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THE EQUALIZER

07.10.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Equalizer~1

Ab 10. Oktober 2014 in den heimischen Kinos
THE EQUALIZER
USA  /  2014 
Regie: Antoine Fuqua
Mit: Denzel Washington, Marton Csokas, Chloe Grace Moretz u.a.

Wie gut für unseren glanzlosen Alltag, dass es im Kino noch Wundermänner gibt – die Feststellung ist nicht neu, aber manchmal springt sie einem doch etwas penetrant ins Gesicht. Da betritt ein nicht mehr junger Mann mit durchaus sanftmütiger Ausstrahlung und scheinbar besten Absichten einen Raum, der voll von schwer bewaffneten russischen Mafiosi ist.

Was soll man sagen? Innerhalb kürzester Zeit hat er einen nach dem anderen mit ausgesuchter Geschicklichkeit gekillt – und nur den Chef am Leben gelassen. Denn wir sind noch immer ziemlich früh in der Laufzeit dieses mit über zwei Stunden überlangen Films, und man braucht ja einen Bösewicht, den man bis zum Ende bekämpfen kann…

Der Mann, der das tut, ist Denzel Washington, der heuer 60 wird, einst zweifacher „Oscar“-Preisträger, mittlerweile seit langem nur noch in mehr oder minder guten Action-Filmen zu sehen, die ihm zwar weniger Reputation, aber möglicherweise mehr Geld einbringen als je. Er wirkt noch immer gut aussehend, was immer eines seiner Atouts war (auch wenn er hier glatzköpfig einherkommt), aber er ist kein junger Mann mehr, und es ist eine leicht zweifelhafte Alterskarriere, hier als der Superheld einherzukommen, um den man nie bangen muss – man weiß, er wird alle umlegen… Todsicher.

Es ist nicht einmal mehr eine Pointe, wenn in dieser „Ein Mann sieht rot“-Variation eine scheinbar ganz harmlose Rahmengeschichte erzählt wird. Der Robert McCall, den man zuerst kennen lernt, ist scheinbar ein ganz harmloser Zeitgenosse, der in einem riesigen Hardware-Store arbeitet, beliebt bei den Kollegen, wo er sich der schwächlichen Mitmenschen freundlich annimmt, aber doch wohl eigentlich ein Einzelgänger. Als solcher folgen wir ihm in seine bescheidene Wohnung und auch in jenen Coffee Shop, wo er gewohnheitsmäßig nachts liest – im Moment „Der alte Mann und das Meer“.

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Aber er ist nicht wirklich unzugänglich, sondern freundlich, wenn ihn eine kleine Ostblock-Nutte (Chloe Grace Moretz) anspricht. Offenbar fühlt er da sogar etwas an Verantwortung, wenn er beobachtet, wie sie von russischen Mafioso brutal an widerliche Freier verschachert wird. Zuerst versucht er es ja im Guten, wenn er den Chef mit einem Haufen Geld aufsucht, um das Mädel „freizukaufen“. Als man ihm blöd kommt – ja, da muss er leider alles killen, was da herumlungert, man erinnert sich?

Es hat gar keinen Sinn, irgendetwas weiter zu erzählen, denn die Geschichte ist chaotisch und voller Löcher, wie diese „der Rächer kommt“-Stories meist, es geht nur darum, wie unser cooler Killer alles beiseite räumt, was böse ist, und das teilweise mit sagenhafter Brutalität. Inzwischen erfährt man auch, dass er natürlich ein einstiger Geheimdienstmann und als solcher staatlicher „Equalizer“ war (sprich: Bring die Dinge auf gleich). Er konnte aussteigen (was es so gut wie nie gibt) und ist sogar bei einer alten Kollegin willkommen (Leute, die leben! Wunderbares Landgut, sogar mit eigenem Hubschrauber wird man herumgeflogen, wenn man kurz ein Sprungerl nach Langley macht, um irgendwelche Akten zu holen).

Dann weiß er alles über seinen Mafioso-Bösewicht, und dieser ist zwar mit Marton Csokas (eine ungarisch-australische Mischung) mit einem No-Name, aber höchst interessant besetzt, so dass er für Washington zwar einen als Charakter total klischierten, aber doch ausreichend starken Gegenspieler darstellt.

In diesem ebenso total klischierten Streifen von Antoine Fuqua bereinigt er – rette sich, wer kann – einfach alles, auch die ganzen Nebenhandlungen, die sich ins Geschehen weben (arme Mexikanerin, die korrupten Polizisten [!] Schmiergeld zahlen muss, bekommt es von diesen sogar zurück, so angsterregend-überzeugend ist unser Held…).

Dergleichen ist ein Kinogenre für sich, und so ausgelutscht es sein mag, gibt es doch ein Publikum dafür. Und solange dieses existiert, werden Ex-Schauspieler von Qualität wie Washington oder Liam Neeson (dessen nächster Film dieser Art ist schon im Anrollen) weiterhin als die großen Rächer der Enterbten über die Leinwand ziehen. Schön, dass es dergleichen wenn schon nicht im Leben, so doch im Kino gibt?

Renate Wagner

 

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