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LOVELY LOUISE

26.05.2014 | FILM/TV

 FilmPlakat Lovly Louise~1

Ab 29. Mai 2014 in den österreichischen Kinos
LOVELY LOUISE
Regie: Bettina Oberli
Mit: Stefan Kurt, Annemarie Düringer, Nina Proll, Stanley Townsend u.a.

Die Schweizer Regisseurin und Drehbuchautorin Bettina Oberli wirft ein liebevolles Auge auf ältere Leute. Das tat sie schon 2006 in ihrem Film „Die Herbstzeitlosen“, wo auch Annemarie Düringer, die große Burgschauspielerin, mitwirkte. Die Düringer, die nächstes Jahr 90 (!) wird, stellt sich hier noch einmal vor die Kamera – in ihrer ganzen Fragilität des hohen Alters. Und dennoch versprüht sie nicht nur Zauber, sondern vermag auch hundertprozentig zu erfüllen, was sie spielen soll – eine gescheiterte Schauspielerin, die mit der Lebenslüge hausiert (vor sich und anderen), dass sie auf eine große Hollywoodkarriere verzichtet habe, um statt dessen bei ihrem Sohn zu sein…

(Dazu ist übrigens zu sagen, dass die  Düringer durchaus zu jenen europäischen Schauspielerinnen zählte, auf die Hollywood kurz ein Auge warf – aber die großen Karrieren „drüben“ machten die Schwedinnen und eigentlich nur, mit Einschränkungen, die Deutsche Maria Schell.)

Aber das ist nicht das Thema. Schade ist, dass Bettina Oberli um dieses Schicksal der alten Frau ein Drehbuch gestrickt hat, das dermaßen auf der Hand liegt und alle Klischees bedient, dass eigentlich keinerlei Überraschungen möglich sind: Das wurde am Reißbrett entworfen, ohne weitere Ecken und Kanten.

Da ist also der Sohn jener Louise, der nun auch schon fünfzigjährige André, der meint, sein Leben der alten Frau opfern zu müssen, schließlich hat sie ja ihre Karriere für ihn gegeben. Er ist Taxichauffeur, da kann er Mama überall hinbringen, in die Konditorei und zum Altenschwimmen, er bastelt in seiner Garage Modellflugzeuge, die er dann am Sportplatz mit Freunden fliegen lässt. Und mit der Verkäuferin der Wurstbude will es nicht so recht klappen, weil sie ihn zwar mag, aber zu klug ist, sich wirklich auf ein Muttersöhnchen einzulassen…

Übrigens: Der Film läuft mit Untertiteln. Gesprochen wird Schwyzerdütsch, die Düringer kann es, sie ist so „echt“ wie Stefan Kurt (von dem man die Schweizer Herkunft nicht wusste, schließlich spielt er tadelsfrei Hochdeutsch in deutschen Filmen), nur Nina Proll an der Würstelbude lässt sich nicht darauf ein. Ihr gegenüber schleift sich auch die Sprache der anderen auf Verständlichkeit ein… und sie bringt jene Mischung aus unverhohlenem Sex und weiblichem Menschenverstand, womit sie schon so oft reüssiert hat.

Wenn Bettina Oberli nun einen weiteren „Sohn“ von Louise auftauchen lässt, den sie angeblich in Hollywood zurückgelassen hat, so ist der scheinbar ein jovialer Amerikaner (der persönlichkeitsstarke, entsprechend undurchsichtige Stanley Townsend), aber das Drehbuch tut natürlich alles, diesen Bill verdächtig und die Handlung damit ein wenig spannend zu machen. Ist das ein Betrüger, der Louise ihr Geld wegschnappen will? Der André aus dem Herzen der Mutter verdrängt? Nun, man soll Pointen nicht verraten, aber um Geld geht es auch, um einen Ausflug nach Spanien und einen akribisch ausgekosteten Autounfall auf einer Klippe, wo der Wagen gewaltig in die Tiefe schwankt…

Um Befreiung geht es schließlich, um die Konfrontation mit der Wahrheit, um einige Sentimentalitäten, welches „Loch“ im Leben jener existiert, die einen Elternteil vermissen… kurz, alles wie aus dem Handbuch für Dramaturgen. Und das ist schade. Denn der Film ist von dem Darstellerquartett so gut gespielt, dass man ihnen gegönnt hätte, dass es in ihren Leben etwas interessanter zugeht.

Renate Wagner

 

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