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MADAME EMPFIEHLT SICH

12.02.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Madame empfiehlt sich x

Ab 14. Februar 2014 in den österreichischen Kinos
MADAME EMPFIEHLT SICH
Elle s’en va  /  Frankreich  /  2013
Drehbuch und Regie: Emmanuelle Bercot
Mit: Catherine Deneuve, Nemo Schiffman, Gérard Garouste u.a.

Die Franzosen wissen schon, welch ein „Schmuckstück“ sie an ihrer Catherine Deneuve haben, die nur sanft zu altern scheint und als Persönlichkeit unter ihren unverändert blonden langen Haaren nach wie vor vibriert. So dreht man einen Film nach dem anderen mit ihr, eigentlich für sie, und von der Persönlichkeit her ist die Aufgabe, die ihr Regisseurin und Drehbuchautorin Emmanuelle Bercot hier stellt, durchaus interessant.

Die Deneuve  spielt Bettie, eine Frau um 60 (auch das glaubt man ihr, ungeachtet dessen, dass sie gerade 70 wurde), die zwar selbst schon Großmutter ist, aber noch unter der Fuchtel der eigenen Mutter leidet. Von ihrer Tochter Muriel (Camille Dalmais) hingegen, die ihr mit größter Feindseligkeit begegnet, ist sie entfremdet, ihr Liebhaber heiratet eine andere und das kleine Restaurant, das sie in irgendeinem kleinen Ort in der Bretagne führt, rechnet sich einfach nicht, nimmt sie aber rund um die Uhr anstrengend und nur Sorgen verursachend in Anspruch.

Kurz, man versteht nach solcher Exposition, dass diese Bettie plötzlich und unvermutet ihre Küche verlässt, in ihr Auto steigt und losfährt. Die Zigaretten, die sie kaufen, findet sie nicht so schnell (sie ist da offenbar doch sehr „am Lande“). Heim will sie auch nicht. Dass dieser Ausbruch vom Drehbuch her peinliche dramaturgische Lücken aufweist (sie nimmt nichts mit, also muss Handtasche samt Geld und Kreditkarten im Auto gelegen sein!), akzeptiert  man gutmütig, weil dieser Film, der fälschlich als „Road Movie“ bezeichnet wird, dann doch sehr schön einige Themen anpackt.

madame-empfiehlt-sich-Oma und Enkel x

Vor allem, dass sie plötzlich – die Tochter muss zu einem Seminar, sie hat niemanden, den sie sonst fragen kann, also muss die ungeliebte Mutter her – ihren Enkel zu seinem Großvater väterlicherseits bringen soll. Und dieser Enkel Charly (Nemo Schiffman) wird in vielen Stunden im Auto zu einer echten Herausforderung, an der sich Beziehungen abarbeiten lassen. Der Generationenvertrag der Frauen funktioniert nicht, weder die zu enge Bindung zur Mutter noch die zu lockere zur Tochter, die nichts anderes kann als herumzuschreien und alle Welt (vor allem also die Mutter) für ihr eigenes verunglücktes Leben verantwortlich zu machen… Über eine Generation hinweg können sich – nach allerlei Frust – aber Oma und Enkel dann doch nicht nur verstehen, sondern auch mögen. Das sind Situationen, die man erkennt.

Freilich, Emmanuelle Bercot gibt es nach und nach immer billiger. Bettie, einstige Schönheitskönigin, macht dann noch den Umweg zum Treffen der „Ehemaligen“ (die einstigen „schönsten“ jungen Mädchen, gut 40 Jahre danach – da könnte entschieden mehr an Erkenntnissen rausspringen), und an sich würde man sich von europäischen Filmen, auch wenn sie als sanfte Komödien angelegt sind wie dieser, doch ein bisschen realistischeren Umriß wünschen. Denn dass sich am Ende Betties Probleme auf einmal lösen, weil der ihr bisher unbekannte Großvater ihres Enkels (Gérard Garouste) trotz Ruppigkeit genau der richtige Mann für sie ist (und ein Haus und genügend  Geld hat er wohl auch) … solche Billigkeiten erwartet man eher von Hollywood.

Dennoch: Es ist ein Deneuve-Film. Und wann immer sich Madame entschließt, auf der Kinoleinwand zu erscheinen, will man nichts wie hin und sie sehen.

Renate Wagner 

 

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