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MONUMENTS MEN – UNGEWÖHNLICHE HELDEN

17.02.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Monument Men

Ab 20. Februar 2014 in den österreichischen Kinos
MONUMENTS MEN – UNGEWÖHNLICHE HELDEN
The Monuments Men  /  USA  /   2014
Regie und Drehbuch: George Clooney
Mit: George Clooney, Matt Damon, Cate Blanchett, John Goodman, Jean Dujardin u.a.

Schade, dass die alte Wahrheit vom gut Gemeinten, das nicht unbedingt gut sein muss, sich gerade bei diesem Film bewahrheitet. Denn George Clooney hatte doch offenbar so viel vor, als er – der Mann, der auch schon gnadenlose politische Satiren gedreht hat – sich ein in jeder Hinsicht so „ehrenswertes“ Thema vornahm.

Einerseits tut den Amerikanern ein bisschen Selbstlob ganz gut, denn sie haben ja nicht alles so gut gemacht wie dieses – Europas Kunstschätze davor zu bewahren, auf Nimmerwiedersehen in der Sowjetunion zu verschwinden, wo man dieses „Beutegut“ (etwa den Schliemann-Schatz) quasi als Kriegs-Reparation betrachtet und wohl nie zurückgeben wird. Während die Amerikaner dafür gesorgt haben, dass verschleppte Kunst wieder an ihren Ursprungsort zurückkehrte.

Darüber hinaus will er tiefe Wahrheiten und Weisheiten über den Wert der Kunst, die Rolle der Kunst im menschlichen Leben verströmen. Er hat ja so recht. Aber das macht nicht automatisch einen guten Film.

Clooney zeigt die historischen „Monuments Men“, wie man sie nannte, in den letzten Kriegsjahren in Europa bei der Arbeit – in seiner Begeisterung für Kunst und in Hinblick auf das Führer-Museum in Linz, für das er am liebsten alles zusammengerafft hätte, was ihm gefiel, ließ Hitler in den besetzten Gebieten Kunst abtransportieren, und seine Deutschen halfen ihm dabei mit deutscher Gründlichkeit (und bereicherten sich selbst dabei).

Für die Amerikaner war das Aufspüren dieser weggebrachten Schätze eine gewaltige logistische Herausforderungen, aber es war letztlich nicht allzu schwer herauszufinden, wo man die zahllosen Bilder, Plastiken, Bücher, Möbel, Kunstgegenstände usw. hingebracht hatte – nach Neuschwanstein zum Beispiel, oder in den Stollen des Salzbergwerks Altaussee. Angesichts von Hitlers „hinter mir die Sintflut“-Befehl, alles zu zerstören, wenn das Ende nahte, wurde der Auftrag der Handvoll Amerikaner zu einem Wettlauf mit der Zeit. Und mit Sicherheit um einiges dramatischer, als dieser Film es darstellt.

Man will ja nicht von George Clooney verlangen, dass er sein so ernsthaftes Thema in einen Thriller verpackt hätte, aber so gemütlich kann man eine solche Geschichte auch nicht erzählen. Und so wenig von dem Grauen transportieren – mit Ausnahme einer Szene, wenn die Amerikaner einen ganzen Riesenbottich mit kleinen Goldstücken finden. Nuggets? vermutet einer. Nein, Zahngold aus den Mündern ermordeter Juden…

Auch will Clooney seinen Amerikanern, die ja in der Masse, die Kinogeher stellen, vermutlich nicht viel von Kunst verstehen, das Zuschauen nicht zu schwer machen: Also rückt er zwei aus Belgien entwendete und von den „Monuments Men“ gesuchte (und gefundene) höchst spektakuläre Werke in den Mittelpunkt: den Genter Altar der Brüder von Jan und Hubert van Eyck und die so genannte „Brügger Madonna“, eine prachtvolle Skulptur von Michelangelo. Beide wurden gefunden, gerettet und sind berühmt genug, dass man von ihnen gehört haben mag. Was die Crew im Berliner Studio Babelsberg, wo die meisten Schauplätze aufgebaut wurden,  noch an weltberühmten Bildern nachgemalt hat, erfreut im flüchtigen Drübergucken vermutlich vor allem den europäischen Besucher als Draufgabe…

Wer sind nun die „Helden“, die sich glücklicherweise nicht als solche gerieren, aber in diesem Film auch (obwohl zwei von ihnen das Leben verlieren) eher auf einem Spaziergang zu sein scheinen? George Clooney spielt George Stout, der das Unternehmen in Gang setzte. Von ihm erfährt man gar nichts, er bietet auch nichts weiter als sein gutes Aussehen in Uniform und ein paar Sprüche nahe am Pathos.

Matt Damon ist James Rorimer, im zivilen Leben Fachmann für mittelalterliche Kunst am Metropolitan Museum in New York, der nach Paris geschickt wird und dort Cate Blanchett widersteht: Man schätzt sie unendlich, aber weder als Französin, die bei den Deutschen arbeitet (Justus von Dohnányi ist der echt „miese Typ“), noch als Verführerin wirkt sie hier sonderlich überzeugend. Damon hat eine relativ große Szene, wenn er auf eine Tellermiene steigt und erwartet, in die Luft zu gehen und dann tot zu sein – und seine Kameraden harren wacker bei ihm aus, statt das Weite zu suchen, da darf man vom Soldaten-Ethos beeindruckt sein.

John Goodman spielt Walter Garfield, einen Bildhauer, und so wie er früher ein Frontal-Komiker war, erzielt Goodman jetzt mit zuwiderem Gesicht seine Pointen. Seit seinem „Oscar“ sieht man Jean Dujardin gern in Nebenrollen in amerikanischen Filmen (zuletzt im „Wolf of Wall Street“), denn er bringt mit seinem eigentümlichen Charme Farbe in die Geschichte. Bill Murray als Architekt Richard Campbell ist auch für gelegentliche Komik zuständig, aber das Drehbuch führt eigentlich keine Figur aus, stellt sie von Zeit zu Zeit punktuell in den Mittelpunkt des Geschehens und geht dann über sie hinweg und vergißt sie. Aber immer wieder ein pointierter Dialog und auch der eine oder andere One Liner – das macht auf der Leinwand noch keine kompakte Geschichte.

Am Ende kann man Clooney für seine besten Absichten nur das beste Zeugnis ausstellen, wird aber mit einem Filmemacher nicht glücklich, der eine tödliche Sünde begeht: Er ist langweilig.

Renate Wagner

 

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