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TAKE THIS WALTZ

27.03.2013 | FILM/TV

Ab 29. März 2013 in den österreichischen Kinos
TAKE THIS WALTZ
Kanada  /  2011 
Regie und Drehbuch: Sarah Polley
Mit:  Michelle Williams, Seth Rogen, Luke Kirby, Sarah Silverman u.a.

Seltsame Gefühlswelten lernt man kennen, wenn man der 28jährigen Margot in ihrem Einfamilienhaus in Toronto begegnet – ihre wild in Türkis geschmückten Zehennägel scheinen auf ein exzentrisches Wesen zu deuten, aber die langsamen, müden Bewegungen, mit der sie Kuchen bäckt, deuten auf ein früh resigniertes Hausfrauenschicksal hin. Die erste 34jährige kanadische Schauspielerin Sarah Polley legt mit „Take this Waltz“ ihren psychologisch etwas verworrenen, verquasten zweiten Spielfilm vor (nachdem der erste, die Alzheimer-Story „An ihrer Seite“, 2006 mit Julie Christie, ein allseits bewunderter Erfolg geworden ist).

Zuerst scheint diese Margot, auch dank dem durch und durch gewöhnlichen Gesicht von Darstellerin Michelle Williams, die Durchschnittsfrau schlechthin, von Beruf Werbetexterin, uninteressant genug. Dann entdeckt man die Macken, etwa beim Fliegen, wo sie ihre Ängste in seltsame Rituale umsetzt. Beim Fliegen trifft sie auch Daniel (sehr still und sympathisch: Luke Kirby), den seltsamen Künstler, der seine Malereien nur ihr zeigt, seinen Lebensunterhalt aber damit verdient, dass er als menschlicher Maulesel eine Rikscha zieht…

Wieder zuhause in Toronto stellt sich heraus, dass Daniel im Haus gegenüber wohnt, und nun entwickelt sich die Dreiecksgeschichte. Denn an sich scheint Margot ja mit ihrem seltsamen Ehemann Lou (Seth Rogen), der Kochbücher einzig und allein über Hühnerrezepte schreibt, recht glücklich: Sie haben zwar einen seltsamen Austausch von Zärtlichkeiten, wenn sie einander lächelnd die grauenvollsten Dinge wünschen (sich die Augen auszureißen oder den anderen durch den Fleischwolf zu drehen) – aber man weiß ja: consenting adults, dagegen ist nichts zu sagen.

Seltsam verläuft aber nun, wie Margot zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen wird, selbst nicht recht wissend, was sie will. Schließlich trifft sie eine Entscheidung, mit dem Effekt, dass alle nur unglücklich werden…

Das alles gibt sich gedanklich so schräg, in den Aktionen so undurchsichtig, dass jede Handlung, jeder Dialog nach „Drehbuch!“, „Kino!“, nicht aber nach Wirklichkeit schreit. Da ist Sarah Polley in Nebensträngen der Geschichte fast besser – etwa, wenn es um die alkoholkranke Schwägerin geht (die exzellente Sarah Silverman, mit Abstand die interessanteste Figur des Films), die sich durch ihre „Trockenheit“ quält, sich mühselig von der Familie für ihre Tapferkeit feiern lässt – und am Ende, nach einem Rückfall, geradezu Glück ausstrahlt, wieder in „ihrem“ Zustand (des Betrunkenseins) angelangt zu sein…

Das gibt als Psychogramm mehr zu denken als all die Krämpfe, die Margot und ihren beiden Männern auferlegt sind. „Take This Waltz“ singt Leonard Cohen bedeutungsschwer. Die Regisseurin legt noch ein Zentnergewicht drauf, obwohl sie sich so leichtfüßig gibt. Und ist künstlich durch und durch.

Renate Wagner

 

 

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