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OKTOBER, NOVEMBER

09.11.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Oktober November~2

Ab 8. November 2013 in den österreichischen Kinos
OKTOBER, NOVEMBER
Österreich  /  2013 
Regie: Götz Spielmann
Mit: Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Peter Simonischek, Sebastian Koch u.a.

Der Film beginnt mit Sonja, der Schauspielerin, die gerade eine etwas kitschige Fernsehserie fertig stellt: Das seltsam kalte, unbeteiligte Gesicht der Nora von Waldstätten, die stets wie ein Alien in der Menschenwelt wirkt, ist ideal für die Distanziertheit und Einsamkeit, die Regisseur Götz Spielmann dieser Figur gibt. Als Sonja erfährt, dass ihr Vater sehr krank ist, fährt sie heim.

„Heim“, das ist irgendwo in den österreichischen Alpen, der Film legt sich nicht fest (gedreht wurden die Außenaufnahmen in Niederösterreich). Dort lebt Sonjas Schwester Verena mit ihrem Mann, einem schlichten, wertvollen Menschen (wunderbar: Johannes Zeiler), und ihrem kleinen Sohn (der junge Andreas Ressl). Und dem sehr kranken Vater, dessen an der Straße liegendes Wirtshaus sie eigentlich nicht mehr betreiben will und es von Zeit zu Zeit doch tut. Ursula Strauss (die glücklicherweise keine Sekunde ihrer Karriere in der Fernsehkommissarin stecken geblieben ist) ist das Gegenteil der Schwester, und gerade weil sie Gefühle hat und mehr braucht, als der brave Mann ihr geben kann, hat sie ein Verhältnis mit dem Doktor, der den Vater behandelt (Sebastian Koch spielt ihn höflich-distanziert, will sich nicht allzu tief in das Verhältnis einlassen).

Wenn Sonja dann ins Elternhaus kommt, dann weiß man eigentlich nicht, welche Geschichte Regisseur Götz Spielmann in „Oktober, November“ eigentlich erzählen wollte (was auch bemängelt wurde, als der Film – mit viel Lob für die Darsteller – beim Filmfestival von San Sebastien lief. Es gibt so viel, was sich da ins Drehbuch drängt.

Oktober November die schwestern x

Es ist der Gegensatz von Stadt und Land, die einfach total gegensätzliche Lebensweise hier und dort – man spürt es, wie Sonja in der Natur aufblüht, auch im Alltag eines Wirtshauses (wenn man dann doch Gäste bedient), während klar wird, wie mager und beengend dieses Lebensangebot für Schwester Verena ist. Lebensformen also. Lebensentwürfe auch – die eine, die wegging, die andere, die aus Pflichtgefühl blieb. Beide zahlen ihren Preis.

Dann kommt es, an der Person des Arztes, natürlich zur Rivalität zwischen den Schwestern, als die erfolgsgewohnte Schauspielerin einem Flirt nicht widerstehen kann – und klar wird, wie wichtig für Verena diese belastende außereheliche Beziehung ist.

Eine weitere Handlungsschiene offenbart sich, als klar wird, dass Sonja nicht die Tochter ihres Vaters ist, den echten Vater sucht, enttäuscht ist von dessen komplett ablehnender Haltung (Alexander Lhotzky spielt ihn so, dass man am liebsten nichts mit ihm zu tun hat), und die alte Weisheit nicht unsentimental ausgebreitet wird, dass Vatersein keine Frage des Blutes ist, sondern der Liebe, die man Kindern schenkt.

Das hat dieser Vater getan, und weil Peter Simonischek ihn spielt, ist seine Aufgabe in diesem Film eine weit größere und schwerere: An ihm zeigt der Regisseur das Sterben eines Menschen, und das nicht nur elegisch, kinohaft schön und ergreifend, sondern in seiner ganzen Unbarmherzigkeit, in seinem mühseligen, sich schmerzhaften Dahinziehen, in der herzzerreißenden Schwierigkeit der Ablöse von dieser Welt. Da sind nicht die Tränendrüsen, sondern die Nerven gefordert.

Am Ende trägt man als Zuschauer ein schweres Bündel mit Problemen heim. Leicht hat es Götz Spielmann weder seinen Protagonisten noch den Zuschauern gemacht. Aber genau das war wohl seine Absicht.

Renate Wagner

 

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