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SPUREN

14.04.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Spuren

Ab 18. April 2014 in den österreichischen Kinos
SPUREN
Tracks  / Australien  / 2013 
Regie: John Curran
Mit: Mia Wasikowska, Adam Driver, Rainer Bock u.a.

Warum sie es gemacht hat, das konnte Robyn Davidson nie erklären. „Es“ war etwas schier unmöglich Scheinendes: zu Fuß, begleitet von ein paar Kamelen, von Alice Springs aus die australische Wüste bis zum Ozean zu durchqueren. 3000 Kilometer in mehr als einem halben Jahr, an die 30 Kilometer pro Tag. Das ist beweisbar, „National Geographic“ knipste die große Story, weil Robyn einfach anders das Geld nicht zusammen bekommen hätte. So ist ihr Abenteuer, ist ihr Ruhm festgeschrieben in der Geschichte, sie hat natürlich auch ein Buch daraus gemacht, und nun gibt es den Film. Und der ist bemerkenswert, weil er die grundlegende „Einfachheit“ des Unternehmens nicht durch sinnlose Kino-Dramatik sprengt.

Regisseur John Curran hat sich entschlossen, die Geschichte kompromisslos eins zu eins zu erzählen, vom Eintreffen der jungen Robyn in Alice Springs, wobei sie ihren Hund, kaum Geld, die Bereitschaft zu arbeiten und die Entschlossenheit zur Wüstendurchquerung mitbringt, ohne diese Absicht zu beschwafeln: Da gibt es dann kein spirituelles Getue, nur Einblicke in eine verletzte junge Frauenseele durch Rückblicke. Da lernt man das einsame Mädchen kennen, das nach dem Selbstmord der Mutter bei Verwandten aufwächst, mit ihrer Bindung an den fernen Vater, der Forscher ist. Einzig bei solchen Rückblenden gibt es gelegentlich ein leichtes emotionales „Tremolo“.

Mia Wasikowska, die erst 24jährige Australierin, die schon einiges auf der Leinwand gezeigt hat (darunter die Alice im Wunderland und die Jane Eyre), ist nicht nur wegen ihrer Herkunft die ideale Verkörperung ihrer Landsmännin (oder heißt es mittlerweile Landsfrau?): Am Ende sieht man ausführlich die Fotos der originalen Robyn Davidson (Jahrgang 1950) aus dem National Geographic-Bericht, und da springt eine Ähnlichkeit ins Gesicht, die nicht nur optisch ist, sondern auch aus Ausstrahlung besteht und unpathetische Entschlossenheit zeigt.

Spuren sie und Kamele

Australien ist der Kontinent, in dem es viele Wüsten – und viele Kamele gibt. Zwei Jahre lang lernte Robyn Davidson bei verschiedenen Betreibern von Kamel-Farmen (Rainer Bock gibt einen mürrischen Deutschen, der Afghane, bei dem sie später arbeitet, ist menschlicher und sympathischer), wie man mit den Tieren umgeht, bis sie aufbrechen kann – mit finanzieller Unterstützung von National Geographic, die für langfristige Projekte berühmt sind. Der Fotograf Rick Smolan (Adam Driver, sehr vielschichtig), der zeitweise ihr Liebhaber ist und sehr viel liebende Sorge auf sie wendet, trifft sie alle paar Wochen für eine Foto-Session, die ihr eher zuwider ist.

Durch die Wüste… das ist nicht nur Sand, das ist auch steppenartig, das hat nicht die Würde und Schönheit, wie David Lean es einst für „Lawrence von Arabien“ auf die Leinwand brachte, hier begegnet man der Realität. Und den Problemen – eines Tages sind die Kamele weg, haben sich los gemacht, müssen mühselig gesucht werden (es gibt keinerlei Tier-Kitsch); eines Tages verirrten sich Robyn und ihr Hund auf der Suche nach dem Kompass, der ihr irgendwo aus der Tasche gefallen ist, und wenn das Tier nicht zurückfände zu den anderen Tieren, sie wäre verloren; und eines Tages stirbt der Hund, weil die lieben Mitmenschen auch in der Wüste Gift zurücklassen…

Streckenweise muss Robyn sich einen Eingeborenen als Führer nehmen (herrlich Rolley Mintuma als “Mr. Eddy“), um die heiligen Pfade der Aborigines nicht zu stören, aber auch hier kommt nicht der leiseste Ethno-Kitsch auf, die große Verbrüderung findet nicht statt, nur freundliche Koexistenz. Die vorbeifahrenden Jeeps mit Touristen, der wild herausspringen und Fotos machen, sind ärgerlich. Aber es gibt kein künstlich hochgeschaukeltes, erfunden dramatisches Ereignis.

Es ist fabelhaft, wie Regisseur John Curran Robyn Davidson  gewissermaßen gelassen ihren Weg gehen lässt und den Kinobesucher, der die innere Ruhe dafür aufbringt, mitnimmt. Man hat den ungeheuren Vorteil, viel zu sehen, ohne im Kinosessel die in der Realität damit verbundenen enormen körperlichen Strapazen auf sich nehmen zu müssen. Am Ende vermittelt sich fraglos, dass hier etwas ganz Besonderes stattgefunden hat.

Renate Wagner

 

 

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