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INSIDE LLEWYN DAVIS

02.12.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Inside Llewyn Davis

Ab 6. Dezember 2013 in den österreichischen Kinos
INSIDE LLEWYN DAVIS
USA  /  2013 
Drehbuch und Regie: Joel Coen, Ethan Coen 
Mit: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake, John Goodman, F. Murray Abraham u.a.

Nostalgie, Nostalgie. Die Coen-Brüder, die man in anderen Filmen weit spritziger agieren sah, beschwören die Sechziger Jahre. New York, als es noch nicht so hektisch war. Die Musikszene. Die Folk- und Country-Bewegung, die sich in kleinen Clubs herumg’frettet. Es geht um Llewyn Davis – er ist fiktiv. Und wenn es ihn gegeben hätte, würden wir ihn nicht mehr kennen wie andere (Bob Dylan etwa, der es in dieser Welt dann geschafft hat). Denn die Coens erzählen hier bewusst die Geschichte eines Losers.

Schon wenn dieser Llewyn Davis zur Gitarre greift, wird es langweilig. Der Kerl plaudert mühselig, ohne den geringsten Persönlichkeitsnachdruck, irgendwelche labrige Songs vor sich her (und bildet sich möglicherweise ein, er ist ein Künstler). Kein Wunder, dass es im Club nur abgeht, wenn seine Freunde Jim & Jean loslegen, obwohl sie auch kein Preis ist: Carey Mulligan glaubt man weniger die Sängerin als die ewig schlecht gelaunte Funze, die Llewyn einredet, das Kind, das sie erwarte, sei von ihm und er habe die Abtreibung zu bezahlen (obwohl er im Lauf der Handlung erfährt, dass jeder mit ihr geschlafen hat). Justin Timberlake hingegen kann es. Er hat zwar nur eine kleine Rolle, aber wenn er singt, dann erlebt man einen Profi, der das Publikum fesseln kann…

Der Film dauert die normalen eindreiviertel Stunden, aber es wirkt endlos, sich mit Llewyn „on the Road“ durch sein erfolgloses Leben zu begeben. Er hat nie Geld, muss also betteln, immer wieder bei jemandem unterschlüpfen zu können. Einmal verliert er die Katze des reichen, aber ganz schön seltsamen Ehepaars, das ihn gelegentlich aufnimmt. Sein Agent bezahlt ihm nichts (wofür denn?), seine Schwester mag ihn nicht sehen. Er schließt sich einem Bekannten an, der als Chauffeur einen alten Jazz-Musiker herumkurvt (John Goodman in einer schräge Studie der Verfallenheit), um nach Chicago zu kommen (viel Trostlosigkeit unterwegs), aber der Agent, den er aufsucht (F. Murray Abraham), schüttelt nur den Kopf. Zurück nach New York, wo ihn wieder nichts erwartet. Ach ja, der Ehemann einer Frau, die er mutwillig beleidigt hat, schlägt ihn in einer stillen Gasse zusammen… Und das war’s dann auch schon.

Natürlich sind Sieger-Geschichten einfacher und befriedigender für alle Beteiligten, und natürlich reizt es Filmemacher wie die Coen-Brüder eine Welt gegen den Strich zu bürsten und sie aus der Sicht der zahllosen Verlierer zu zeigen, die sie bevölkern. Sie tun es mit einem Verständnis für das Milieu, das man ihnen zutraut. Und sie führen einen Darsteller, der es selbst noch nicht zu viel gebracht hat (Oscar Isaac in der Titelrolle) zu einer Studie grenzenloser seelischer Leere. Diesen durch und durch trüben Kerl bewegt offenbar gar nichts…

Und darum ist nicht klar, warum er uns eigentlich interessieren soll. Und auch nicht klar, warum die Kritiker sich vor Begeisterung überschlugen, als der Film in Cannes lief. Denn wenn sie mit Llewyn Davis einen „echten Künstler“ zeigen wollten, der mit seinen Ansprüchen an einer Welt der Trivialitäten gescheitert ist (ach, welch Künstler ging mit mir verloren!) – dann, sorry, das ist nicht gelungen.

Renate Wagner

 

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