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… UND ÄKTSCHN!

05.02.2014 | FILM/TV

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Ab 6. Februar 2014 in den österreichischen Kinos
… UND ÄKTSCHN!
Regie: Frederick Baker
Mit: Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Maximilian Brückner, Michael Ostrowski, Robert Meyer, Nikolaus Paryla u.a.

Denkt man an die Reputation des Gerhard Polt als Kabarettist, ein Mann, aus dessen bayerischer Hinterfotzigkeit stets die profundesten Erkenntnisse über den Homo Germanicus zu gewinnen sind, wundert es doch, dass er mit seinen Filmen vergleichsweise wenig reüssieren konnte (Ausnahmen wie „Man spricht Deutsch“ natürlich ausgenommen). Nachdem Polt sich „römisch“ gegeben hat  und damit vor zehn Jahren (als „Germanicus“) wenig Freundliches zu hören bekam, kehrt er nach einer Generalpause in seine bayerische Kleinstadtwelt zurück. Aber das Thema, das er offenbar in aller Leichtigkeit stemmen wollte, erwies sich als zu schwer. Im Gegensatz etwa zu Dani Levy („Mein Führer“, 2007) fand Polt weder das Drehbuch noch die künstlerischen Mittel, mit Hitler kabarettistisch so fertig zu werden, wie er es sich offenbar vorgestellt hatte…

Die Ausgangssituation mag angehen. Polt spielt in seiner berühmten (künstlichen) Naivität den Hans Pospiech (bei uns in Österreich hieße er wohl Pospischil), Amateurfilmer in einer bayerischen Kleinstadt, der in der Garage haust, die ihm die Gattin gelassen hat. Er ist das Sorgenkind des smart-blöden Bankbeamten, den Michael Ostrowski zu einer bemerkenswerten Studie macht, denn Pospiech kommt mit dem Verkauf von Memorabilia aus dem Dritten Reich kaum über die Runden. Immerhin sieht man ganz witzig, welchen Blödsinn ferne Sammler – hier ist es ein Schweizer (köstlich: Viktor Giacobbo), mit dem er skypt – zu kaufen bereit sind! Dass und warum er, um einen von der örtlichen Bank ausgeschriebenen Filmpreis zu gewinnen, ausgerechnet Hitlers Privatleben verfilmen will, ist mit der Lektüre eines Buches über den privaten Hitler kaum begründet.

Da müssen jetzt die „Stars“ her. Gunther betreibt einen Plattenladen, gibt Musiknachhilfe und sagt in jedem zweiten Satz, dass „der Hitler a Oasch“ war – und man wird den Verdacht nicht los, dass das vielleicht auch ein Schutz für den Darsteller ist, Robert Meyer, vom Wiener Volksoperndirektor kurz zu seiner ursprünglichen Profession in sein ursprünglich heimatliches Bayern zurückgekehrt. Denn in einer Welt, wo stets die fürchterlichsten Verdächtigungen in der Luft liegen, könnte doch ein Schauspieler dafür belangt werden, dass er Hitler spielt – und am Ende sogar beargwöhnt werden, Sympathien für ihn zu empfinden??? Gerhard Polt wäre das in ein paar Interviews mit ungeschickten Formulierungen auch fast passiert, die man ihm nur durchgehen lässt, weil er Persona Grata ist… Kurz, Meyer spielt Hitler, er ist, wie man weiß, ein ausgezeichneter Schauspieler. Trotzdem gab es schon Überzeugenderes in diesem Kapitel der Schauspielkunst (ohne gleich Chaplin zu bemühen).

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Gisela Schneeberger, von Polts Arbeit nicht zu trennen, diejenige von Bayerns Schauspielerinnen, die unverdorbene Ursprünglichkeit am besten vermittelt (ob sie’s ist oder ob sie’s macht – was soll’s?), verwandelt sich von der Wirtin des Ortes zur Eva Braun, die in der Konditorei mit ihrem „privaten“ Hitler herumzupft, wobei die zentrale Frage lautet: „Zwetschkendatschi oder nicht Zwetschkendatschi?“

Sind diese Dreharbeiten schon halblustig, wird’s am Ende noch peinlicher, wenn Filmemacher Pospiech gar Hitlers Hochzeit und Tod im Bunker darstellen will – wozu sich völlig unnötig noch Robert Palfrader ins Bild schleicht. Er ist – neben Meyer und Ostrowski – ein weiterer Österreich-Beitrag zur Besetzung so wie die Kaffee servierende Brigitte Kren, die auch daraus noch ein paar Pointen schlägt, oder die verkniffene Erni Mangold, die ihren Pintscher als Hitlers „Blondie“ casten lässt und entsprechend giftig wird, als man sie ablehnt.

Auch Nikolaus Paryla ist bei Polt immer dabei, aber die Rolle des ehemaligen nebulösen „Filmmenschen“ hat keine Sekunde Hand und Fuß. Und auch der Neffe, den Maximilian Brückner spielt, ist als Figur gänzlich entbehrlich. Da ist der „unentwegte“ Herr Brunhuber (köstlich als Typ: Olaf Krätke), dem die Erinnerung an das Dritte Reich heilig ist, weit überzeugender.

Gäbe es mehr Figuren wie diese, an der man wirklich zeigte, wie Hitler noch in den Köpfen der Kleinstadt-Kleinbürger (die ja nun ganz anders ticken als die Großstädter) herumspukt, der Film hätte seinen Wert. Aber abgesehen davon, dass die Komik flach bleibt, vermisst man jegliche Art von intelligent-kritischem Ansatz, den Regisseur Frederick Baker und Polt in ihrem Drehbuch vergessen haben.

Von Karl Kraus wurde der Ausspruch berühmt: Zu Hitler fällt mir nichts ein. Das kann Gerhard Polt auch mit gutem Gewissen von sich behaupten. Aber dann braucht er, der Hochgeschätzte, keinen Film über das Faktum drehen, dass ihm nichts dazu einfällt…

Renate Wagner

 

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