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MANN TUT WAS MANN KANN

09.10.2012 | FILM/TV

Ab 12. Oktober 2012 in den österreichischen Kinos
MANN TUT WAS MANN KANN
Deutschland / 2012 
Regie: Marc Rothemund
Mit: Wotan Wilke Möhring, Jan Josef Liefers, Jasmin Gerat, Fahri Yardim, Oliver Korittke u.a.

Die deutsche Komödie hatte Mitte der neunziger Jahre – das ist nun auch schon bald zwei Jahrzehnte her – eine große Zeit rund um den „Bewegten Mann“ (und mit Hilfe einiger wunderbarer  Schauspieler wie Joachim Krol oder Katja Riemann). Mittlerweile sind die gelungenen Komödien selten geworden (aber es gibt sie, Marcus H. Rosenmüller ist etwa einer ihrer Regisseure, Christian Ulmen einer der gegenwärtigen Darsteller).

Was Regisseur Marc Rothemund betrifft, so hat der 44jährige bisher noch nicht so viel gemacht, aber seinen Namen jedenfalls untrennbar mit dem sehr gelungenen „Sophie Scholl“-Film verbunden (der ein deutscher Kandidat für den „Oscar“ war). Wenn er nun mit einer Beziehungskomödie auf die Leinwand kommt (und das ist ja nun wohl die legitimste Form der Komödie), dann erinnert man sich daran, dass er in seinen Anfängen (1998) schon eine solche geliefert hat – „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“. Im Grunde geht es nun in „Mann tut was Mann kann“ um nichts anderes – schließlich wird das Verhältnis von Mann und Frau erratisch, wenn es um das jeweils andere Geschlecht geht…

Normalerweise kann man sich im Leben und im Kino vor allem das Liebesgejammere der Frauen anhören. Aber mittlerweile – spätestens seit Baryllis „Butterbrot“ – jammern auch die Männer recht erfolgreich. Hier ist es allerdings nicht ganz so schlimm: Nur Computer-Genie Günther (Oliver Korittke, mal mit Bart, mal ohne und immer ziemlich hilflos in die Gegend guckend) kann gar nicht genug tun, um seine vielleicht gar nicht existente Beziehung zu der entzückenden Kellnerin Iggy (Karoline Schuch) peinvoll und weinerlich zu analysieren. Paul hingegen, die zentrale Figur der Geschichte (und eine sehr schöne Rolle für Wotan Wilke Möhring), ist geschieden und fest entschlossen, sich gar nicht weiter auf Beziehungen einzulassen. Man kann ja auch anderes für die Seele tun, etwa gelegentlich einen störrischen Hund aus dem Tierheim auszführen. Aber wie Drehbücher schon so spielen – da ist dann gleich eine Tierärztin vor Ort (Jasmin Gerat, ein schwer herber Typ), die alle „Ich lasse mich auf nichts mehr ein“-Pläne schnell ins Wanken bringt.

Nett, wie sich Marc Rothemund, der zusammen mit Hans Rath das Drehbuch schrieb, auch ein sympathisches Stück Männersolidarität einfallen lässt: Denn offenbar ist Paul reich genug, um sich eine supergroße Wohnung zu leisten, und großzügig genug, all seine solo herumirrenden Freunde nach und nach aufzunehmen – nicht nur Günther, sondern auch den erfolglosen Künstler und als Chauffeur tätigen Bronko (Fahri Yardim setzt wuschelköpfigen Türken-Charme ein) und vor allem Jan Josef Liefers als Guido. Liefers hat mit dem zickigen Münsteraner Fernsehkommissar allerdings eine Rolle gefunden, die ihn scheinbar geprägt, nein, imprägniert hat, denn man möchte meinen, Guido sei direkt von dort in diesen Film geschuscht… Als schranken- und völlig reue- und gewissenloser Frauenheld ist er jedenfalls hinreißend.

Kurz, innerhalb dieser WG entfaltet sich ein Film der Männer, selbst wenn sich bei ihnen alles um die Damen dreht. Man befindet sich hier im Berlin der höheren Schichten, angenehmerweise ist einmal kein Prolo darunter, der die Stimmung herunterziehen würde. Man bleibt unter sich.

So, wie Paul seine Liebste am Ende vom Altar wegholt (was mit einer Menge skurriler Ideen angereichert ist, bedient Marc Rothemund ein klassisches Klischee der Kinodramaturgie, aber was soll’s? Wer nimmt Komödien-Drehbücher schon für ein Abbild des Lebens? Die Menschen dieses Films sind viel zu nett und angenehm, als dass man ihnen so geballt in der Realität begegnen könnte. Das ist ein Kinogleichnis für ein gepflegtes Publikum. Und es geht auch  alles gut aus – verrät man zu viel, wenn man sagt, dass der Regisseur am Ende jeden einzelnen Herren mit der Richtigen aus der Isolation erlöst?

Eben. So gibt es das im Leben nicht. Ab ins Kino!

Renate Wagner

 

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