Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

RUSH – ALLES FÜR DEN SIEG

02.10.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Rush~2  rush Bruehl und Lauda

Ab 3. Oktober 2013 in den österreichischen Kinos
RUSH – ALLES FÜR DEN SIEG
Rush   / Deutschland, USA / 2013
Regie: Ron Howard  
Mit: Daniel Brühl, Chris Hemsworth, Alexandra Maria Lara, Olivia Wilde u.a.

„Biopics“ zählen auf der Leinwand zu den schwierigsten Übungen. Dass dergleichen für Lebende gelingen kann, scheint so gut wie ausgeschlossen. So besehen, ist „Rush“ geradezu das Wunder eines Films. Denn er bringt Niki Lauda sowohl in seinem in der Sportgeschichte klassisch gewordenen Duell mit James Hunt wie auch in der dramatischsten Zeit seines Lebens auf die Leinwand: Rund um jenen 1. August 1976, als er auf dem Nürburgring so schrecklich verunglückte, dass niemand einen Groschen für sein Überleben, geschweige denn für ein Comeback im Formel 1-Ring gegeben hätte. Und doch saß der Mann mit dem verbrannten Gesicht, den man mumiengleich im Spital erlebt, sechs Wochen nach dem Unfall wieder hinter dem Steuer… Und selbst, wenn der Rivale in diesem Jahr Weltmeister wurde, Lauda holte sich seinen zweiten und dritten Titel doch noch.

Niki Lauda, der durch und durch seltsame Kauz, der sich nicht die Mühe nimmt, jemandem etwas vorzumachen, der einfach er selbst ist – unglaublich, wie er in Gestalt von Daniel Brühl „authentisch“ scheint. Mit den hervorstehenden Zähnen, der blöden Frisur und dem verbissenen Gesichtsausdruck, offensichtlich humorlos, aber grenzenlos entschlossen, knochentrocken argumentierend, aber völlig zielgerichtet, ein meisterhafter Mechaniker, der sich um alles an seinem Auto kümmerte  – und der Mann mit dem unverkennbar „österreichischen“ Akzent in seinem Englisch (es ist ein Film auch für den amerikanischen Markt, großteils auf Englisch gedreht).

So erschien der junge Mann in der Welt der Formel 1 und machte nicht zuletzt auch medial seinen Weg, weil er sich (für den Film unendlich wirkungsvoll) mit einem Gegner konfrontiert sah, der in allem sein Gegenteil schien: Der Brite James Hunt, locker, humorvoll, entspannt, wenn auch nicht weniger genial hinter dem Steuer eines Rennwagens: Und wieder ist eine Idealbesetzung gefunden, diesmal mit Chris Hemsworth, und wenn er auch dem Vorbild nicht so verblüffend ähnelt, wie es Brühl gelingt, so ist er als Gegenpol dramaturgisch doch genau das, was ein Kinofilm braucht.

niki_lauda_rushoriginale niki_hunt bruehl rush_x

Hier werden mehrere Handlungsstränge bedient. Es ist die Geschichte des Niki Lauda, die nicht nur eine Sieger-, sondern auch eine Überlebensgeschichte erster Ordnung ist. Es ist die Geschichte einer Rivalität, die zwar als eiserner Schlagabtausch ablief (was auch dialogisch oft witzig ausfällt), aber nie, absolut nie unter der Gürtellinie ausgetragen, sondern stets von gegenseitigem Respekt getragen wurde. Und es ist die Geschichte des Formel 1-Zirkus, der so schillernde Gestalten braucht, um seine immerwährende Faszination auszuüben, und wobei es letztendlich immer darum geht, Weltmeister zu werden…

Dennoch sind es nicht die prächtig gefilmten und geschnittenen Rennen-Szenen, die hier im Mittelpunkt stehen, sondern die Psychologie zweier Männer. Peter Morgan hat ein sehr gutes Drehbuch geschrieben, in dem er Privates ausreichend einarbeitet – und wieder ist es erstaunlich, welche Ähnlichkeit mit ihrem Vorbild Alexandra Maria Lara als Marlene Knaus erzielt, Nikis erste Frau, die aus den Armen von Curd Jürgens kam, aber auch Olivia Wilde, die spektakuläre Suzy Hunt, die später in den Armen von Richard Burton landete, ist bemerkenswert. Auch das gibt dem Geschehen Glamour. Ganz abgesehen von den wirklich farbig gezeichneten, schillernden Nebenfiguren und vor allem der so perfekt beschworenen Ästhetik der siebziger Jahre, die doch so ganz anders waren als unsere Welt, auch auf den Pisten der Formel 1. Dabei gleitet dieser Film von Hollywood-Veteran Ron Howard, der immerhin Meisterwerke wie „A Beautiful Mind“ gedreht hat und auch hier erste Hollywood-Qualität liefert, nie in die üblichen Klischees der üblichen Rennfahrerstories ab. Es ist bestes Kino ohne die schlechten Eigenschaften des Genrefilms.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken