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THE ZERO THEOREM

03.12.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Zero Theorem~1

Ab 5. Dezember 2014 in den österreichischen Kinos
THE ZERO THEOREM
USA  /  2013 
Regie: Terry Gilliam
Mit: Christoph Waltz, Lucas Hedges, Matt Damon, Tilda Swinton, David Thewlis, Mélanie Thierry u.a.

Wir sind wieder einmal in der Zukunft, und erfahrene Kinogeher wissen, dass das kein erstrebenswerter Ort ist – auch hier nicht, wenn Regisseur Terry Gilliam (Jahrgang 1940, also mittlerweile auch schon fast Mitte 70) nach längerer Pause wieder einen Film anbietet. Seine ganz große Monty Python-Zeit ist lang vorbei, und dass er mit „Brazil“ oder „König der Fischer“ in den achtziger und neunziger Jahren Filmgeschichte mitschrieb, auch. Seine letzte größere Arbeit, „ Das Kabinett des Dr. Parnassus“ von 2009, spielte im historischen Ambiente und hatte mit Teufelsspuk zu tun.

Diesmal ist es (wieder einmal) der obligate Überwachungsstaat der Zukunft, kurz, der einst in „Brazil“ beschworene Orwell weiter gedacht. Man tritt mit Hauptfigur  Qohen Leth in diesen ein – und Mr. Leth interessiert uns natürlich besonders, denn er ist „unser“ Christoph Waltz. In einer Rolle, die zwar nicht gerade Tarantino-Format hat, ihn aber doch in seiner Neigung zu darstellerischer Exzentrik sehr gut trifft…

Und Terry Gilliam ist ganz er selbst, wenn er eine wirre, wilde, laute, schrecklich bunte, an jeder Ecke von Werbung auf Bildschirmen überschüttete schöne neue Welt auf die Leinwand bringt, vor der man sich nur verkriechen möchte. Christoph Waltz mit herrlich gequältem Gesicht, der von sich per „Wir“ spricht, ist da der Mann, mit dem gemeinsam man sich vor dieser geballten Sinnlosigkeit duckt. Er sitzt am Computerschirm wie alle und weiß eigentlich nicht, was er tut und was er will und soll (und die Ärzte, die ihn auf den Untersuchungstisch legen, wissen es auch nicht), bis er dann die Aufgabe erhält, einsam in der Riesenhalle, in der er lebt, dem „Zero Theorem“ auf die Spur zu kommen. Wie viele dieser Sci-Fi-Filme ist auch dieser von Gilliam „philosophisch“ in der Fragestellung – hat das Leben einen Sinn? Sicher nicht, heißt es. Wozu dann das Ganze? Ja, wer weiß das schon?

Klarheit schafft weder das Drehbuch, das in seinen Bildern versinkt, noch die Filmstruktur. Nur wenn wir uns in Traumwelten zurückziehen, können wir uns wie Menschen fühlen, meint Qohen Leth an einem Südseestrand mit blonder halbnackter Partnerin zu erleben… und das ist natürlich auch nicht wahr. Alles virtuell, „eh schon wissen“… So weit sind wir ja heute schon.

Nein, man kennt sich im Detail hier natürlich nicht aus, aber sich in diese verrückte Welt einsaugen zu lassen, ist nicht ohne Reiz, wenn es auch nach und nach die Gehirnzellen abzutöten scheint. Aber geht es Gillian nicht eigentlich darum? Will man sich an etwas halten, so muss man den Darstellern zusehen – vor allem dem köstlich-desperaten, diesmal glatzigen Waltz, der den innerlich aufbegehrenden Einzelnen in der Maschinerie einer undurchschaubaren Welt wahrlich glaubhaft macht. Am liebsten hätte er ja seine Ruhe, aber das wird nicht erlaubt – etwa wenn er sich von einer wieder einmal grotesk verhässlichten Tilda Swinton als Therapeutin (Name: Dr. Shrink-Rom) vom Bildschirm herab zusammenputzen lassen muss. In seine einsame Welt bricht ein junger, noch nicht vom Leben gebrochener Bursche ein (sehr überzeugend: Lucas Hedges), dessen Papa, kurz „Management“ genannt, hinter allem steht: Matt Damon spielt auch solche Rollen, der Herr im Anzug. David Thewlis lässt Qohen wissen, was das Management von ihm verlangt, und die holde Weiblichkeit, voran in Gestalt von Mélanie Thierry als „Traumfrau“ Bainsley, ist auch nicht zu durchschauen, aber im Grunde macht es nichts aus…

Es wirbelt im Kopf, man muss mit der Handlung ganz schön mitspringen, bis man am Ende erschöpft zur Erkenntnis kommt, dass uns Terry Gilliam im Faust’schen Sinne wissen lässt, dass wir nichts wissen können. Als ob wir das nicht schon gewusst hätten… Jetzt wissen wir, wenn wir’s ihm glauben: Die Zukunft schafft es auch nicht, dem Geheimnis des Lebens, dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Null, Nix, Nada, Zero. Immerhin hat Gilliam einen bunt-schrägen und bei aller Verrücktheit nicht dummen Film darüber gedreht.

Renate Wagner

 

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