Silvester in Köln
Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Feuerwerk in Köln. Foto: Andrea Matzker
Nach einem wirklich äußerst anstrengenden und herausfordernden Jahr 2025 mit schweren Schicksalsschlägen und unbefriedigenden politischen Lösungen hoffte man in Köln eigentlich, positiv in das neue Jahr hinüberzugleiten mit einem friedvollen und angenehmen Silvester-Fest samt privatem Feuerwerk, das die bösen Geister vertreiben soll. Bereits tagsüber am 31. Dezember musste man befürchten, dass bei diesem nasskalten und nebligen Wetter mit leichtem Schnee jede pyrotechnische Darbietung vollkommen im Nebel versinken würde. Doch zur großen Überraschung der Kölner war es tatsächlich möglich, das unkoordinierte Feuerwerk über der ganzen Stadt genießen und auf Neujahr anstoßen zu können. Selbstverständlich war es kein spektakuläres Höhenfeuerwerk wie bei den „Kölner Lichtern“, sondern ein rein privates Vergnügen der Kölner, die die abgesperrten Zonen, wie zum Beispiel rund um den Dom, respektierten und ihn somit indirekt beleuchteten und ihm die Ehre erwiesen. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatten viele Menschen stundenlang angestanden, um Raketen zu erwerben. Die „Kölner Lichter“ werden voraussichtlich wieder im kommenden Juli stattfinden. In jedem Fall war das schon mal ein guter Anfang des Neuen Jahres. Als man dann noch zusätzlich hörte, dass in Köln keine schweren Vorfälle geschehen sind, war dies eine besondere Freude.
Aber die Freude dauerte nicht lange, denn direkt danach fing es wieder an mit den Katastrophen: Kaum war das Feuerwerk kurz nach Mitternacht erloschen, und die Kölner versammelten sich auf privaten Feiern, musste man erfahren, dass parallel dazu, ausgerechnet in dieser vielleicht bedeutendsten Vergnügungsnacht des Jahres, „la notte del divertimento“, zu Neujahr, ein völlig überflüssiges, da 100-prozentig vermeidbares Desaster in einer nicht korrekt eingerichteten und ausgebauten Diskothek von Crans Montana stattfand. Mit ca. 40 toten und ca. 119 verletzten Jugendlichen das denkbar schlimmste Drama für Familien, Angehörige und ihre Heimatländer. Angeblich waren die Schweizer Hilfskräfte nicht dazu in der Lage, die Teenager zu warnen und sie zu retten. Inzwischen sind sechs tote und vierzehn schwerverletzte italienische Jugendliche nach Italien geholt worden. Die Italiener schickten auch zwei große chirurgische Teams in die Schweiz, die sich dort vor Ort um die Traumata der Schwerverletzten kümmern. Neben der unendlichen Trauer darf auch nicht vergessen werden, dass sämtliche Familienmitglieder der betroffenen Chirurgen und involvierten Politiker mit ihren Teams in jedem Fall kein friedvolles Neujahr erleben durften. Daran denken die Menschen auch nicht immer. Es geschieht nicht oft, dass man die behandelnden Ärzte, die selbst meistens Väter und Großväter sind, weinend auf dem Bildschirm über den Zustand der Betroffenen berichten hört und sieht. Sie mussten vielen der Eltern die schreckliche Wahrheit über den Zustand ihrer Kinder mitteilen. Eltern, die bis zuletzt gehofft hatten, dass ihre Töchter und Söhne wenigstens unter den Verletzten, aber nicht unter den noch nicht identifizierten Toten sein würden. Dies ist wahrhaft kein guter Beginn des Jahres.
All dies noch zusätzlich zu den sowieso schon existierenden weltweiten Dramen wie Kriegen, politischen Erdbeben, Todesnachrichten, tödlichen Lebensmittelvergiftungen, gefährlichen Krankheiten oder Lawinenunfällen. Da hören sich Eiseskälte, Stromausfall oder der Verlust von 75 t Tiefkühllachs auf der Autobahn zwar nicht gerade harmlos, so doch aber immerhin noch erträglich, da überwindbar, an. Auch der Papst hat nun zusätzliche Sorgen, aber er versicherte zuversichtlich: Die Souveränität von Venezuela wird garantiert sein („La sovranità del Venezuela sarà garantita“). Das sind wenigstens gute Aussichten.
Und da durch all diese schlechten Nachrichten sämtliche schönen Bilder von der Silvesternacht auch in der deutschsprachigen Presse mangelten, möchten wir wenigstens ein hoffnungsvolles und friedliches Foto der Stadt Köln hinzufügen.
Andrea Matzker/Dr. Egon Schlesinger

