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JESUS LIEBT MICH

19.12.2012 | FILM/TV

Ab 21. Dezember 2012 in den österreichischen Kinos
JESUS LIEBT MICH
Deutschland  /  2012 
Drehbuch und Regie: Florian David Fitz
Mit: Jessica Schwarz, Florian David Fitz, Nicholas Ofczarek, Henry Hübchen, Hannelore Elsner u.a.

Vor ein paar Jahren (und kürzlich im Fernsehen) wanderte „Er“ dreifaltig für ein österreichisches Blödlustspiel herum. Jesus in unserer Zeit scheint zu den Lieblingsthemen der Autoren und Filmemacher zu zählen, denn er ist schon wieder da. Diesmal auch noch rechtzeitig zum angekündigten Maya-Weltuntergang, an den kaum jemand glaubt, der aber als ausgezeichnetes Geschäft fungiert. Und wo Untergangsstimmung herrscht, kann man in jedem langhaarigen Jüngling den Mann aus Galiläa vermuten…

Aber in diesem Film von Florian David Fitz soll es ja tatsächlich der echte Jesus sein. Er erscheint erst einmal einem alten Bekannten: Erzengel Gabriel ist wegen einer Frau zum Menschen geworden und fungiert als etwas zernepfter evangelischer Pastor (gar keine Zierde seiner Zunft, um die Wahrheit zu sagen). Und dann wandert eines Tages Jesus bei ihm herein und kündigt für Dienstag die Apokalypse an. Jesus noch einmal!

Aber eigentlich ist es ja die Geschichte von Marie, die unglückselige Heldin, die gleich zu Beginn heiraten soll und es doch nicht tut. Der ihr zugedachte Bräutigam (Muttersöhnchen!) war ja auch wirklich nichts wert. Der seltsame sanfte Jüngling aus Galiläa hingegen gefällt ihr spontan. Man möchte sie warnen, dass nichts daraus werden kann – aber bis dahin spult sich noch ein mattes Filmchen ab.

Wenn überhaupt, dann lebt es von den Typen, und damit ist „Er“ am wenigsten gemeint. Bedenkt man, wie exzellent und vor allem scharf umrissen die Darstellung von Florian David Fitz als Gauß in der „Vermessung der Welt“ war, so ist sein Jeshua-Babyface hier von minderer Überzeugungskraft. Und auch als Drehbuchautor / Regisseur hat er den Roman von David Safier inhaltlich gerade mal wackling umgesetzt.

Sogar Jessica Schwarz, die wirklich eine souveräne Schauspielerin ist und als selbstironische Ich-Erzählerin fungiert, hat einige Schwierigkeiten mit dem psychologisch uneinheitlichen Auf und Ab ihrer Rolle, die darauf hinausläuft, dass man am besten alle Leute liebt – auch lästige Verwandte oder unerwünschte Eindringlinge. Damit sie das auch begreift, darf sie ein Gespräch mit Gottvater persönlich führen (langer Bart, wallendes Gewand, wie halt in Europa üblich), den Michael Gwisdek würdig brabbert. Auf gewisse Fragen (Warum lässt Du das Böse in der Welt zu?) hat er auch keine Antwort.

Die nachdrücklichsten Figuren des Films sind zuerst Satan, dargestellt von Nicholas Ofczarek, der jetzt offenbar mit Georg Friedrich in Konkurrenz tritt, wenn die Deutschen (und die Österreicher) so richtig miese Typen besetzen wollen: Er ist auch so fies, dass man direkt meint, es rieche im Kino nach Schwefel…

Henry Hübchen als Pastor alias Gabriel, verliebt in die unausstehliche Hannelore Elsner als Spät-Hippie-Mama von Marie, gibt mit ihr gemeinsam ein Paar ab, das dem Film nachdrücklich Farbe verleiht. Palina Rojinski ist eine klassische “Svetlana”, üppiger Ostblock, der Gefühle vorspielt und Geld kassiert, und Peter Prager überzeugt als der törichte deutsche Mann, der in diesem Zusammenhang an Liebe glaubt. Wenigstens ein winziges realistisches Einsprengsel in dieser abgehobenen, aber nicht wirklich überzeugenden Komödie.

Renate Wagner

 

 

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