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JACK REACHER

31.12.2012 | FILM/TV

 

Ab 4. Jänner 2013 im Kino
JACK REACHER
USA  /  2012 
Regie: Christopher McQuarrie
Mit: Tom Cruise, Rosamund Pike, Werner Herzog, Robert Duvall, Richard Jenkins u.a.

Man wird sich nicht blamieren, wenn man kein Leser von Lee Child ist, wenngleich dessen Thriller in aller Welt ein Millionenpublikum fanden. Er hat den mysteriösen Helden Jack Reacher geschaffen, und Tom Cruise, zweifellos am absteigenden Ast, aber nicht bereit, schon aufzugeben, ist offenbar mit 50 (kein Alter für einen schönen Mann!) auf der Suche nach einer neuen Figur, die man (wie einst „Mission Impossible“) auf mehrere Filme auslegen kann. Dann hätte er sich als sein eigener Produzent aber mit der Besetzung und dem Regisseur (Christopher McQuarrie liefert Routine ohne besondere Kennzeichen) mehr Mühe geben müssen, vom Drehbuch ganz zu schweigen. Dass der Film schon am Startwochenende in den USA wesentlich weniger einbrachte als erwartet, zeigt ja doch, dass „Cruise“ allein nicht mehr wirklich zieht…

Dass, wie man nachlesen kann, der von Child erdachte Jack Reacher ein stattlicher 1,95 Meter-Mann ist – soll sein. Dafür stellt sich Cruise mit nacktem Oberkörper aus, schöne Muskeln und Waschbrettbauch, und die Blondine des Films darf geradezu schmachten bei diesem Anblick: Es lebe die Albernheit. Vor allem aber versucht Cruise (wie viele andere vor ihm) den „Retter, der aus dem Nichts kommt“ mit jener Unbeweglichkeitsmiene zu gestalten, die einst Alain Delon so genial im „Eiskalten Engel“ kreierte. Aber wenn einer geheimnisvoll-bedeutungsschwer dreinsehen will und nur den Eindruck von Dümmlichkeit erzielt – was dann? Dann wird ein „Action-Film mit Held“ nicht weit kommen.

Zumal hier das Drehbuch ausgesprochen unglückselig ist. Die Geschichte des Mannes, der scheinbar sinnlos fünf Leute auf der Straße erschießt und praktischerweise schnell überführt werden kann – nun zu beweisen, dass er es nicht war, wofür Jack Reacher unvermutet auftaucht wie ein Geist (vieles an dem Drehbuch ist so albern, dass man sich total verschaukelt vorkommt), das entbehrt der Logik, der Stringenz, der Konsequenz.

Jeder Held braucht eine Frau an seiner Seite, aber Superstars sind nicht bereit, sich von irgendjemandem die Show stehlen zu lassen, also muss das Pendant zwar blond, aber leichtgewichtig sein. Diese Anforderung erfüllt die Britin Rosamund Pike, die so herrlich großäugig-töricht dreinsehen kann und dies hier durchgehend einsetzt, obwohl sie doch eigentlich eine kluge Anwältin spielen soll. Ein paar ältere Herren putzen für Fans (wenn auch nicht für das breite Publikum) den Film auf – Robert Duvall als wackerer Recke mit Schießkünsten, Richard Jenkins zwielichtig, verdächtig, der  Böse zu sein…

Aber für diesen hat man sich Werner Herzog (!), ja, den Werner Herzog, eigentlich Meisterregisseur, geholt, und das ist nun eine Peinlichkeit. Schauspieler ist er keiner, dämonisch wirkt er wahrlich nicht (was er sollte), und nur sein dicker Akzent, den er in jeder Sprache pflegt, ist unverkennbar.

Wenn es mit rechten Dingen zugeht, findet dieser „Jack Reacher“ keine Fortsetzung. Aber wer weiß, vielleicht kriechen die alten Tom-Cruise-Fans doch noch aus ihren Löchern und bringen die Einspielergebnisse, die Scientology sich erwartet…

Renate Wagner

 

 

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