REISE: BUDWEIS UND SÜDBÖHMEN
Allein schon die Ankunft in Budweis ist vielversprechend: denn der prächtige Bahnhof aus Monarchiezeiten, der in den letzten Jahrzehnten schändlicherweise vor sich hinverfiel, wird endlich mit grossem Aufwand renoviert.
Der Hauptplatz in Budweis. Foto: Robert Quitta
Schon seit langem sehr schön renoviert ist der nach Ottokar Premysl benannte riesige Hauptplatz mit seinen Arkaden und den vielfarbigen Häusern.
In Budweis gibt es viel zu besichtigen: den Dom, den Schwarzen Turm, den Samson-Brunnen, das Rathaus, diverse Museen und natürlich auch die Budvar Brauerei und die Koh-I-Noor-Fabrik.
Ein südböhmischer Weiher. Foto: Robert Quitta
Es eignet sich aber auch bestens als Standort für Ausflüge in die südböhmische Umgebung. Sehr schön ist zB. eine Schifffahrt auf der von vielen Datschas umstandenen Moldau (die auf tschechisch Vitava heisst) nach Karlúv Hrádek.
Flösser. Foto: Robert Quitta)
Bei der Rückkehr zur Anlegestelle in Purkarec empfiehlt sich dann ein Besuch im sehr eindrucksvollen Flossmuseum. Man kann nur in Ehrfurcht und Bewunderung erstarren vor dem gefährlichen und anstrengenden Leben, die die Flösser damals gehabt haben.
Freilichtmuseum in Trocnov. Foto: Robert Quitta
Noch nicht ganz fertig ist das neue Freilichtmuseum in Trocnov, wo mit grösstem handwerklichen Wissen und mit grösster Sorgfalt mit Originalmaterialien ein idealtypisches südböhmisches Dorf rekonstruiert wird (es soll dann sogar Tiere dort geben!). Nach seiner Eröffnung wird es sicher ein Schmuckstück und einer Hauptattraktion der gesamten Gegend.
Der einäugige Räubershauptmann. Foto: Robert Quitta
Weitaus weniger herzerwärmend ist das sich im selben Ort befindliche Jan Zizka-Museum. Zizka. (auch der Einäugige genannt) war ein Hussitenführer bzw. – sagen wir’s wie’s ist – ein blutrünstiger Räubershauptmann. Gegen seine religiös verbrämten Massaker wirken selbst die Verbecher vom „Islamischen Staat“ wie Pazifisten. Die Kommunisten, Gewalt nie abgeneigt, haben ihn daher – was einer gewissen Logik nicht entbehrt – zum tschechischen Nationalhelden stilisiert und ihm riesige Denkmäler errichtet. Es ist zum K……Herr Nachbar, einen Becherovka bitte !
Friedlicher geht es im Geburtshaus Adalbert Stifters in Horní Plana zu, das ihm zu Ehren mit großer Liebe zu einem kleinen, aber feinen Museum umgewandelt wurde. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr durch die schreckliche Zeit des Eisernen Vorhangs aus unserem Bewusstsein verdrängt wurde, dass das ja alles einmal e i n Kulturraum war, und wir uns daher gar nicht wundern brauchen, dass es nicht nur in Oberösterreich (mit dem wir ihn in erster Linie in Verbindung bringen), sondern naturgemäß auch hier, in seiner ursprünglichen Heimat, dem Böhmerwald, ein Museum für ihn gibt. Sehr empfehlenswert, auch und gerade für durch Schulpflichtlektüre Stifter-Traumatisierte.
Adalbert Stifters Geburtshaus. Foto: Robert Quitta
Vor der Heimreise nach Wien sollte man noch dem (ebenfalls prächtig renovierten und neu aufgestellten) Südböhmischen Museum einen Besuch abstatten. Erwartungsgemäss findet man hier einen konzisen Überblick über die – sagen wir es vorsichtig: äußerst wechselvolle – Geschichte der Stadt vor. Unerwartet ist das Ausmaß und die Qualität der zoologischen (jede Menge ausgestopfter Tiere !) und der mineralogischen Sammlung: die Vielfalt und die Schönheit der diversen Bergkristalle etc. wird man nicht so leicht vergessen…
Bergkristall. Foto: Robert Quitta
Und darauf trinken wir noch ein Budweiser ! Prost !
Robert Quitta, Budweis und Umgebung
Nachtrag
Die ehemalige Synagoge. Foto: Robert Quitta