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LONE SURVIVOR

19.03.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Lone Survivor

Ab 20. März 2014 in den österreichischen Kinos
LONE SURVIVOR
USA  /  2013
Regie: Peter Berg
Mit: Mark Wahlberg, Emile Hirsch, Taylor Kitsch, Ben Foster, Eric Bana u.a.

Früher hatte man es in Hollywood leicht. Man steckte die attraktivsten männlichen Stars in Uniform und drehte großteils tremoliernd-heroische Kriegsfilme (Ausnahmen ausgenommen). Mit dem Zweiten Weltkrieg war das besonders einfach, da wusste man, wo die Guten und wo die Bösen waren und wie die Dramaturgie funktionierte. Auch Korea war noch nicht problematisch, Vietnam schon eher, aber auch da stand John Wayne fest seinen Mann (und die kritischen Blicke kamen erst später). Mit Irak und Afghanistan hat jedoch die Kriegsmacht USA ihre naive „Unschuld“ verloren (wenngleich George W. Bush sie blauäugig vertrat), und auch Filmemacher sind heute nicht nur patriotische Apologeten, bei denen die eigenen Leute nichts falsch machen können.

Ein Film wie „Lone Survivor“ atmet nun nicht nur geradezu schreckliche Authentizität – er erzählt eigentlich Dinge, die man nicht weiß und auch nicht wirklich wissen will. Regisseur Peter Berg hat das Buch von Marcus Luttrell verfilmt, der dann auch bei den Dreharbeiten als Berater zur Verfügung stand. Luttrell war genau das, was der Titel sagt – der einzige Überlebende einer Mission, die als „Operation Red Wings“ gewissermaßen ruhmlos-tragisch in die Geschichte der Afghanistan-Auseinandersetzungen einging.

Dabei war es als Heldenstory und schnelle Aktion gedacht: Vier ausgewählte Mitglieder des „SEAL Team 10“ wurde am 28. Juni 2005 mit der Mission ausgeschickt, den Taliban-Führer Ahmad Shah zu töten. Optimal ausgebildete Männer, für die dergleichen ein Spaziergang hätte sein müssen. Es war keiner.

Hat man wirklich eine Ahnung, was man diesen Soldaten auferlegt? In feindlichem Gebiet per Hubschrauber abgesetzt, ausgesetzt, sollen sie einen bestimmten Mann finden und eliminieren und dabei möglichst keine Unschuldigen töten und gut wieder heimkommen. Aber sie befinden sich ja nicht im luftleeren Raum. Wir erleben also, wie die vier SEALs Marcus Luttrell (Mark Wahlberg), Matt Axelson (Ben Foster) (diese beiden waren Scharfschützen), Mike Murphy (Taylor Kitsch) und Danny Dietz (Emile Hirsch) versuchen, sich am Einsatzort zurecht zu finden – und natürlich entdeckt werden. Es sind scheinbar ganz normale Menschen, afghanische Bauern, die sie mühelos im Schach halten, aber sind sie es wirklich? Man sieht sich selbst in dieser Situation – würde man Menschen „zur Sicherheit“ töten, weil die Gefahr, dass sie einen bei erster Gelegenheit an die Taliban verraten, natürlich überwältigend groß ist? Es ist eine atemberaubende, elementare Geschichte um Leben und Tod, Töten oder dem Risiko, getötet zu werden… und niemand weiß, ob die Entscheidung, die er trifft, sich als richtig herausstellen wird.

Es war Luttrell, der beschloss, kein Massaker anzurichten – aber die Mission war verloren. Gejagt von den Taliban, die in der drückenden Mehrheit waren, wird der Kriegsfilm nach und nach vordringlich zum Gemetzel, das im Kino seltsamerweise so viele Anhänger hat. Aber so schrecklich brillant das auch gefilmt ist, nie bekommt man das Gefühl, es ginge nur darum. Auch nicht darum, einen zeigefingerschwingenden Anti-Kriegsfilm zu präsentieren. Sondern einfach die Situation, wie sie ist bzw. war darzustellen. Und das gelingt Regisseur Peter Berg „hautnah“, um es einmal so auszudrücken. Erschreckend. Am Ende wurden nicht nur drei Männer des ursprünglich ausgeschickten Quartetts getötet, sondern zahllose weitere, die zur Rettung nachgesandt wurden… Die Sinnlosigkeit dokumentiert sich von selbst.

Wahlberg ist eindeutig der Führer der Gruppe, er spielt ja auch den Überlebenden (der übrigens von einheimischen Afghanen gerettet wurde!), aber die drei Kollegen haben nicht nur einigermaßen bekannte Filmgesichter, sondern auch starke Präsenz, ohne dass jetzt einer von ihnen die große Show abzöge. Sie sind glaubhaft als das, was sie sind – Soldaten, die nur ihre Mission im Kopf haben.

Dokumentarisches zu Beginn und am Ende des Films – zuerst das Training der Seals, das nur die allerhärtesten durchstehen. Und am Ende – das ist dann wieder sehr amerikanisch-sentimental und doch ergreifend zugleich – die Privatfotos der tatsächlichen Männer, die bei dieser Mission ihr Leben verloren. Es ist eben nicht bloß eine tragisch-dramatische Kinogeschichte. Es war Realität.

Renate  Wagner

 

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