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WIE IN ALTEN ZEITEN

13.10.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Wie in alten Zeiten~1

Ab 17. Oktober 2014 in den österreichischen Kinos
WIE IN ALTEN ZEITEN
Love Punch / GB, Frankreich / 2014 
Regie: Joel Hopkins
Mit: Emma Thompson, Pierce Brosnan, Timothy Spall u.a.

Es hat sich herumgesprochen: Auch ältere Leute gehen ins Kino. Und sie wollen ganz gerne Darsteller sehen, die sie kennen (notabene: die mit ihnen älter geworden sind) und nicht nur die leeren, nichtssagenden und so schrecklich verwechselbaren Gesichter der Jungstars, die kommen und gehen, ohne weiteren Eindruck zu hinterlassen. Und die älteren Herrschaften sind für Hauptrollen noch lange gut, besser, bestens, während man ihnen ja meistens nur Nebenrollen in Blockbustern anbietet…

Also liefern Emma Thompson und Pierce Brosnan (ja, ja, ja, es gibt ein Leben nach James Bond, auch Sean Connery hat das viele Filme hindurch bewiesen) mit der wunderbaren Souveränität der großen Komödianten die obligate kratzbürstige Geschichte eines Ex-Paares, das durch die Umstände wieder zusammen kommt – und es nach und nach auch möchte. Eine weise Erkenntnis: Wenn man in seinen Zwanzigern heiratet und trotz der Kinder die Ehe in den Sand setzt, war man meist zu jung. Aber so in den späten Fünfzigern, wenn man weiß, wie das Leben „geht“ und was die Dinge wert sind (nicht nur, was sie kosten) – ja, da würde man es besser machen. In diesem Film geht’s also am Ende  auf ins glaubhafte Happyend.

Wenn jemand meinen sollte, „Wie in alten Zeiten“ sei ein dummer Film, der hat die tausend ironischen Anspielungen nicht verstanden. Der deutsche Titel ist übrigens viel besser als der originale „Love Punch“ (sprich: in der Liebe kriegt man leicht eine auf die Nase), denn er verweist auch auf alte Kinozeiten, die diese Geschichte, die nicht eine Sekunde glaubwürdig sein soll, andauernd zitiert und von Regisseur Joel Hopkins mit nie endender Laune auf die Leinwand gebracht wird.

Love_Punch_3 Taucherbrillen xx

Wie oft hat man schon gesehen, dass jemand im Taucheranzug eine Insel entert? Dass sich jemand als texanisches Pärchen ausgibt und entsprechend blöd benimmt? Dass man in eine Luxusvilla einschleicht und unters Sofa kriecht, weil man ein 10 Millionen-Dollar Diamantenhalsband stehlen will? Eben. Alles Kino, und es darf darüber gelacht werden, wenn ein an sich ganz normales englisches Pärchen dergleichen exekutiert.

Dabei ist der Ausgangspunkt der Geschichte gar nicht so unglaubwürdig, wenngleich Pierce Brosnan als Geschäftsmann natürlich hätte gescheiter sein sollen: Da bildet er sich ein, seine Firma gut verkauft zu haben, die Angestellten mit ihren Anteilen gesichert, sich selbst eine ordentliche Rente daraus gesichert zu haben – und dann stehen er und seine Leute vor verschlossenen Türen. Weil der neue Eigentümer das Unternehmen natürlich nur gekauft hat, um es auf der Stelle zu liquidieren. „Ja und?“ fragt er (Laurent Lafitte als schmieriger französischer Geschäftsmann Vincent), als man ihm Vorhaltungen macht. Was erwartet man heute im Geschäftsleben? Anstand?

Womit nicht nur Richard Jones, sondern auch seine Ex-Gattin Kate finanziell mit leeren Händen dasteht. Pierce Brosnan sieht noch immer gut aus, aber er hat aufgehört, es auszustellen: Er ist, was er ist, ein älterer, aber nicht alter Mann (der über diese Tatsache schmunzeln kann), der sein Schicksal noch einmal in die Hand nimmt. Dass er Kate nie hätte verlassen dürfen, das weiß er und das weiß das Kinopublikum, denn wenn Emma Thompson auch Haare auf den Zähnen hat (herrlich, wie diese Briten Pointen servieren!), so sprüht diese Frau doch vor Qualitäten.

Dass die beiden an die französische Riviera losziehen, um bei der Hochzeit dabei zu sein, die dieser miese Vincent mit dem Supermodel Manon (sehr sympathisch und menschlich: Louise Bourgoin), die für ihn nur eine Beutefrau ist, feiert – ja, das hat besagten Hintergrund, den Schmuck zu stehlen und sich zu sanieren.

Wie sie sich da einschleichen, Bekanntschaften machen, verstecken, Hilfe holen in Gestalt ihrer Nachbarn zuhause, Timothy Spall (demnächst als “Mr. Turner”, sprich, der Maler William Turner grenzgenial auf der Leinwand) und Celia Imrie – welch herrliche Typen die beiden! -, das ist alles im Grunde nur Geblödel, wenn es auch ganz locker scheinbar „in Ernst“ gespielt wird.

Es geht nur darum, etwas wieder zu beleben, das vor Jahrzehnten ein Erfolgsrezept war und nie aufgehört hat, seine Wirkung zu tun: die herrliche alte Screwball-Comedy mit einem attraktiven, intelligenten, schlagfertigen Hauptdarstellerpaar, das sich auf Augenhöhe die Pointen zuwirft, mit köstlichen Nebendarstellern und mit einem möglichst schönen Ambiente: Frankreich und die Cote d’Azur sind da immer eine verlässliche Bank.

Es ist ein Spaß – wie in alten Zeiten.

Renate Wagner

 

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