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MALAVITA – THE FAMILY

19.11.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Malavita

Ab 22. November 2013 in den österreichischen Kinos
MALAVITA – THE FAMILY
The Family  /  Frankreich, USA  /  2013
Regie: Luc Besson
Mit: Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones u.a.

Der französische Filmemacher Luc Besson hat nun schon seit Jahren als Produzent und gelegentlich (wie diesmal) auch als Regisseur ein eigenes Genre aufgebaut: Euro-Krimis mit starker amerikanischer Star-Beteiligung. Filme wie „Leon“, „Transporter“ oder „Taken“, die im allgemeinen „lockerer“ ausfallen als amerikanische Action, eleganter, ironischer und dennoch alle Anforderungen befriedigen, die man an das Genre stellen kann. Wenn er sich nun einen Spaß mit der Mafia macht, dann hat sogar Martin Scorsese himself mitproduziert (schließlich wird einer seiner berühmten Filme darin zitiert), und der Star heißt Robert De Niro. Wieder einmal als Mafioso. Er hat ja, wie er einmal sagte, das Gesicht dafür.

Aber man darf auch über die Mafia lachen. Wenn sich Besson in seinem Drehbuch einen „Clash of Cultures“ ausdenkt, ist er hier mit „Kampf der Kulturen“ oder „Kulturschock“ nur unzureichend nur unzureichend übersetzt. Es geht um grundverschiedene Verhaltensmuster… Wie wäre es, denkt sich Besson sehr amüsant aus, wenn man die Familie eines doch ziemlich gewichtigen Mafioso im Zeugenschutzprogramm nicht irgendwo im amerikanischen Mittelwesten versenkt, sondern sie ganz weit weg schickt. Europa. Frankreich. Normandie. Eine echte Kleinstadt.

Man kennt die Franzosen – sie mögen keine Ausländer, schon gar keine Amerikaner, und sie können ganz schön pappig sein, wenn sie jemanden auf die Seife steigen lassen. Zumal sie meinen, ihre Sturheit und vorgeschobene Dümmlichkeit straflos ausüben zu können.

Aber einem Mafioso wie „Fred Blake“ (so heißt Giovanni Manzoni, einst ein „Pate“, jetzt) dumm zu kommen wie der Installateur, der nur die Achseln zuckt, wenn eben braunes Wasser aus der Leitung kommt – ja, dann bekommt er ganz heftig eine auf die Nase, denn so löst man diese Probleme dort, wo „Fred Blake“ herkommt. (Und, ganz schlimm – man will es kaum zugeben -, hätte man nicht manchmal Lust, den „Übermut der Ämter“ und dergleichen Mühseligkeiten und Demütigungen des Alltags auch so schnell beheben zu können…? Freilich, nicht ganz so brutal wie hier. Aber doch so, dass es Wirkung zeigt).

Mama Maggie geht zwar in die Kirche, aber ist dem Pfarrer bald unheimlich, und wenn man ihr im Supermarkt unhöflich begegnet… na, dann zieht sie ihre Konsequenzen. Auch die Kids sind souveräne Sprösslinge ihrer Eltern – der Sohn übernimmt gleich den Handel in der Schule und die Tochter macht Nachdruck, wenn die Schulkameraden meinen, die amerikanische Zicke aufziehen zu können. Au, auch das tut dann weh.

Besonders amüsant wird es, wenn „Fred Blake“ in seiner Eigenschaft als Amerikaner vom heimischen Filmclub als „Fachmann“ eingeladen wird, „Some Came Running“, einen Film über einen Schriftsteller zu kommentieren (schließlich ist ja er selbst ein solcher!). Eine falsche Kopie wird geschickt, man zeigt dann „Goodfellas“, und auch wenn sich Besson den Scherz versagt, dass sich „Manzoni De Niro“ auf der Leinwand als „Jimmy Conway De Niro“ von Scorseses Ganden betrachtet – es ist witzig. Und nach dem Film – ja, da hat „Fred Blake“ so viel Insiderwissen über die Mafia zu bieten, dass seinem „Betreuer“ angst und bang wird…

Es ist der FBI-Agent Robert Stansfield, der auf die Familie aufpassen soll. Er ist aber vor allem über die Memoiren beunruhigt, die Giovanni Manzoni schreibt – nicht nur wegen des zu erwartenden Geheimnisverrats, sondern auch mit einiger Nervosität, wie er selbst wohl darin aussteigt… Darum achtet er wohl zu wenig darauf, dass in den USA ein Mafia-Boß im Gefängnis sitzt, der von dort aus so souverän seine Geschäfte führt, als befände er sich in seinem Wohnzimmer. Und dessen Hauptbefehl lautet: Findet die Manzonis und eliminiert sie. Solcherart endet, was eine rabenschwarze, aber doch vordringlich komödiantische Sache ist, am Ende in harter Action.

Malavita, die Familie

Für dergleichen braucht man die leichte Hand, über die Besson verfügt, und wenn der  Film auch kein Kunstwerk ist – als Mafia-Parodie geht er durch. Weil keiner der Beteiligten sich über die Figuren lustig macht. Sie sind aber auch nicht verbiestert ernst. Sondern goldrichtig in der Schwebe, Robert De Niro voran, der meist nur die Stirn runzeln kann – aber keiner macht das wie er. Mama Michelle Pfeiffer, von der unvergessenen Mafioso-Braut zur souverän-liebenswürdigen Mafioso-Familienmutter gereift, die das „f“-Wort nicht hören will, zerbricht sich aber auch nicht den Kopf, wenn sie aus Ärger den Supermarkt abfackelt, die Kerle haben’s verdient. Tommy Lee Jones als FBI-Agent sieht mindestens so grimmig drein wie De Niro – das verdoppelte Vergnügen. Um Dianna Agron und John D’Leo als Tochter und Sohn der Blakes muss man sich keine Sorgen machen: Das ist eine voll ausgebildete nächste Generation…

Es ist eine Komödie, also darf man verraten, dass die Manzonis ihre Angreifer ausschalten, mit leichter Hand geradezu. Ärgerlich sind alle nur, dass sie schon wieder umziehen müssen. Eine Fortsetzung ist zwar nicht zu befürchten, aber als Komödie darüber, dass Leute, die ihre Probleme von selbst mit Gewalt regeln, logische Anpassungsschwierigkeiten in der normalen Welt  haben – ja, in dieser Hinsicht ist der Film sehr gelungen.

Renate Wagner

 

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