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WIE SCHREIBT MAN LIEBE

10.11.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Wie schreibt man Liebe 400

Ab 14. November 2014 in den österreichischen Kinos
WIE SCHREIBT MAN LIEBE
The Rewrite  /  USA  /   2014
Drehbuch und Regie: Marc Lawrence
Mit: Hugh Grant, Marisa Tomei u.a.

Wenn jemand in seiner Jugend Karriere gemacht hat, weil er ein hübscher Bursche mit unwiderstehlichem Lächeln war, ja, so wie Hugh Grant, dann hat man es mit Mitte 50 schwer, auch wenn man sich optisch erstaunlich gut gehalten hat. Der Lack ist ab von „Notting Hill“, aber Julia Roberts kennt ja auch keiner mehr, und es sind doch eigentlich nur 15 Jahre vergangen. Tempus fugit.

Aber Hugh Grant, für den die Rollen auch nur noch tröpfeln, hat sich eines bewahrt: seinen Humor und die Könnerschaft, Komödie zu spielen mit allen Mitteln, Körper, Geist, präzisen Pointen. Und wenn dann zufällig ein in sich gar nicht so dummes Drehbuch dazukommt, kann das plötzlich einen sehenswerten Film ergeben. Wobei es interessant ist, dass Autor / Regisseur Marc Lawrence bisher eher für mediokre Unterhaltung stand. Aber die Geschichte des abgehalfterten Drehbuchautors Keith Michaels mit dem einen, einzigen  Erfolgsfilm (aber diesen kennt jeder, dafür gab es auch den „Oscar“) hat auf mehreren Ebenen auch etwas zu sagen. (Wobei der Originaltitel „The Rewrite“, also „Der Umschreiber“, um Klassen besser ist als der absolut sinnlose deutsche Titel „Wie schreibt man Liebe“, der nur auf ein falsches Publikum zielt… Dieses soll sich „Das grenzt an Liebe“ ansehen.)

Der Drehbuchautor Keith also, der wie ein Bittsteller von einem Produzenten zum anderen gehen muss, um sich von den jungen Schnöseln anzuhören, dass seine Ideen sie eigentlich nicht „anturnen“. Der sogar zu alt ist, um noch als Umschreiber in Frage zu kommen. Und dem seine belästigte Agentin aus Verlegenheit anbietet, er könne ja ein Semester lang an der University of Binghampton eine Vorlesung über Drehbuchschreiben halten… Wovon er gar nichts hält, was er aber annimmt, weil es für ihn sonst gar nichts gibt. So geht’s – dass man „in“ war, ist nichts mehr wert, wenn man „out“ ist.

Also hinüber an die Ostküste, wo der Hollywood-Schnösel zwar bei den Studenten noch ein wenig Glamour besitzt, weil er Stars kennt – und die Stars sind die Götter unserer Zeit, wie man ihm sagt. Wie die Hackordnung in einem College funktioniert, davon hat er hingegen gar keine Ahnung – die Literatur-Lady, eine humorlose, nachträgerische Jane-Austen-Spezialistin (Allison Janney), mit lockerer Zunge zu verhöhnen, kommt ihm teuer zu stehen (wenn er nach vielen Kotaus am Ende ihre Memoiren lesen muss, stellt sich heraus, dass sie bei der Verfilmung natürlich von Meryl Streep gespielt werden will…). Und sich mit einer Studentin (Bella Heathcote) einzulassen, auch wenn diese schon mit allen anderen Professoren und Assistenten geschlafen hat, kann ihm dennoch den Hals brechen, wenn Übelwollende es darauf anlegen.

Nahezu berührend sind die Szenen in der Drehbuchklasse mit den verschiedenen Lebensentwürfen der jungen Leute. Sie sind natürlich – jedes Drehbuch-Gesetz wird festhalten, dass es so sein muss! – ethnisch und von der Persönlichkeit her so gemischt, dass sie möglichst bunt und gelegentlich auch kontroversiell daherkommen. Dass es eine erschütternd tüchtige, tapfere, patente ledige Mutter (die man beim Tanzen mit ihren Kindern beobachten darf…) geben muss – da wird’s ein bisschen dick, samt Happyend, aber dem Charme des Hugh Grant hat Marisa Tomei einiges entgegenzusetzen, und am Ende läuft es ja auf der Kinoleinwand immer noch auf die Persönlichkeiten hinaus (zumindest bei gewissen Filmen und für ein gewisses Publikum…).

Schön, wenn Hugh Grant als „Keith Michaels der Alternde“ dieses sein Altern vorgeführt wird, wenn einer seiner Studenten ein so zeitgemäßes Drehbuch geschrieben hat, dass er von den Produzenten auf Händen getragen und nach allen Regeln der Kunst umschmeichelt wird – so wie der junge Keith Michaels einst. Er weiß, was da noch kommt, was den jungen Mann alles erwartet er weiß, dass das nichts mehr für ihn ist, nie mehr sein wird. Er hat’s gehabt, er kann sich umdrehen und gehen, weil er weiß, wohin – weil er gelernt hat, wie viel Freude es machen kann, einer jungen Generation den Weg in die Zukunft zu weisen.

Auch das ist wohlfeil, gewiß, aber es soll ja kein gegen den Strich gebürsteter Film sein, Wohlfühlen ist angebracht, weil all die kleinen Bitterkeiten, die auch dazu gehören, nicht vergessen und unter den Tisch gekehrt werden. Und um Klassen besser als die üblichen Lustspiel-Banalitäten ist dieser Film noch lange. Möge es nicht das Ende für Hugh Grant sein – aber wenn, dann ist es eines, das ihm Ehre macht.

Renate Wagner

 

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