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PACIFIC RIM

15.07.2013 | FILM/TV

Ab 19. Juli 2013 in den österreichischen Kinos
PACIFIC RIM
USA  /  2013 
Regie: Guillermo del Toro
Mit: Charlie Hunnam, Rinko Kikuchi, Idris Elba, Ron Perlman, Charlie Day, Burn Gorman u.a.

“Size matters”, heißt es, und wenn der Gegenspruch auch “Small is beautiful” lautet, so gibt es doch Bereiche, wo die Größe wirklich eine Rolle spielt: etwa im amerikanischen Blockbuster-Geschäft. Da sprengt man die Kassen nur, wenn man die Superlative ins Spiel bringt. Irgendwie ist das „Pacific Rim“ auch geglückt – wenn es da Monster gibt, gegen die King Kong wie ein Kuscheltierchen aussieht?

Was der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro (nicht zu verwechseln mit dem Schauspieler Benicio del Toro, „Che“-Darsteller und nicht mit dem Regisseur verwandt) auf die Leinwand malt, entspricht tatsächlich der „noch größer, noch lauter, noch schriller“-Vorgabe, die sich jeder Film dieses Genres stellt – Sci-Fi als Katastrophenfilm, wobei nach San Francisco dann auch noch Hongkong in Schutt und Asche gelegt wird.

Das Grundmuster lautet: ultimative Alien-Monster (die aussehen können wie Dinosaurier, aber auch wie Haifische oder Drachen – man ist nicht einförmig) gegen die menschliche Wunderwaffe, gigantische Roboter, in deren Inneren jeweils zwei „Piloten“ ihres Amtes walten, die Riesen im Kampf zu führen. Eigene Welten kreieren auch ihre eigene Sprache, die Alien-Ungeheuer heißen „Kaiju“, die Mega-Roboter „Jaeger“ (ja, ja, aus dem Deutschen entlehnt, da gibt es eindeutig noch ein Monster-Image…), aber kreiert wird vor allem eine Ästhetik, die tatsächlich ihresgleichen sucht. Und während man sonst im Kino längst ohne weiteres Erstaunen die unmöglichsten Dinge wie selbstverständlich hinnimmt, taucht hier angesichts schier unglaublicher Bilderfluten, die sich über den Betrachter ergießen, immer wieder die Frage auf: Wie, zum Teufel, macht man so etwas? Und selbst, wenn es nur die Computer schaffen – dahinter stecken doch Menschen mit einer schier ungeheuren Phantasie. Also immerhin etwas.

Denn die Story des Ganzen ist eher schlicht, was wiederum nicht schlecht ist, denkt man an die vielen Filme dieser Art, die ganz unverfroren komplett verworrene Geschichten auf die Leinwand bringen, weil man ohnedies nicht damit rechnet, dass der Zuschauer zum Denken kommt. Hier wird ihm das Mitdenken, wenn er es denn will, jedenfalls leicht gemacht.

Also: Die „Kaiju“ attackieren die Erde ohne Unterlass, die Menschen kommen mit dem Bau der „Jaeger“ gar nicht nach. In Hongkong (von der Stadt sieht man nur wenig) werden die neuen Typen gebaut – und Pilot Raleigh Becket, der einst mit seinem Bruder gemeinsam eines der Riesendinger bedient hat, aber der Bruder starb bei einem Angriff, heuert bei dem kommandierenden General (oder was immer er ist) Pentecost an. Wenn es keine Kampfszenen gibt, die dramaturgisch geschickt verteilt sind – immer, wenn die brav-reale Ebene fad zu werden droht -, dann entfaltet sich ein Gespinst menschlicher Beziehungen. Raleigh fühlt sich von der jungen Japanerin Mako, Pentecosts Schützling, herausgefordert, und man erzählt sicher nicht zu viel, wenn man verrät, dass diese beiden natürlich die Welt retten.

Es gibt daneben viel Heldenhaftigkeit, Kitsch (eine Vater-Sohn-Geschichte voll Rührseligkeit) und die nötige Dosis Humor mit zwei halb verrückten Wissenschaftlern, ein Mathematiker (mit dem schönen Satz: „Numbers is as close as we get to the handwriting of God“) und ein Biologe, der nichts Geringeres will, als sich in das Hirn eines Kaiju einklinken – mit deren Resten wird ein schwungvoller Handel von einem Schurken namens Hannibal Chau betrieben, und der gute Mann findet sich irgendwann (es ist grauslich und seltsam lustig zugleich) von einem der Monster aufgefressen…

Das ist in den Kampfszenen seltsam grandios, hier bringen die 3 D-Brillen einmal wirklich etwas, in den Menschenszenen solide. Dabei fällt auf, dass die ganze Besetzung nicht einen klingenden oder auch nur bekannten Namen aufweist – was sich vermutlich mit Kostengründen erklärt: Ein Johnny Depp etwa kostet 20 Millionen pro Film, eine Handvoll großer Namen ließe ein Budget explodieren, das hier für die Special Effects gebraucht wurde.

Relativ unbekannte Darsteller haben aber den Vorteil, dass man nicht sie als „Pitt“ oder „Cruise“, sondern die Figuren ansieht. Wobei der blonde, brave Charlie Hunnam (als Raleigh Becket) ohnedies so aussieht wie einst Brad Pitt, als Robert Redford ihn als seinen Nachfolger aufbaute: Wie die Zeit vergeht. Ob es für anhaltenden Starruhm, der zu aufzubauen wäre, reicht, das kann ohnedies nur die Zukunft sagen.

Das Love-Interest mit dem interessanten Schicksal ist diesmal eine Japanerin (vermutlich direkt auf den japanischen Markt gezielt), und Rinko Kikuchi (als Mako Mori) strahlt Intelligenz, Persönlichkeit, Entschlossenheit, ein Schicksal und weiblichen Reiz aus, was will man mehr. Die Drähte darf aus Gründen politischer Korrektheit ein Farbiger ziehen, und Idris Elba (als Stacker Pentecost) tut es so souverän wie überzeugend.

Wichtig in Filmen, wo es so bedeutungsschwer um Schicksal und Überleben der Menschheit geht, sind natürlich die Clowns für Szenen des „Comic Relief“ – Charlie Day verbindet wissenschaftliche Entschlossenheit mit der Schussligkeit, die man seinesgleichen nachsagt, Burn Gorman (der als Mathematiker den Namen Dr. Hermann Gottlieb trägt, wenn das kein Deutscher sein soll) bietet zuerst selbstgefällige-besserwisserische Verbohrtheit, zeigt sich dann aber menschlich (oder nur berechnend?).

Auf der komische Seiten ist auch der schrullige Gangster, den Ron Perlman mit seiner unverwechselbar schrägen Physiognomie spielt, während Max Martini den wackeren Vater eines weniger geratenen Sohnes (Robert Kazinsky) verkörpert, der dann im entscheidenden Augenblick zum Helden wird – es fehlt wirklich kein Klischee.

Ginge es nur um die obligaten Geschichten, „Pacific Rim“ würde sich nicht von vielen Filmen dieser Art unterscheiden. Auch Alien-Monster hat man oft gesehen, und die „Transformers“ waren ja auch keine schlechten Roboter. Und doch – wie hier „Kaiju“ und „Jaeger“ auf einander gehetzt werden, wirkt wieder einmal wie ein Quantensprung in der Filmtechnologie. Das bringt kein Fernsehapparat, keine Raubkopie im Internet, kein Film, den man sich zwischendurch am Handy ansieht – dazu müssen es die riesigen Imax-Leinwände im Kino sein…

Auf Anhieb schienen die Amerikaner aber nicht zu überzeugen: Bei geschätzten Kosten von $180.000.000 (hundertachzig Millionen!) spielte der Film am Eröffnungswochenende nur $38 Mio ein (dergleichen kann man in der Internationalen Movie Database nachlesen) – das blieb wohl unter den Erwartungen. Das ungewisse Spiel der einander konkurrierenden Blockbuster geht weiter.

Renate Wagner

 

 

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