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VERBIER/ Schweiz: VERBIER-FESTIVAL

20.09.2019 | REISE und KULTUR


Die Bergwelt rund um Verbier. Foto: Robert Quitta

VERBIER (Schweiz) / VERBIER FESTIVAL

am 1.,2. und 3.8. 2019

 Was macht man in einem beliebten Winterkurort, um seinen Gästen auch im Sommer etwas zu bieten und nicht nur so populistische Events wie Tennisturniere und E-Bike-Rennen veranstalten will? Ganz einfach: man gründet ein Klassikmusikfestival. Gstaad hat es vorgemacht, Verbier macht das seit nunmehr 25 Jahren auch mit großem Erfolg.

Dabei ist es wahrlich nicht leicht zu erreichen.

Irgendwie muss man nach Genf kommen, am besten von Wien aus mit dem Flieger. Mit der Bahn gehts dann nach Lausanne weiter, von dort RIchtung Brix. In Martigny ist noch einmal umsteigen angesagt und zwar in eine kleine Lokalbahn bis zur Endstation in einem Ort namens Le Châble.Von dort aus beginnt die letzte Etappe: eine Seilbahn bringt einen auf 1410 m Seehöhe. Sie sehen schon, es ist ein breiter Weg nach Verbier. Es setzt also – wenn man hier nicht gerade eines der künstlich gealterten Chalets besitzt – eine gewisse Entschlossenheit voraus, wenn man das Festival besuchen will…

Wobei Festival allein gar nicht der richtige Ausdruck für das 17 Tage währende Großevent ist, denn es gibt unter dem Titel FREE unzählige Gratisveranstaltungen wie Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen usw.usf.

Und es gibt natürlich die ACADEMY mit zahlreichen Masterclasses, geleitet von so Kalibern wie: Thomas Hampson, Barbara Frittoli, András Schiff, Manfred Honeck, Valery Gergiev etc. etc.


Das Festzelt. Foto: Robert Quitta

Das „eigentliche“ Festival, das hauptsächlich in einem provisorischen großen Zelt namens „Salle de Combins“ abgehalten wird, ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs einer Myriade von Workshops und musikalischer Aktivitäten. Es ist diese spezielle „Atmosphäre“ die den Ruf von Verbier begründet hat. Und selbstverständlich auch das beeindruckende Line-Up von Champions League Dirigenten, Solisten und Sängern, die gemeinsam mit dem ausgezeichneten Verbier Festival Orchestra und auch mit dem neugegründeten Verbier Junior Orchester auftreten.

Im heurigen Sommer allein waren zu Besuch: Valery Gergiev, Daniil Trifonov, Thomas Quasthoff, Reinhard Goebel, Arcadi Volodos, Mischa Maisky, Daniel Hope, Evgeny Kissin, Matthias Goerne, Franz Welser-Möst, Joshua Bell, Grigory Sokolov, Vadim Repin, András Schiff, Renaud Capuçon, Fabio Luisi u.v.a.m.


Fabio Luisi dirigiert die II. Mahler. Foto: Robert Quitta

Alle Konzerte mit klassischer Musik, die wir besucht haben (z.B.die öffentlichen Proben, Fabio Luisis feinfühlige Interpretation der 2. Mahler, die bravourösen Abschlusspräsentationen der Academy-Absolventen etc.), waren von erstklassiger Qualität und wurden auch vom Publikum begeistert aufgenommen.

Den absoluten Vogel, was die Zuschauerreaktionen betrifft, schoss jedoch das Gastspiel des brasilianischen Popmusik-Superstars Gilberto Gil ab.Der fast 80 jährige kam auf leisen Sohlen, ohne pompöse Ansage, ohne Vorband auf die Bühne, stellte sich hin und spielte dann zweieinhalb Stunden lang ohne irgendwelche Mätzchen die Songs seiner neuen CD „OK OK OK“ sowie natürlich seine weltweit beliebten Evergreens. Das Publikum geriet zusehends aus dem Häuschen. Da die Veranstalter leider keine Tanzfläche vorgesehen hatten, drängte man sich immer mehr in die engen Räume zwischen Bühne und erster Reihe und in die Gänge. Und besonders die nicht mehr ganz jungen Damen der Gesellschaft, an denen auch schon etliches verschönert worden war, shakten sich weg wie Teenies auf Ecstasy….

Ein emotionaler Vulkanausbruch mitten in den sonst so gesitteten Schweizer Alpen. Beeindruckend wie die majestätische Bergkulisse rundherum…

 Robert Quitta, Verbier


Das Zelt und die Berge. Foto: Robert Quitta

 

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