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SIEBEN VERDAMMT LANGE TAGE

22.09.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Sieben verdammt lange Tage~1

Ab 26. September 2014 in den österreichischen Kinos
SIEBEN VERDAMMT LANGE TAGE
This Is Where I Leave You  /  USA  /   2014
Regie: Shawn Levy
Mit: Jason Bateman, Jane Fonda, Tina Fey, Rose Byrne u.a.

Es beginnt mit Judd Altman, der sich in seinem Leben offenbar ganz gut fühlt – bis er überraschend, mit Geburtstagtorte für die Gattin nach Hause kommt und diese im Bett mit seinem Chef findet: eine klassische Lustspielsituation? In diesem Fall geht ein Regisseur, der bisher eher Seichtes geliefert hat (Shawn Levy) ein wenig tiefer. Aber keine Angst: Wenn in der Verfilmung des Romans von Jonathan Tropper, der auch das Drehbuch schrieb, der ziemlich verzweifelte Judd auch noch vom Ableben des Vaters erfährt und von der Mutter („Aber Du bist doch gar keine Jüdin!“ protestieren die Kinder) mit seinen Geschwistern abkommandiert wird, für den Verstorbenen Schiv’a zu halten, das heißt, eine siebentägige Trauerzeit miteinander zu verbringen, dann wird das nicht bierernst und tragisch. Es gibt immer wieder Auszeiten davon, starr auf Sesseln im Wohnzimmer zu sitzen. Und dann haben Mutter und vier Geschwister und alle Angehörigen reichlich Gelegenheit, die Familiengeschichte zu drehen und zu wenden.

Wenn man weiß, wie grausig so etwas ausfallen kann (man denke nur an „Im August in Osage County“ mit einer tödlich bösartigen Meryl Streep als Mutter und einer verkniffenen Julia Roberts als Tochter), dann ist dieser Film zwar keine verbilligte Lustspiel-Version der Situation, aber doch auf angenehme Art erträglich: Nein, auch wenn die Altmans Ecken und Kanten und jede Menge Probleme haben, so ist doch kein wirkliches A-Loch unter ihnen, die gegenseitigen Vorwürfe haben keinen Vernichtungscharakter, und da alles noch mit einer richtig schönen Prise schlagfertigen jüdischen Humors durchwirkt ist, kann man einen klassischen besinnlichen Unterhaltungsfilm sehen, der das Bittere und das Süße des Lebens nicht ohne Echtheit beschwört.

sieben verdammt- x

Wahrscheinlich ist es das Charisma und die positive Ausstrahlung von Jason Bateman, die die Familienstory zusammen halten: der untreuen Gattin (Abigail Spencer) davon gelaufen, mit ihrer Meldung, sie erwarte ein Kind (von ihm) konfrontiert, innerlich berührt von einer alten Freundin, die vielleicht die Richtige für ihn sein könnte (Rose Byrne hat ein bisschen das Strahlen einer Traumfrau), belästigt von der Schwägerin (Kathryn Hahn), die gerne ein Kind hätte, von ihrem Mann keines bekommt und meint, Judd könne ihr doch (weil nachweislich dazu imstande) den Gefallen tun, bewegt von den Problemen der Geschwister, die er trotz ihrer Exzentrizitäten sehr gern hat, immer ein wenig peinlich berührt von der exzessiven Mama… kurz, der Mann ist beschäftigt.

Jane Fonda, die phantastisch aussehende 77jährige, spielt eine Frau aus der Riege der hemmungslosen 68er-Typen von einst, die mit ihrem extremen Liberalismus (am Ende stellt die frisch gebackene Witwe der Familie ihre lesbische Freundin vor) ewige Bürgerschrecke sind. Sie tut es mit Humor, Pointensicherheit und hundertprozentiger Überzeugungskraft, es ist ein Vergnügen, ihr zuzusehen.

Ihre einzige Tochter hat viele Probleme – dafür, dass Tina Fey in den USA vor allem als Komödiantin berühmt ist (einst war eine Parodie der unsäglichen Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin ihre Parade-Nummer), lässt sie schön durchschimmern, wie sehr sie an einer unbewältigten Jugendliebe zu tragen hat…

Die beiden anderen Brüder sind so verschieden, dass man sich schon fragt, wie treu die Mama ihrem zweifellos sehr großzügigen Gatten war: Adam Driver spielt Phillip, das schwarze Schaf, das es in jeder Familie gibt, der keinen Fuß auf den bürgerlichen Boden bekommt und sich nicht geniert, sich von seiner älteren reichen Freundin beschenken zu lassen, während Sohn Paul (ein ganz anderer Typ: Corey Stoll) den Familienbetrieb, offenbar ein Altman-Hardware-Store, führt, der immerhin genug wert sein dürfte, um leise Spannungen über das Erbe aufkommen zu lassen. Aber eigentlich sehr diskret, nicht nur für eine jüdische Familie – man könnte sich Szenarien in allen Gesellschaften vorstellen, wo von nichts anderem die Rede ist als Geld. Hier hingegen hat – Mama schreibt Psychologie-Ratgeber – vor allem die Psychoanalyse und weniger die Gier zugeschlagen. Aber eine Schiv’a ist schließlich zum Nachdenken da: über den Toten und über sich selbst…

Es ist eine schöne Geschichte, wenn man sich auf die Familie einlässt, aber sie machen es einem leicht: Es sind nette Leute. Das mag dem Ganzen das Hautgout des Oberflächlichen geben, und man merkt schon hier und dort den „belehrenden“ Wink an den Kinozuschauer: Aber so bekommt man eben ein paar Wahrheiten billig und unverbindlich serviert…

Renate Wagner

 

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