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THE AMAZING SPIDER-MAN

26.06.2012 | FILM/TV

 

Ab 29. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
THE AMAZING SPIDER-MAN
Regie: Marc Webb
Mit: Andrew Garfield, Rhys Ifans, Emma Stone, Sally Field, Martin Sheen u.a.

Schon wieder Spiderman? Andererseits: Warum nicht? Das Theater hat seine ewigen Themen, die immer wieder neu befragt und bearbeitet werden, warum nicht auch das Kino? Zumal seit man auf das schier unerschöpfliche Reservoire jener Helden zurückgreift, die ursprünglich gezeichnet in den Comics Millionen Leser (oder Betrachter) fanden. Was sich in den Schundheften zeichnerisch mühelos in alle Höhen der Phantasie erhob, ist im Kino mittlerweile mit den digitalen Techniken auch eine Kleinigkeit. Also – wieder einmal Spiderman!

Der neuerliche Versuch nach bisher drei Filmen (2002, 2004, 2007), die kaum unterscheidbar waren, hat jedenfalls einen wohl begründeten Ansatz: den Hauptdarsteller. Glupschauge Tobey Maguire war dreimal wirklich nicht der überzeugende Spinnenmann – da hat man mit dem jungen, angenehmen Gesicht von Andrew Garfield schon überzeugender besetzt, und auch der neue Regisseur Marc Webb hat Pfiff.

Die Geschichte des Peter Parker, der zum heldenhaften Spinnenmenschen wird, ist nicht sakrosankt, lässt sich also nach Wunsch immer wieder erzählen. Diesmal blendet man in seine Kindheit zurück, das rätselhafte Verschwinden der Eltern, weil Papa eine große Entdeckung gemacht hat und von „Bösen“ aus dem Verkehr gezogen wird, Klein-Peters Jugend bei Onkel und Tante (Martin Sheen, der bald sterben muss, und eine sympathisch gealterte Sally Field), High-School, wissenschaftliches Interesse des Jungen, große Augen auf  Schulkollegin Gwen.

Ja, und dann gerät er in die Welt des Firmengiganten Oscorp Industries, wo Dr. Curt Connors, ein Kollege des Vaters, arbeitet und Peter beim Herumstreifen von den Spinnen, mit denen man dort experimentiert, gebissen wird. Mehr bedarf es nicht, um aus ihn den fliegenden Supermann zu machen, der sich auf seinen unzerreißbaren Spinnenfäden durch New York schwingt und selbstverständlich überall auftaucht, wo Verbrechen geschehen…

Man hat sich sogar bemüht, das Spiderman-Kostüm irgendwie zu begründen: Peter Parker entwirft es sich, nachdem ihn eine chinesische Maske inspiriert hat. Und früher oder später wird der durch seine Experimente ebenfalls mutierende Connors als „Lizard“ sein Hauptgegner, ein riesiges grünes Eidechsenmonster mit gewaltigem Schwanz, das wie King Kong persönlich durch die Stadt stapft und Angst und Schrecken verbreitet.

Dass der High-School-Boy mit dem Superhelden identisch ist, der Spinnennetze über New York wirft und sich so über die Stadt schwingt, auf diese Idee kommt nur der Polizisten-Papa seiner geliebten Gwen, und sterbend verbietet er den weiteren Verkehr der beiden. Kurz, als der Film endet, sind alle Fragen (Was wurde aus Peters Eltern? Wie wird es mit Peter und Gwen trotz des Verbotes weitergehen?) so weit offen, dass die Fortsetzung nicht auf sich warten lassen wird…

Andrew Garfield, der schon in dem Facebook-Film „The Social Network“ aufgefallen ist, gibt wie gesagt einen (trotz seiner tatsächlichen 28 Jahre) wirklich jugendlichen, sympathischen Peter Parker, der ausreichend „anders“ wirkt, um sich vom übrigen Schüler-Durchschnitt abzusetzen – ein geborener Wissenschaftler, in der Schule ein Außenseiter, wenn es ums Prügeln geht, klug und besonnen. Man könnte prophezeien: Der ist es nun für eine ganze Reihe von Filmen, der ist der Richtige…

Weit interessanter als alle Bösewichte davor ist Rhys Ifans in der Rolle des besessenen Wissenschaftlers Connors, der durch Experimente versucht, ein Regerations-Mittel zu finden, das seinen verlorenen Arm wieder nachwachsen lässt, der aber immerhin schillernd genug angelegt wird, dass er zu Beginn keinesfalls als der gewissenlose Verbrecher erscheint. Als Eidechsen-Monster allerdings…

Nur das Spiderman-Girl kommt wieder einmal (wie schon Kirsten Dunst) nicht überzeugend herüber. Man weiß, dass Emma Stone eine ganz exzellente Schauspielerin ist (sie hat es zumindest in „The Help“ bewiesen), wenn man ihr eine Rolle mit Anspruch gibt. Für bloßen weiblichen Aufputz ist sie nicht attraktiv genug, wirkt neben dem „Helden“ (auch wenn sie vom Geburtstdatum her jünger ist) vom Typ her eher wie die ältere Schwester… Aber dabei wird es nun wohl die nächsten paar Filme bleiben.

Wahrscheinlich ist man als Kinobesucher undankbar, dass man längst aufgehört hat, sich über all die irrwitzigen Tricks, die man da vorgeführt bekommt, zu wundern – sowohl die Mutationen wie die wilden Jagden durch die Großstadtschluchten sind einfach so neu nicht, dass man wegen des Action-Spektakels ins Kino gehen müsste, das da aus den Comics auf die Leinwand übersetzt wurde (und 3D nervt mehr als es bringt). Aber in diesem von Marc Webb durchaus mit Fingerspitzengefühl inszenierten Film kann man sich an die Menschen, sprich Darsteller halten, und das lohnt sich durchaus.

Renate Wagner

 

 

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