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PARKER

03.02.2013 | FILM/TV

Ab 8. Februar 2013 in den österreichischen Kinos
PARKER
USA  /  2013
Regie: Taylor Hackford
Mit: Jason Statham, Jennifer Lopez, Nick Nolte u.a.

Mittlerweile gibt es das Genre des „Jason Statham-Films“ wie es den Bruce Willis-Film gab (und glücklicherweise noch gibt). Er ist lang genug mit dem „Transporter“ herumgefahren, um sich als knallharter Action-Held mit einem doch recht sympathischen Gesicht und zweifelsfreier Glaubhaftigkeit zu etablieren. Diesmal „paart“ er sich mit einer Figur, die Leser von Trivialromanen bekannt sein wird – er heißt „Parker“ und Autor Donald E. Westlake hat ihn unter dem Pseudonym Richard Stark gleich 24mal zum Roman-Helden gemacht.

Obwohl es bisher schon mehrere Anläufe gegeben hat, die Parker-Krimis zu verfilmen, ist der ideale Held noch nicht gefunden worden. Man kann davon ausgehen, dass die bange Suche nun ein Ende hat – und Jason Statham uns noch einige Male als Parker kommt…

Der Mann ist zwar ein mit allen Wassern und Künsten gewaschener Krimineller, aber er ist nett. Wenn er mit einer Bande, die er nicht näher kennt, an die ihn sein Beinahe-Schwiegervater Nick Nolte empfohlen hat, bei einem Volksfest in Ohio die Kasse ausräumt, dann hat er noch ein paar freundliche, beruhigende Worte für die Geiseln… Wenn nachher die Gangsterkollegen allerdings meinen, dass sie ihm punkto Teilung der Beute dumm kommen können, haben sie falsch kalkuliert.

Nein, er ist nicht tot, Parker doch nicht. Er setzt sich den Herren auf die Fersen, und das bedeutet für den Kinobesucher, dass sich die Handlung ins sonnige Florida verlegt. Mehr noch, unter die Reichen und Schönen von Palm Beach, wo die ehemaligen Kollegen wieder etwas Schlimmes vorhaben.

Man darf fast lächeln, wenn Parker sich jetzt mit großem Cowboy-Hut als naiver Millionär aus dem Mittelwesten ausgibt, um bei einer Immobilienfirma herauszubekommen, wo die Gegner sich wohl eingemietet haben. Und dann muss Statham eine zeitlang einen Teil der Handlung an Jennifer Lopez weitergeben, was nicht jeden freut. Aber glücklicherweise ist sie diesmal nicht ohne Humor, erwähnt sogar mehrfach, dass sie auf die 40 zugeht. Kein Wunder, dass sie auf Parker direkt fliegt, der Mühe hat, ihre Avancen so höflich wie möglich abzuweisen (schließlich hat er ja ein Bräutchen zuhause). Dazu gibt es noch die Mama von JLo, die eine wahre Nervensäge (mit Hündchen) darstellt, sich aber gelegentlich als nützlich erweist, wenn etwa ein fremder Mann verletzt vor der Tür steht…

Apropos verletzt: Da gibt es eine wirklich klasse Kampfszene zwischen Parker und einem asiatischen Auftragskiller, und das noch in einem recht hoch gelegenen Hotelzimmer (dreimal darf man raten, wer vom Balkon fliegt – aber erst, nachdem die Show wirklich alles gebracht hat), und da hätte man doch geschworen, dass Parker ganz gewaltig so irgendwo in die Gegend des Schlüsselbeins ein Messer hineingerammt wird. Als man ihm wieder begegnet, ist von der Wunde keine Spur –  aber so genau muss man es ja wirklich nicht nehmen.

Am Ende geht es um eine spektakuläre Auktion von ganz schön wertvollen Juwelen, und wie da die Gangster einander austricksen, gibt dem Film noch einen letzten Kick. Inszeniert wurde er, und das möchte man nicht ganz glauben, von Taylor Hackford, der in den achtziger Jahren für anspruchsvolle Thriller bekannt war, mittlerweile aber fast nur noch der Gatte der großen Helen Mirren ist. Nun hat er offenbar als späte Fingerübung einen im großen und ganzen eher mittelmäßigen Thriller auf den Weg geschickt. Aber die Voraussetzungen stimmen so weit – Hauptdarsteller, Prügeleien, ein wenig Schmäh und eine selbstironische Diva, die beim Strip mehr auf Jux als auf Sex setzt und sich solcherart nicht lächerlich macht.

Man hat also vermutlich „Parker zum Ersten“ gesehen und fürchtet sich nicht vor der Fortsetzung,  ganz anders als vor dem nächsten Auftreten von Tom Cruise als Jack Reacher…

Renate Wagner

 

 

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