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ÜBER-ICH UND DU

12.05.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Ueber Ich und Du~1

Ab 15. Mai 2014 in den österreichischen Kinos
ÜBER-ICH UND DU
Deutschland  /  2014 
Drehbuch und Regie: Benjamin Heisenberg
Mit: Georg Friedrich, André Wilms, Maria Hofstätter, Elisabeth Orth u.a.

Man kann und soll Autoren und Regisseure nicht einschränken, aber die Erfahrung lehrt, dass es im Sinne des Endprodukts ganz gut ist, wenn man sich für etwas entscheidet – ein Genre, eine Geschichte, einen Charakter. Dazu schwingt sich Regisseur Benjamin Heisenberg (bekannt durch den harten Krimi „Der Räuber“ mit Andreas Lust) in seinem Drehbuch zu „Über-Ich und Du“ nicht auf.

Was als Gaunerkomödie beginnt und zwischendurch Parodie auf die Psychoanalyse sein soll, zerflattert am Ende in gar nichts. Das bemerkenswerteste an dem Film sind die vielen entzückten Kritiken, die er geerntet hat. Aber über Meinungen kann man bekanntlich nicht streiten…

In der Hauptrolle Georg Friedrich (diese Woche in zwei neuen Filmen im Kino), sicher einer der skurrilsten Typen, die Österreich anzubieten hat, leider längst sein eigenes Klischee: Man wartet nur darauf, dass er einmal etwas Neues zeigt – aber man bietet ihm offenbar immer dieselben Rollen an und er liefert die gefragte Masche ab. Diesmal als Kleinkrimineller Nick, der nach eigener Aussage „Bücher um 2 Euro kauft und um 10 verkauft“, was sicherlich nicht stimmt  (abgesehen davon, dass er die Bücher keinesfalls auf legale Weise erwirbt, sondern am liebsten „fladert“, wie man in Wien sagt).

Denn erstens verhandelt er mit einer Buchhändlerin, mit der er auch ins Bett hüpft, um Tausende für Erstausgaben, und zweitens hat er bei einer so genannten „Mutter“, die ein Riesen-„Warenhaus“ mit Diebsgut führt, so hohe Schulden, dass sie ihre Schläger nach ihm ausschickt. Das ist dann, leider nur für zwei Szenen, „unsere“ Maria Hofstätter, auch nicht sehr subtil, aber in ihrer jovial-brutalen Mischung schlechtweg herrlich.

Dieser Nick ist immer auf der Flucht und bekommt von einem Halbwelt-Spezi den Tipp, dass ein Haus in der Umgebung von München unbewohnt sein soll. Schnecken, der alte Herr, der darin wohnt, weigert sich, mit seiner energischen Tochter wegzufahren. Nick, der – ohne Verwechslungen geht es in Filmdrehbüchern nicht – für einen Betreuer gehalten wird, hat nun den Alten auf dem Hals und vice versa. Dass sie sich einigermaßen mögen, dazu kommt es erst viel später, anfangs ist der Umgang miteinander rau und mitnichten herzlich.

Der alte Herr, Dr. Ledig, ein einst berühmter Psychoanalytiker mit Nazi-Vergangenheit (Kurzauftritt als alte Kollegin: Elisabeth Orth), ist das Problem des Films: Mag der Deutsch-Franzose André Wilms auch ein geachteter Darsteller sein (Zusammenarbeit etwa mit Kaurismäki macht sich in einer Filmographie immer gut), hier hat er dem gnadenlosen Schmäh von Georg Friedrich nichts entgegen zu setzen, nicht eine Minute fühlt man ihn als gleichwertigen Partner. Die vom Drehbuch offenbar intendierte Doppelconference findet folglich nicht statt, außerdem rutscht das Drehbuch ganz bald aus den Geleisen.

Da greift die Familie ein (es gibt noch eine andere, spießig-säuerliche Tochter mit nicht eben sympathischem Anhang), da ist man plötzlich in den Tiroler Bergen (und was Nik da sucht, ist eigentlich nicht klar), da gibt es die Parodie auf eine ganz harte „psychoanalytische“ Behandlung (Eingraben in die Erde, um zu sich selbst zu finden) und eine Parodie auf die öffentlichen Geständnisse eines alten Nazi, die dann nicht so klar ausfallen wie erwünscht…

Tiefgang und Lebensweisheit haben deutsche Kritiker dem Film attestiert, charmant-verrückt, vortreffliche Psycho-Buddies… Offenbar ein Film, den jeder anders sieht, denn ich zum Beispiel halte ihn – von dem total verhatschten Titel einmal ganz abgesehen –  schlechtweg für missglückt.

Renate Wagner

 

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