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SAVAGES

09.10.2012 | FILM/TV

Ab 12. Oktober 2012 in den österreichischen Kinos
SAVAGES
USA  /  2012 
Regie: Oliver Stone
Mit: Taylor Kitsch, Aaron Johnson, Blake Lively, Salma Hayek, Benicio Del, John Travolta u.a.

Oliver Stone hat wieder einmal zugeschlagen, und man hat ja gelernt, von ihm alles zu erwarten – die harte Kriegskeule Vietnam („Platoon“) und ihre Folgen („Geboren am 4. Juli“), die Präsidenten („Kennedy“, „Nixon“), die coole Wirtschafts-Analyse (zweimal „Wall Street“) und den US-Kitsch („World Trade Center“), ja sogar Football („An jedem verdammten Sonntag“) oder Historie im Sandalenfilm-Format („Alexander“). Kurz, allein auf den „politischen“ Filmemacher festzulegen ist der Mann wirklich nicht. Immerhin – auch „Savages“ hat in Stones Augen eine politische Aussage, denn seiner Meinung nach sollte man die Drogen endlich frei geben. Dann würden die Verhältnisse, die er in diesem Film schildert, seiner Ansicht nach nicht mehr existieren. Was auch wieder fraglich ist, denn das Verbrechen findet überall seinen Weg…

Vieles an den „Savages“, die in einer herrlichen „Sonne, Strand und Meer“ und „wohlhabende Leute“-Welt von Laguna Beach in Kalifornien spielt, ist ungewöhnlich. Schon einmal die beiden Helden. Sie sind Drogenhändler – aber eigentlich ganz passable, sogar sympathische Kerle. Mit dem Marihuana-Samen, den Chon (Taylor Kitsch, der neue Leinwand-Held mit dem gesichtslosen Gesicht) aus dem Irak-Krieg mitgebracht hat, ließ sich eine ganze, relativ gemütliche Industrie aufziehen, und Botaniker Ben (Aaron Johnson als „Softie“) ist völlig unaggressiv dabei. Sie verdienen viel Geld, aber wirklich gierig sind sie nicht. Ihre Spät-Hippie-Mentalität zeigt sich auch daran, dass sie sich eine Freundin teilen – und das funktioniert. Diese „O“, die Erzählerin der Geschichte (Blake Lively ist eine der Blondinen, der derzeit versuchen, im Kino auf sich aufmerksam zu machen, aber all die jungen Damen in den gegenwärtigen US-Filmen sind schwer zu unterscheiden – das ist ein Persönlichkeitsproblem), liebt auch beide Männer, und so könnte alles wunderbar sein.

Doch es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, wusste schon Schiller, und so wird das Drehbuch mit einer herrlichen „Bösewichtin“ gewürzt: Salma Hayek leitet ein mexikanisches Drogenkartell, ist völlig skrupellos und hat nur einen Schwachpunkt, nämlich ihre Tochter. Benicio Del Toro, den sie losschickt, ist zum Fürchten, hat gar keinen Schwachpunkt und agiert, wenn er zur Action ansetzt, mit einer absolut widerwärtigen Freude am Psychoterror. Und noch ein Herr bringt bei den „Bösen“ entschieden dunkle, giftige Farbe ins Geschehen – John Travolta als Drogenfahnder, der sich von den kalifornischen Mariuhana-Händlern ebenso schmieren lässt wie von den Mexikanern und zwischen beiden Parteien seinen Schnitt zu machen sucht. Denn im Vergleich zu unseren bescheidenen Burschen, die nur gut leben wollen, geifern alle anderen nach dem großen Geld.

Wenn das Kartell also die beiden Jungs übernehmen will, erinnern sich diese daran, dass man kämpfen muss, wenn man dazu gezwungen wird (vor allem, wenn die Frauen als Spielball der Gewalt eingesetzt werden), und dann braust der Film mit aller Gnadenlosigkeit los und wird auch ziemlich hässlich. Vom Paradies bleibt nichts übrig – und für das Überleben der Guten (denn an Leuten, die Marihuana anbauen und verhökern, hat Oliver Stone nicht das geringste auszusetzen) möchte man auch nicht die Hand ins Feuer legen.

Dass es hier mehr um brutale Kinounterhaltung in Gangsterkreisen geht als um sonst etwas („Aussage“ beispielsweise), soll man Oliver Stone nicht übel nehmen. Man muss ja nicht immer Präsidenten-Schelte betreiben. Man kann sein Können auch darauf konzentrieren, Kino zu machen. Spannend, unterhaltend, oft extrem. Qualität für sich, die nichts mit Moral zu tun hat, in dem man ein Genre optimal bedient. Nichts für Zimperliche.

Renate Wagner

 

 

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