Salzburg: SOMMER 2026
Die Zeit ist aus den Fugen. William Shakespeare (1564 – 1616)

Salzburg. Blick über die Salzach auf die Altstadt mit dem Dom und der Festung Hohensalzburg.
Salzburg ist das Herz vom Herzen Europas. Es liegt in der Mitte zwischen Süd und Nord, zwischen Berg und Ebene, zwischen der Schweiz und den slawischen Ländern.
(Hugo von Hofmannsthal, 1920) © Thomas Prochazka
Über der Stadt: lähmende Hitze, als erwarteten alle eine vielfach als befreiend ersehnte Explosion. Die Festspiele, so hört man von Salzburger Bürgern, den » Salzbürgern « (© Erich Kästner), haben sich von der Bevölkerung entfernt. Der behauptete Feuilleton-Glanz: Nachglimmern eines vor Dezennien bereits verloschenen Sterns. Niemand, so Salzbürger im Gespräch, interessierten Kopftotgeburtinszenierungen zu Höchstpreisen mit Allerweltsbesetzungen, während der Theatersaison anderswo um einen Bruchteil des Betrages wohlfeil. Zuviele Stücke fielen feindlichen Regisseurspraktiken zum Opfer; der lokale Kulturfreund spiele in Konzeption und Realisierung keine Rolle mehr. Einzig sich als Schattenkulturpolitiker gerierende und als Loyalisten verstehende Feuilleton-Mitglieder bejubeln in Groupie-Manier, was kritisch zu tadeln wäre: die Hinterhäuseries in der Höh
.
Es ist höchste Zeit für einen Hinterhäuseries-Baum in der Salzachstadt zum Tausch der Freundschaftsarmbänder.
Selbstverständlichkeiten wurden medial zu jenen Sensationen hochgeschrieben, über welche umgehend in selbsterfüllender Prophezeiung berichtet werden mußte. Jene etwa, daß der Pianist Markus Hinterhäuser seine gegenüber dem Intendanten Markus Hinterhäuser eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen erfüllt; seine musikalischen Partner nicht im Stich läßt. Wahrlich, Die Zeit ist aus den Fugen
, wie‘s bei Shakespeare heißt.
Asmik Grigorian und Theodor Currentzis, so las man’s im darob delirierenden Feuilleton, saßen im Publikum und jubelten jenem zu, der sie seit Jahren mit Engagements versorgt. Man riecht das haut goût, und einzig die Vermutung, daß beide ihre Karten zum Vollpreis erwarben, nähme solcher Peinlichkeit die Spitze…
…Ein entschiedenes Aber jetzt!
wird sich als untauglich erweisen, Emotion und Empathie wieder zurückkehren müssen auf die Bühnenbretter dieser Welt: Es ist das Publikum, daß für die Billette zahlt, nicht die Kritiker.
Ein möglicher Festspielpräsident sitzt in der Findungskommission: Es wäre nicht das erste Mal, daß sich jemand selbst fände, und es wäre die schlechteste Lösung nicht. Auch für den Posten des Intendanten gibt es interessantere Kandidaten als Barrie Kosky; manche sogar österreichischer Herkunft. (Hier ihre Namen zu nennen hieße, sie in der darob einsetzenden öffentlichen Debatte zu beschädigen.)<
2026: ein Dürre-Sommer. Die Festspiele mögen florieren, aber sie treten auf der Stelle.
(Und immer noch kein Salzburger Freundschaftsarmbandsbaum für die Hinterhäuseries.)
https://dermerker.com/index.cfm?objectid=AF44D975-0897-2707-473F0F4D39D160E5
Thomas Prochazka (www.dermerker.com)

