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SNITCH – EIN RISKANTER DEAL

04.06.2013 | FILM/TV

 

Ab 7. Juni 2013 in den österreichischen Kinos
SNITCH – EIN RISKANTER DEAL
Snitch  /  USA  /  2013
Regie: Ric Roman Waugh
Mit: Dwayne Johnson, Susan Sarandon u.a.

Von seinem Image kommt man nicht so leicht los. Auf den ersten Blick ist Dwayne Johnson ja immer noch „The Rock“, der Wrestler, der es auf die Filmleinwand schaffte und dort als riesengroßer, eisenharter Muskelmann inmitten von Mumien und dergleichen reüssierte, manchmal leicht humorverbrämt. Neuerdings gibt er sich familienfreundlicher (von albern wie „Zahnfee auf Bewährung“ bis zu papa-betulich in „Die Reise zur geheimnisvollen Insel“), und in „Fast & Furious 6“ verkörperte er gar eisern das Gesetz. Dennoch konnte, wollte  man ihm nicht so recht glauben, dass er wirklich „was drauf“ hat – und genau das zeigt er in „Snitch“.

Wieder spielt er einen Vater, aber diesmal bietet die Story echte Verzweiflung an: Wenn ein Jugendlicher mit Drogen erwischt wird, kann das US-Gericht wie ein Teufel zuschlagen. John Matthews, seines Zeichens einfach seriöser Bauunternehmer, steht vor der Tatsache, dass sein Sohn Jason vermutlich zehn Jahre bekommen wird (und das einfach für die Dummheit, weil er von einem Freund reingelegt worden ist). Da rastet ein Vater doch aus, auch weil man weiß, wie es in den Gefängnissen zugeht – und die einzige Lösung ist ein Deal, den er mit einer Staatsanwältin aushandelt, die Susan Sarandon so eisig, so gnadenlos und auch so gewissenlos spielt, dass man froh ist, angesichts solcher Behörden nicht in den USA zu leben…

Dass der unschuldsvolle Mann, ein ganz normaler Bürger, sich in die Drogenszene einschleichen soll, um der Staatsanwaltschaft einen „big player“ zu liefern, damit man seinen armen Jungen gehen lässt, das ist Krimi-Alltag. Und nicht übertrieben glaubwürdig  –  Benjamin Bratt, ein Schauspieler, den man schon wieder vergessen hat (nur in Erinnerung als ein „Ex“ von Julia Roberts, die auch schon vergessen ist), spielt den Super-Drogenboß, dem sich John mit den Lastwagen seines Unternehmens als Zwischenhändler andient… (Keine Frage, dass die Lastwagen dann auch mit Effekt eingesetzt werden!)

Immerhin läuft das in der Regie von Ric Roman Waugh geschickt genug ab, dass man immer einigermaßen gepackt ist. Vor allem aber, weil man imstande ist, hier in Dwayne Johnson nicht die übliche „The Rock“-Figur zu sehen, sondern einen „richtigen“ Menschen mit erdrückenden Problemen, dem man glaubt, dass der Wunsch, den Sohn zu retten, ihn immer weiter treibt: Dass ist nicht unbedingt Kitsch, sondern eine nachzuvollziehende Eltern-Realität. Und: Die US-Behörden kommen bei der Rolle, die sie in dem Ganzen spielen, nicht eben gut weg.

Renate Wagner

 

 

 

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