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SAVING MR. BANKS

04.03.2014 | FILM/TV

saving mr banks fun facts

Ab 6. März 2014 in den österreichischen Kinos
SAVING MR. BANKS
USA  /  2013 
Regie: John Lee Hancock
Mit: Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman u.a.

Dieser Film amüsiert und funktioniert auf zahlreichen Ebenen und überzeugt auf jeder – Kino für Erwachsene, die imstande sind, sich für noch mehr zu interessieren als Tschinbumm, die auch gerne einen Ausflug in die Vergangenheit machen, die über die neue  Aufbereitung alter Probleme (etwa: Was unterscheidet Briten und Amerikaner, die doch angeblich dieselbe Sprache sprechen?) lächeln können. Kurz, „Saving Mr. Banks“ ist ein Vergnügen.

Der historische Sachverhalt besagt, dass die aus Australien stammende, längst in England lebende und total „britisch“ gewordene  P. L. Travers (sie hieß Penelope) 1935 die Geschichte des „magischen“ Kindermädchens Mary Poppins schrieb und dass Walt Disney, schon Besitzer seines Weltkonzerns, 1940 seinen Töchtern versprach, dieses ihr Lieblingsbuch zu verfilmen. Was er nicht erwartet hatte: Die Autorin wollte nicht, dachte gar nicht darin, ihre Schöpfung an die Welt des Zeichentricks und des Musicals preiszugeben. Disney bewahrte den langen Atem, und erst als P. L. Travers zu Beginn der sechziger Jahre in ernsten Geldnöten war, schien ihr der Verkauf ihres Buches die letzte Rettung…

Saving Mr. Banks, Thompson, Hanks 
Fotos ©Disney Enterprises, Inc.

Sie hat es Disney nicht leicht gemacht. Die erste Ebene des Films bezieht sich auf jene paar Wochen im Jahr 1961, wo sie sich überreden ließ, nach Los Angeles zu kommen und dort mit Disneys Crew an dem Drehbuch zu arbeiten – und von einem Entsetzen ins andere zu fallen über die die Versüßlichung, die man ihrer Story angedeihen ließ. Die zweite Ebene blendet immer wieder zurück auf Penelope als kleines Mädchen in Australien, dessen ganze Liebe ihrem bewunderten Vater gehört, der offensichtlich ein Verlierer und Versager ist, was sie nicht wahrhaben will – auch nicht, als er vor ihren Augen tragisch zugrunde geht…

Das Drehbuch verbindet, verknüpft hier vieles, und Regisseur John Lee Hancock hat es liebevoll, aber nie kitschig, amüsant und doch kritisch umgesetzt, was angesichts seiner Besetzung, die von selbst auf dem A-Level spielt, nicht schwer war.

Es ist wieder einmal eine ganz große Rolle für Emma Thompson, die ja nach ihrer ersten Film-Hoch-Zeit an der Seite ihres damaligen Gatten Kenneth Branagh in den Neunziger Jahren der Filmwelt ein wenig verloren gegangen ist. Sie kam in Nebenrollen bei „Harry Potter“ wieder, spielte dann in grotesken Kinderfilmen eine „Zauberhafte Nanny“ (die mit Hexenzähnen viel weniger hübsch war als Mary Poppins), durfte vor ein paar Jahren eine zauberhafte späte Kinoliebe mit Dustin Hoffman erleben und ist nun auf dem Höhepunkt ihrer zweiten Karriere angelangt (mögen noch viele Rollen dieses Kalibers folgen!). Britischer, pointierter, intelligenter, souveräner, vergnüglicher und dabei von wunderbarer Traurigkeit durchwebt kann man diese P.L. Travers nicht spielen, die alle Amerikaner und das ganze Hollywood-Personal mit ihrer strikt britischen „Regenschirm“-Attitüde in heiligen Schrecken versetzt.

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Am liebsten würde man eine Dame, die sich so ausführt, natürlich postwendend zurückschicken, aber man muss ihr mit List und Tücke ihre „Mary Poppins“ nicht nur abjagen, sondern auch Disney-tauglich machen (und ihre Zustimmung erringen). Dabei sind die Szenen, wie Disneys Team sie umschwirrt (singend, tanzend, das Musical entwickelnd – Jason Schwartzman als der Songwriter Richard Sherman ist ein Vergnügen), ebenso komisch wie jene, in denen Tom Hanks als Walt Disney versucht, sich seine Desperation nicht anmerken zu lassen, weil der Umgang mit dieser Lady aus England so verdammt schwierig ist… Das ist The Clash of Cultures auf einer seiner elementarsten Ebenen, England-Amerika – und man sieht auch, wie sich ein Individuum einer Maschinerie und Industrie zu widersetzen versucht, die gewohnt ist, alles zu dominieren…

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In den Rückblenden wird die junge Penelope sehr schön von der jungen Annie Rose Buckley gespielt, aber hier gehört der Film dann Colin Farrell als jener liebende Vater, der den Erwartungen seiner Tochter entsprechen will und dem es das Herz zerreißt, dass es ihm nicht gelingt. Es sind wirklich schöne, traurige Einsprengsel, die mit der Disney-Geschichte nichts weiter zu tun haben (außer dass Penelope ihren Vater zu jenem „Mr. Banks“ machte, den Mary Poppins retten wollte), die aber hier zur vergnüglichen, fast schnoddrigen Ebene des Filmdrehbuch-Schreibens eine tiefere Dimension hinzufügt.

So liebevoll geht man im Kino von heute selten mit Menschen um. So viel tiefinneres Vergnügen hat man – wenn man denn die richtige Wellenlänge besitzt – bei einem Film lange nicht empfunden. Von dem „echten“ „Mary Poppins“-Streifen, dessen Entstehung hier geschildert ist, sieht man übrigens nichts. Aber wenn er einem irgendwann wieder über den Weg läuft, wird man ihn mit anderen Augen betrachten. Supercalifragilisticexpialidocious!

Renate Wagner

 

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