden…

Erste Szene: Nagasaki am 9. August 1945. Wolverine ist (Erklärung wird keine gegeben) Gefangener der Japaner. Die amerikanischen Flieger kommen – viele Japaner begehen Seppuku. Auch der junge Soldat Yashida (Hal Yamanouchi) schickt sich dazu an. Wolverine rettet ihm das Leben. Erster Rückblick, denn er schreckt aus einem Traum auf.

Offenbar liegt er an der Seite seiner – eigentlich verstorbenen – Ex Jean Grey (Famke Janssen, ganz „durchsichtig“, in dieser Funktion als Traum-Frau noch öfter auftauchend), was sich aber nach kurzem, halb philosophischem Dialog auch als Traum erweist…

Gegenwart: Irgendwo, wo es sehr kalt ist und schneit (Kanada wohl). Wolverine, zottelhaarig, wild bärtig, sehr einsam und böse, weit eher dem Grizzlybären verwandt als den gemeinen Menschen, die diesen schlachten, wird von einem rothaarigen, seltsamenJapan-Girl namens Yukio nach Japan abgeholt. Diese Yukio (Rila Fukushima mit ihrem schrägen Grinsen kann echt unheimlich sein) ist zwar keine Mutantin, aber eine potente Kämpferin, außerdem kann sie den Tod von Menschen voraussehen.

In Japan stirbt inzwischen Yashida, den Wolverine einst gerettet hat, nun ein alter Mann, Herr über einen gewaltigen, offenbar vor allem der Biologie verschriebenen Konzern. Er möchte Wolverine seine Unsterblichkeit und seine Fähigkeit, sich stets selbst zu regenerieren, abkaufen, was dieser bei aller Freundschaft ablehnt.

Der Alte stirbt (oder auch nicht…), und vom Begräbnis an ist Wolverine vom Drehbuch her eigentlich nur noch Bodyguard von dessen schöner Enkelin Mariko (Tao Okamoto mit all der Anmut, Zartheit und Eleganz junger Japanerinnen), die erkennen muss, dass nicht nur ihr Verlobter, sondern auch ihr Vater zu ihren Todfeinden zählt. Schließlich hat ihr der Großvater einfach alles vererbt.

Als einzigen Mutanten außer Wolverine gibt es eine wirklich fiese Blondine, die ihrem nom de guerre „Viper“ mit einer eklig herausgefahrenen Zunge gerecht wird und unseren Wolverine einige Zeit lang sogar ernsthaft bedroht (Svetlana Khodchenkova, hübsch und sehr hässlich zugleich) – bis er sich das Herz im Leib herausreißt, um es von dem tödlichen Implantat zu befreien, das sie ihm eingehaucht hat… Viel dramatischer wird es nicht.

Es gibt ein paar Kämpfe, aber selbst der am Dach des japanischen Hochgeschwindigkeitszugs ist seltsam undramatisch, und die diversen anderen Auseinandersetzungen (Ninjas hin, Ninjas her) fallen gewissermaßen müde aus: Da hat Regisseur James Mangold den Action-Teil des Unternehmens nicht wirklich in den Griff bekommen.

Die Enttäuschung, dass es kein echter „X-Men“-Film ist, kann auch der Nachspann nicht mildern, den man nicht versäumen sollte: Denn plötzlich sind sie für ein, zwei Minuten da, Magneto (Ian McKellen mit sardonischem Grinsen) und Charles Xavier im Rollstuhl (Patrick Stewart mit hintergründigem Lächeln) und verkünden Wolverine, dass er gebraucht wird, denn wieder einmal planen die Normalmenschen, die Mutanten auszurotten… Wenn sie es denn in Angriff nähmen, gäbe es wohl wieder einen echten „X-Men“-Film.

Gewiss, „Wolverine“ ist Hugh Jackman, er hat sich dieses Projekt mit Geduld für sich erarbeitet und ist sicher einer der großen Schauspieler des gegenwärtigen Kinos, aber in Begeisterung verfallen wird man über diesen Film nicht…

Renate Wagner

 

 

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