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SUPER-HYPOCHONDER

07.04.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Superhypochonder

Ab 10. April 2014 in den österreichischen Kinos
SUPER-HYPOCHONDER
Supercondriaque  /  Frankreich  /   2014
Regie und Drehbuch: Dany Boon
Mit: Dany Boon, Kad Merad, Alice Pol u.a.

Zugegeben, Dany Boon hat uns alle erobert. Zuerst mit der wirr-skurrilen Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“, dann mit der herrlichen, schon etwas tiefer gehenden französisch-belgischen Grenz-Geschichte „Nichts zu verzollen“. Immer Dany Boon komplett als Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller. So wie nun im „Super-Hypochonder“. Und auf einmal ist die Welt nicht mehr so in Ordnung.

Erfolg ist gefährlich, er schraubt die Erwartungen hoch, und wenn man die eigene Latte nicht mehr erreicht, zieht das Publikum eine Schnute. Obwohl die Figur des Hypochonders Romain Faubert, der ja eigentlich nur um Beachtung buhlt (das dürfte ja eines der Hauptmotive dieses Geisteszustands sein), ja eigentlich ganz nett ist. Boon spielt so etwas aus dem Handgelenk (ist er doch angeblich auch im Privatleben ein solcher), und Dr. Dimitri Zvenka, sein leidgeprüfter, von ihm schwer belästigter Arzt, gibt ihm die trockenen, scheinbar gemütsrohen Pointen zurück. Kad Merad schüttelt das seinerseits aus dem Ärmel. So viel zur Exposition.

In der Folge krankt es an der Geschichte, die Boon sich ausgedacht hat. Sein Doktor will ihn loswerden und verkuppeln, aber man kann sich vorstellen, dass menschlicher Kontakt mit Bazillen und dergleichen verbunden ist, es also nicht wirklich klappt, ihn einer Dame in die Arme zu werfen. Wenn Romain nun die Härte des Lebens kennenlernen soll und mit Dimitri zu einem Flüchtlingslager kommt, um dort zu helfen (selbstverständlich spielt sofort er den Patienten), dann ist es nötig, dass Dimitri Zvenka aus einem fiktiven Ostblock-Land kommt  („Tscherkistan“), dessen revolutionärer Führer Anton Miroslav versucht, sich auf der Flucht nach Frankreich zu schmuggeln. Wer besonders auf diesen Herrn wartet, ist Anna, die Schwester des Doktors. Dreimal dürfen wir raten, wen sie fälschlicherweise für den großen Helden hält? Ja, unseren Romain. Und von da an wird es dumm und dümmer.

Dass der einfache Mann (er ist Labortechniker) sich nun als harter Macho aufprustet, fällt in die Kategorie der dann schon peinlichen Dummheit (zumal wenn er vor einem Hündchen zu Tode erschrickt). Und wenn er gar als Anton Miroslav in einem wirklich grauenhaften Gefängnis seiner Heimat (irgendwo im bösen Osten) landet, ist für den Zuschauer Schluß mit lustig, denn dergleichen gibt es in der Realität zu viel. Und was dann an Rettung und Happyend geleistet wird, beleidigt tatsächlich jedermanns Verstand.

Schade drum, denn Boon ist Boon (wenn man ihn auch schon besser gesehen hat – statt auf Diskretion zu setzen, überdreht er hier gewaltig), der Algerier Kad Merad, schon Boons Kampfgefährte bei den „Sch’tis“ ist ein Pointenkönig erster Ordnung, und als naive, herzensliebe Anna macht Alice Pol ganz große Augen und hat ein liebes Lächeln.

Also – alles in Butter? Nicht wirklich. Dieses Drehbuch ist einfach zu dumm.

Renate Wagner

 

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