Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

THE COUNSELOR

26.11.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Counselor~1

Ab 29. November 2013 in den österreichischen Kinos
THE COUNSELOR
USA  /  2013 
Regie: Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Cameron Diaz, Penélope Cruz, Brad Pitt, Javier Bardem u.a.

Glauben sie es wirklich, die Herren in ihren Designeranzügen, dass sie ja nicht wirklich schmutzige Hände haben – die Bankiers, die das Drogengeld waschen, die Anwälte, die Verbrecher vor Gericht mit Tricks herauspauken. Oder die Berater, die hohe Summen von Leuten kassieren, mit denen man besser nichts zu tun hätte?

Der „Counselor“ des Films von Ridley Scott bekommt bezeichnenderweise keinen Namen – er steht für alle, die meinen, sie seien geschickt genug, mit dem Teufel zu essen. Dabei wird er gewarnt: Nach den Präliminarien sieht man ihn zusammen mit jenem Reiner, den Javier Bardem spielt und bei dem kein Zweifel besteht, dass da unheimlich schmutzige Dinge im Gang sind. Er erzählt auch ganz offen, wie man sich in seinen Kreisen rächt, wenn man meint, dass es so weit ist – mit einem „Halsband“, das man einem Mann ganz schnell umlegt, das sich zusammen zieht und an dem er in qualvollen Minuten erstickt. Der Counselor, den Michael Fassbender so cool und elegant gibt, lächelt – er mag es nicht glauben, mag nicht daran denken, ist überzeugt, dass alles Üble nicht für ihn in Betracht kommt: Er will mitmachen beim großen Geld…

Die ersten Szenen des Films haben auch gezeigt, warum: Da war er im leidenschaftlichen Liebesspiel mit Penélope Cruz zu sehen, und dass man einer so schönen Klassefrau nicht billig kommen will, zeigte die nächste Szene beim Juwelenhändler: ein Cameo für Bruno Ganz, der von Wert und Preis der Diamanten spricht…

Wenn dann noch Cameron Diaz als Malkina, die blonde Geliebte von Reiner, auftaucht und Brad Pitt als undurchsichtiger Mittelsmann Westray, der durchaus weiß, was gespielt wird, dann hat Ridley Scott seinem neuesten Thriller ein so unwiderstehliches Star-Paket verschafft, dass man schon um der Schauspieler willen in den Film geht. Selbst, wenn dann manches klischiert abläuft (etwa die Intriganten-Rolle der Diaz, die ihr hintergründiges tödliches Gift verspritzt), so hat die Geschichte doch Hand und Fuß.

Denn Geld soll nicht nur mit schon an sich Verbrecherischem, dem Rauschgift, gemacht werden, man will es auch noch durch räuberische Tricks – den Transport eines mexikanischen Drogenkartells entführen – erreichen. Die Sache mag nicht immer ganz durchsichtig sein, aber der Counselor merkt bald, dass er als schuldiger Sündenbock herhalten soll und so teuer bezahlen muss, wie es nur möglich ist. Dabei geht Scott ganz raffiniert vor, als der Counselor nach der Entführung seiner Freundin nur eine DVD zugeschickt bekommt… Wir sehen sie nicht, wissen aber genau, dass er sich darauf vermutlich minuziös ihre Ermordung ansehen kann. Ja, und die tödliche Halskrause – die steht auch noch jemandem ins Haus.

Das alles ist stellenweise schrecklich brutal, wird aber immer wieder von geradezu lehrstückhaften Reflexionen unterbrochen – so wie der Counselor anfangs von Reiner in aller Deutlichkeit gewarnt wird, so setzt ihm am Ende ein Unterhändler, den er am Telefon um Hilfe anfleht, ganz ruhig auseinander, wie vergeblich jede Hoffnung auf Gnade ist. Wenn man sich auf das Spiel eingelassen hat, muss man alle Konsequenzen tragen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht…

Nur manche spielen länger als die anderen: Mit dem Grinsen einer zufriedenen Katze scheint Cameron Diaz die Siegerin des Ganzen zu sein. Aber inzwischen ist man auch als Kinozuschauer gewitzt: Irgendwann, das weiß man jetzt, wird es auch sie erwischen… Nein, gute Menschen gibt es in diesem Film nicht. Nur Variationen von gierigen.

Das ist ein spannender Luxus-Krimi mit „moralischem“ Impakt, den Ridley Scott hier gedreht hat – und der teilweise miserable Kritiken bekommen hat. Darf ein Drogen-Thriller seine Moral nicht so direkt ausstellen, hätte man es von Ridley Scott raffinierter erwartet? Wer nicht unbedingt nörgeln will und anerkennt, wie perfekt der Regisseur die glänzende Fassade des Geldes und die dreckigen Fakten, wie es verdient wird, mischt, der sollte nicht enttäuscht sein.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken