REISE UND KULTUR: INNSBRUCK – VON SCHWARZEN MANDERN UND HEULENDEN WÖLFEN
Die Stadt Innsbruck steht offenbar unter einem guten Stern. Zweimal prägten glückliche Zufälle ihre Geschichte – und ihr Antlitz bis heute
1765 heiratete ihr Sohn Leopold die spanische Prinzessin Maria Ludovicaß

Die Hofburg. Foto: Robert Quitta

Der Hofgarten. Foto: Robert Qitta
Da die beiden nach der Hochzeit in das Grossherzogtum Toscana übersiedeln sollten, wollte ihr die Kaiserin die weiten Umweg über Wien ersparen und ließ die ursprünglich mittelalterliche Burg von ihren besten Künstler wie den Architekten Niccolò Parcassi und den Maler Maulbersch neobarock auf eleganteste und prächtigste Weise ausbauen und ausgestalten. Das Ergebnis bereichert das Statdbild noch immer: die strahlend weisse Fassade der Hofburg ist das Herzstück Innsbrucks und eine der wenigen Habsburger-Bauten, deren Anblick angenehm ist und in denen man sich (vor allem im sogenannten „Riesensaal“) so richtig wohlfühlen kann.
Der zweite Glücksfall ereignete sich drei Jahrhunderte früher. Der für Innsbruck wichtigste Kaiser Maximilian (Goldenes Dachl !) hatte aus bis heute nicht ganz eruierbaren Gründen für sich ein riesiges Mausoleum geplant: mit 40 leiblichen und geistigen Ahnen ( von Julius Cäsar und Augustus bis in seine Gegenwart) und 100 Heiligen, wahrscheinlich irgendwo auf einer Passhöhe im Salzburgischen.
Wie es halt so üblich war, starb er lange vor der Fertigstellung – und wurde in der Wiener Neustädter Burg (in der er auch geboren worden war) bestattet. Insofern wäre es nahegelegenen, sein Mausoleum ebendort zu errichten. Sein Enkel Ferdinand beschloss allerdings, für die von Gilg Sesselschreiber und Stefan Godl bereits fertiggestellten Statuen neben der Hofburg extra die Hofkirche errichten zu lassen. Aufgrund des geizigen Enkels sind es leider nur 28 „Ahnen“ und 23 Heilige, aber immerhin: dieses weltweit einzigartige Monument, das im Volksmund liebevoll „Schwarzmander“ genannt wird (obwohl auch „Schwarzweiber“ darunter sind) ist völlig zu Recht eine der größten Attraktionen dieser Stadt.

Die „Schwarzmander“. Foto: Robert Quitta
Gegen Norden schlendernd, gelangt man durch den wunderschönen und wunderbar gepflegten Hofgarten mit seinen uralten Bäumen zum Eingang der Hungerburg-Bahn, die mit der futuristischen Architektur von Zaha Hadid ein Science-Fiction-artiges Feeling vermittelt.

Die Hungerburg-Bahn. Foto: Robert Qu
Es empfiehlt sich sehr, eine Station vor der Hungerburg auszusteigen und den äußerst spannenden Alpenzoo zu besuchen, der auf seine Weise auch einzigartig ist. Besonders faszinierend das Wolfsgehege: oder haben Sie je ein Wolfsrudel gehört, das zu Mittag in die Stadt hinunterheult, weil es die Mittagsglocken für ein fremdes (und feindliches) Wolfsrudel hält, dem man natürlich entsprechend antworten muss. Erlebt man sonst nirgends…
Verhungern tut man in Innsbruck natürlich auch nicht. Ein sehr spezielles Lokal ist allerdings die von Claudia Kogler gegründete „Wilderin“. Das leitende Prinzip: regional, saisonal und nachhaltig – aber wirklich ! Und nose to tail – aber wirklich ! Z.b. von der Alten Kuh, vom Sprinzen Ochs und den Wanderhennen etc…

Hirsch- Tataki in der „Wilderin)
Seltene Schnäpse ( Wetterwurz, Krautinger usw.usf.) und ein fast schon überaufmerksames Service tun ein Übrigens, um den Abend in der Wilderin zu einem belebenden und inspirierendem Erlebnis werden zu lassen…
Robert Quitta, Innsbruck

