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MADAME MALLORY UND DER DUFT VON CURRY

18.08.2014 | FILM/TV

 

FilmPlakat  Madame Mallory~1

Ab 21. August 2014 in den österreichischen Kinos
MADAME MALLORY UND DER DUFT VON CURRY
The Hundred-Foot Journey  /  USA  /   2014
Regie: Lasse Hallström
Mit: Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon u.a.

Madame Mallory ist die Titelheldin dieses Films des schwedischen Regisseurs Lasse Hallström (der die Welt des Kinos mit so unterschiedlichen Produkten bedenkt – von süßlichem Kitsch bis zu harten Krimis und recht gern mit Filmen über das Essen). Aber die französische Grande Dame der Gourmetwelt, perfekt gespielt von einer Britin, ist nicht wirklich die Hauptfigur der Geschichte, die in Bombay beginnt, um in einem kleinen französischen Dorf zu landen.

Man lernt zuerst die stolze Familie Kadam in ihrer indischen Heimat kennen, die mehrere Restaurants führt, mit der Mama als Meisterköchin und dem zweiten Sohn Hassan als dem sozusagen „geborenen“ Koch, der schon als kleiner Junge alles über den Zauber der Gewürze und die Geheimnisse der Speisen weiß…

Dann stirbt bei einem gewalttätigen Überfall die Mutter, das Restaurant geht in Flammen auf, und Papa Kadam (der absolut hinreißende Om Puri) schnappt seine fünf Kinder und geht nach Europa. Zwei erwachsene Söhne, eine erwachsene Tochter, zwei Kinder, Bub und Mädchen. Eine Imbissbude in Heathrow ist nicht das, was sie vom Leben erwarten. Also zockeln sie in einem klapprigen Bus weiter, eigentlich ziellos durch Europa…

Mirren in Küche x

Die Geschichte basiert auf dem Roman „Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef“ des Amerikaners Richard C. Morais (der auch am Drehbuch mitschrieb) und strapaziert Zufall und Glaubwürdigkeit bis zum Zerreißen. Aber sobald Hassan, der Koch (Manish Dayal) die Zügel der Geschichte in die Hand nimmt und Helen Mirren als Madame Mallory, Hohepriesterin der edlen französischen Küche, mit dem titelgebenden „Curry“ konfrontiert, wird man einfach vom Zauber dieser Persönlichkeiten eingelullt.

Es gibt viele Handlungselemente, denen Lasse Hallström nachgeht, nicht zuletzt dem Kochen als Kunst und Lust, womit er dem Kinobesucher mehr als einmal das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Aber wenn die Inder in dem kleinen Städtchen Saint-Antonin-Noble-Val in der Provence direkt gegenüber dem eleganten Restaurant „Le Saule Pleureur“ (Madame Mallory hat immerhin einen Stern im Michelin und ein treues Nobelpublikum!) ihren nicht unkitschigen, typisch indischen „Bombay Palace“ aufmachen, dann gibt es eiserne Konkurrenz, und Helen Mirren zeigt, dass sie nicht nur ihr Küchenpersonal mit gnadenloser Kompetenz auf Trab hält, sondern auch als Feindin  ganz schön unangenehm sein kann… Glücklicherweise bleibt ihr Papa Kardam nichts schuldig, also ist alles eher wunderbar lustig als realistisch.

Und so wird über kurz oder lang der Weg zu jener Kitsch-Schiene gelegt, der Regisseur Lasse Hallström so gerne verfällt. Als Fanatiker die Ausländer rassistisch attackieren und sie wegekeln wollen, zeigt sich Madame schnell als edle Französin, die nicht nur die versöhnende Hand reicht, sondern sich auch Edelkoch Hassan schnappt… sie will schließlich so verzweifelt wie jedes Restaurant, das auf sich hält, ihren zweiten Michelin-Stern.

Die Romanze zwischen Madame und dem indischen Papa ist nur möglich, weil diese Schauspieler sie erspielen, und auch die Geschichte von Hassan mit Jungköchin Marguerite (die wirklich zauberhafte Charlotte Le Bon) rutscht auf rosa Zuckerschmalz dem Happyend zu, Völkerversöhnung mit Gourmet-Genüssen und lauter edlen Regungen, sei’s drum…

Schließlich gibt es kurz vor dem Ende noch eine Parodie auf die überkandidelte Molekular-Küche (die es wohl sein soll?), die einen Koch wie Hassan im Pariser Nobelrestaurant auf Abwegen zeigt, bis ihn der vertraute Geruch eines wunderbaren indischen Essens auf den rechten Weg zurückführt – der in diesem Film für den Inder in Richtung Provence weist…

Es ist eine durch und durch vorhersehbare, weichgespülte Geschichte, veredelt in höchstem Maße durch ihre Interpreten. Aber wo käme das Kino schließlich hin, wenn es keine Feel-Good-Movies mehr geben dürfte?

Renate Wagner    

 

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