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WIE BEIM ERSTEN MAL

23.09.2012 | FILM/TV

 

Ab 28. September 2012 in den österreichischen Kinos
WIE BEIM ERSTEN MAL
Hope Springs /  USA  /   2012
Regie: David Frankel
Mit: Meryl Streep, Tommy Lee Jones, Steve Carell u.a.

Die beiden sind lange genug verheiratet, dass die Kinder außer Haus sind und sich eine „gemütliche“ Routine eingeschlichen hat. Dem Mann ist das sehr recht so – der Tagesablauf ist bewährt ritualisiert: Frühstück, von der Frau serviert, Büro, Heimkommen, Fernsehen bis zum Schlafengehen, jeder in seinem eigenen Bett, dazwischen lieber Zeitungslesen als Kommunikation (man muss ja nicht immer reden), so lässt das Leben für Arnold (Tommy Lee Jones) offenbar keinen Wunsch offen. Für Kay (Meryl Streep) hingegen jeden. Und da Frauen mitunter ja doch sehr lästig werden können, zumal, wenn sie in jeder Hinsicht unzufrieden sind, entwickelt sich eine nicht übermäßig originelle, aber stellenweise doch witzige Komödie, in der es wieder einmal um „Oldies“ geht.

Freilich, über die Naivität zumal von Damen muss man sich schon wundern, die meinen, die Zeit verlustlos zurückdrehen zu können – ein bisschen Therapie, und schon ist alles „Wie beim ersten Mal“? Aber es soll ja wohl, und das macht den Film witzig, um eine Parodie auf diese Art von „Eheberatung“ und „Therapiesitzung“ gehen, zu welcher die Gattin den widerstrebenden Gatten dann doch schleppt (es gibt Dinge, da gibt man besser nach).

Sie ist ja vielleicht bereit, sich ins Zimmer von Dr. Feld (mit ewig törichter Miene: Steve Carrell) zu setzen und dessen Fragen unter der Gürtellinie zu beantworten, aber ihr Mann empfindet das – und man kann es ihm nachfühlen – absolut als Indiskretion, Frechheit und auch Schwachsinn, sich hier über Regungen der Seele und des Unterleibs verbreiten zu sollen. Diese Zwangsaufforderung, das Innerste nach außen zu stülpen und möglichst noch wie in Fernsehshows perfekt zu artikulieren, zählt zu den absoluten Krankheiten unserer Zeit (aber fast jeder rennt in die Karlich-Show für seine 15 Minuten Ruhm). Abgesehen davon, dass dieser Film von David Frankel ergötzlich klar macht, wie verschieden in dieser Hinsicht Frauen und Männer sind: Sie können über Dinge reden, die ihre besseren Hälften nicht einmal denken, geschweige denn über die Lippen bringen…

Das alles wäre inhaltlich über die Maßen dürftig, wären da nicht Streep und Jones: Meryl Streep in ihrer bekannten Virtuosität, die nie als solche fühlbar ist, es ihr aber ermöglicht, absolut jeden Charakter, den sie anpackt, tausendprozentig glaubhaft zu dem ihren zu machen; Tommy Lee Jones abseits von seinem Leinwand-Klischee als harter Mann, der in seiner Verschlossenheit doch ahnen lässt, dass nicht alles so optimal ist, wie er den Anschein geben will.

Am Ende lernen sie, was jeder vernünftige Mensch ohnedies weiß: Zwingen lässt sich gar nichts (mit Luxussouper und angestrengten Verführungs-Strategien) – aber was sich so nebenbei ergibt, kann sich überraschend schön auswachsen… Kurz, Meryl kommt doch zu ihrem verdienten Sex, um den sie so ringt (oder hätte man das nicht verraten sollen?).

Nur das überkitschige, amerikanische „Familien“-Ende hätte man sich sparen können. Es tunkt den Film, der in seiner Mischung aus Problematik und Satire bis dahin sehr geschickt verfahren ist, dann doch noch in ein Meer von Sentimentalität. Auf einmal scheint es nichts anderes und nicht mehr gewesen zu sein als ein sehr simpler „How to do“-Ratgeber für Oldies – wie verleihe ich meiner eingeschlafenen Ehe den neuen Kick?

Aber selbst, wenn man es auf diese schlichte (und etwas enttäuschende) Aussage zusammen schmilzt – was die Streep und Jones hinlegen, ist die „Golden Globes“ für die besten Komödien-Leistungen wert.

Renate Wagner

 

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