INFOS DES TAGES (SONNTAG, 4. JULI 2026)
Wiener Staatsoper: Sommerpause

Liebes Publikum!
Wir verabschieden uns nach der gestrigen letzten Vorstellung der Saison 2025/26 in die Theaterferien & schließen im Juli & August unsere Pforten (Führungen werden durchgehend angeboten).
Allen, die auch im Sommer nicht auf Oper verzichten möchten, empfehlen wir einen Besuch beim Film Festival am Rathausplatz beim »Opern-Sonntag«. Hier finden Sie Details zum Programm: www.filmfestival-rathausplatz.at
Auf unserer Website finden Sie die Sommeröffnungszeiten der Bundestheaterkassen sowie des Bestell- & Abo-Büros: www.wiener-staatsoper.at/oeffnungszeiten/
Wir wünschen allen einen schönen Sommer 🌞 & freuen uns darauf, Sie bald wieder begrüßen zu dürfen! ✨ Im Haus am Ring starten wir am 4. September mit »Don Carlo« in eine spannende Saison 2026/27.
Liebe Grüße
Ihr Team der Wiener Staatsoper
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4.7.2026: BURGHOF KLAGENFURT – REZITAL ELENA STIKHINA

Elena Stikhina. © Anastasia Cherkaschina
Es ist für das musikbegeisterte Publikum in der sogenannten „Provinz“ immer eine besondere Freude, wenn sich veritable Stars der großen internationalen Bühnen live präsentieren, wie in der zurückliegenden Saison des Klagenfurter Stadttheaters zuerst Juan Diego Florez und zuletzt Elina Garanca – und nun im Rahmen der Reihe „Klassik in Klagenfurt“ (samstags um 11.00 Uhr) die russische Sopranistin Elena Stikhina, eine der am meisten beschäftigten Künstlerinnen ihres Fachs, wie etwa ein Blick in die kommende Saison der Wiener Staatsoper zeigt, wo sie als Elisabetta (Don Carlo), als Lisa (Neuproduktion Pique Dame) und als Puccinis Manon angekündigt ist.
In Klagenfurt hatte sie sich freilich keine Arien, sondern ein anspruchsvolles Programm aus Liedern von Richard Strauss (op. 10 und op. 27) und – nach der Pause – von Pjotr Iljotsch Tschaikowski sowie von Sergej Rachmaninow vorgenommen. Wobei sich natürlich immer die schwierige Frage stellt, ob dezidierte Opernsänger im Liedfach reüssieren können (der positiven Beispiele gibt es nicht allzu viele): am ehesten wohl ohnehin bei Strauss, dessen Lieder auch in der schlankeren Klavierfassung besser in einer an Opern gewöhnten Kehle liegen als etwa Schubert, Brahms oder Wolf.
Dass der sprichwörtliche Funke dennoch nicht so recht überspringen mochte, mag unter anderem daran gelegen haben, dass die Acht Lieder op. 10 für einen sonnigen Samstag-Vormittag doch recht melancholische, ja „herbstliche“ Töne anschlagen (man denke nur z.B. an „Geduld“, „Die Zeitlose“ oder überhaupt „Allerseelen“). Zudem war die Sängerin vor der Pause hörbar damit beschäftigt und darauf bedacht, dass ihr die vokalen „Pferde“ nicht durchgehen, blieb im musikalischen Ausdruck sowie in der Mimik verhalten, war textlich kaum verständlich und insgesamt über weite Strecken auf das Tablet vor sich angewiesen. Die für die Ehefrau des Komponisten zur Hochzeit geschaffenen Vier Lieder op. 4 mit ihrer tendenziell dramatischeren Anlage fielen ihr leichter, wenngleich man sich gerade deshalb von der Operndiva durchaus mehr Fülle im Vortrag erwartet hätte und auch hier den Stücken inhaltlich nur folgen konnte, wenn man die Kenntnis der Texte bereits mitbrachte. Überhaupt wollte die Tatsache, dass nur eine – im Detail nicht einmal vollständige – Aufstellung des Programmablaufs auflag, aber keine Texte zu den Liedern erhältlich waren (noch dazu, wo die zweite Hälfte des Konzerts aus russischen Stücken bestand), nicht recht einleuchten, war damit ein inhaltliches Miterleben der Stücke für den Großteil des Publikums de facto unmöglich.
Als es im zweiten Teil an Werke des russischen Repertoires ging, mit Tschaikowskis „Weshalb?“, „So schnell vergessen“, „O Kind“, „Es war im frühen Frühling“, „Sag mir, wovon im Schatten der Zweige“, „Ob der Tag herrscht“, war es freilich unüberhörbar, dass die aus Lesnoi stammende Sängerin nun sozusagen heimatliches Terrain betrat. Mit stimmiger Körpersprache – teilweise in leidenschaftlichem Gestus, teilweise locker ans Klavier gelehnt, mit anscheinend (der Rezensent beherrscht die russische Sprache nicht, nahm aber deutlicher artikulierte Konsonanten wahr) wesentlich besserer Artikulation und vor allem mit farbenreich strömendem Gesang trug sie die Lieder ihres Landsmannes nicht einfach vor, sondern (er-) lebte sie. In der Arie der Francesca aus Rachmaninows „Francesca da Rimini“ – und ein Stück weit auch in den hoch emotionalen „Frühlingsfluten“ desselben Komponisten – konnte Stikhina schließlich noch ihre opernhafte Seite zeigen und nutzte diese Gelegenheit auch, eine gewisse Tendenz zu einer metallischen Grundierung ihrer Höhe inklusive.
Am Ende standen viele Blumen und eine (sehr) kurze Zugabe, die der nicht vor der bereits herrschenden Mittagshitze flüchtende Teil des Publikums sich noch erklatschte. Wie überhaupt bei dieser Veranstaltungsreihe im 17. Jahr ihres Bestehens die Hitze zu einem zunehmenden Thema wird (das erste Konzert musste kurzfristig gar in die nahe Domkirche verlegt werden). Denn wenn auch große Schirme flächendeckend für Abschattung (nicht unbedingt für Abkühlung) sorgen, so verdecken diese den Blick auf den eleganten Arkadenhof aus dem späten 16. Jahrhundert, dessentwegen vermutlich seinerzeit die sogenannte Klagenfurter Burg, das ehemalige protestantische Collegium Sapientiae et Pietatis, als Austragungsort gewählt wurde – vor allem scheinen sie akustisch nicht unproblematisch.
Damit musste sich auch Alexandra Goloubitskaia, die engagierte und durch zahlreiche überaus anspruchsvolle Vor-, Zwischen- und Nachspiele reichlich geforderte Begleiterin des Recitals am Klavier, auseinandersetzen, zumal gerade die feineren Nuancen ihres Spiels sich im Raum nur bedingt entfalten konnten. Ihr Intermezzo während der beiden Strauss-Blöcke im ersten Teil, die Klavier-Transkription des finalen Trios aus der Oper „Rosenkavalier“, wurde als technisches Bravourstück kräftig akklamiert, wenn es auch als „Werk“ eher in die Abteilung „Kuriositäten“ einzureihen ist (vor allem im Hinblick auf den mit den zwei Händen eines Menschen quasi uneinlösbaren Anspruch der halbwegs adäquaten Wiedergabe einer der musikalisch reichhaltigsten Szenen der Opernliteratur). Im Übrigen zeigte die Pianistin gemeinsam mit ihrer „Umblätterin“ sehr gute Nerven angesichts einiger übermütiger Windböen, die ihnen zur Unzeit in die Noten fuhren, und angesichts des anscheinend unausrottbaren Handy-Geklingels, unter anderem während des Klavier-Solos zu „Morgen“ (!).
Valentino Hribernig-Körber
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Stuttgarter Ballett: „MAYERLING“ 2.7.2026 (Wiederaufnahme) – mit Auszeichnung für Jürgen Rose

Waghalsige Konfrontation: Friedemann Vogel (Rudolf) und Diana Ionescu (Stephanie) im 1.Akt. Copyright: Stuttgarter Ballett
Vor noch nicht einmal zwei Monaten wurde Marcia Haydée anläßlich der x-ten Wiederaufnahme ihres „Dornröschens“ mit dem Petipa Award ausgezeichnet; jetzt anlässlich der Neueinstudierung von Sir Kenneth MacMillans Historienballett um die Tragödie des österreichischen Kronprinzen Rudolf ging der gleiche Preis zum ersten Mal an einen Bühnen- und Kostümbildner, an Jürgen Rose. Am Ende dieser Vorstellung erhielt der 89Jährige diese Ehrung für seine legendären Arbeiten als Ausstatter vieler Ballette seit den Anfängen John Crankos 1961 in Stuttgart, überschüttet mit Jubel von den Zuschauern und den Tänzern auf der Bühne. Den ihm angebotenen Stuhl verweigerte der rüstige Senior und nahm die Laudatio im Stehen entgegen. In gleicher Position richtete er auch seinen Dank an alle, die die Umsetzung seiner Pläne und Entwürfe überhaupt erst ermöglicht haben, an die Aktiven auf der Bühne, die seine Kreationen zum Leben erweckt und nicht zuletzt an das Publikum, das sein Werk inspiriert und begeistert aufgenommen hatten. Allein für seine akribisch genaue und in mehreren Jahren vorbereitete neue Ausstattung von MacMillans 1978 beim Royal Ballet uraufgeführtem Ballett hätte Rose eine Ehrung verdient gehabt. Vor diesem mit soviel Liebe und Begeisterung geschaffenen Kunstwerk müßten alle Vertreter seiner Zunft auf die Knie gehen.
Nicht allein die bewundernswerte Verquickung von historischer Authenzität und erforderlicher tänzerischer Tragbarkeit, auch die dadurch erzielte Förderung einer transparenteren Sichtbarmachung der komplexen Choreographie bilden eine Krönung von Roses Lebenswerk.
Für die nach vier Jahren Pause angesetzte Neueinstudierung kam der ehemalige Erste Solist und Publikumsliebling Robert Tewsley als Abgesandter des MacMillan Trusts zur Leitung der Proben nach über zwanzig Jahren erstmals wieder an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Im Vergleich zur Premiere im Frühjahr 2019, die in der ersten Spielzeit des Intendanten Tamas Detrich den bedeutendsten Repertoire-Zuwachs seiner jüngst verlängerten Amtszeit markierte, sind Korrekturen an von MacMillans intendierter, einem Film gleichender Aktion der Tänzer ebenso sichtbar wie die musikalischen Tempi vor allen in den Szenen-Überleitungen und bei mehr spielerischen Vorgangs-Illustrierungen hörbar beschleunigt. Mit dem Ergebnis, dass die Vorstellung eine Viertelstunde früher beendet ist als zuvor. Das darf durchaus als Frischzellenkur bewertet werden, zumal sich Langeweile zu keinem Zeitpunkt einstellte. Guillermo Garcia Calvo, der bereits Folge-Aufführungen der Wiener Premiere 2008 mit Tewsley als Rudolf geleitet hatte, ließ mit dem animiert zupackenden Staatsorchester Stuttgart das dramaturgisch geschickte Konglomerat aus symphonischen Dichtungen und instrumentierten Klavier-Kompositionen von Franz Liszt in aller Farbigkeit und spannenden Verdichtung aus leitmotivartigen Melodien zum ebenbürtigen Partner der Choreographie werden.

Friedemann Vogel (Rudolf) und Elisa Badenes (Mary) in entflammter Todessehnsucht. Copyright: Stuttgarter Ballett
Wie schon bei der Premiere vor sieben Jahren lag das zentrale Gewicht dieser Wiederaufnahme auf Friedemann Vogel als Rudolf. Angesichts seines Alters, in dem die allermeisten Tänzer bereits ihre Bühnenkarriere beendet haben, und der im Grund übermenschlichen Anforderungen dieser Rolle aus technisch/körperlicher Herausforderung und psychischer Intensität kann seine unvermindert gute konditionelle Verfassung und seine bis ins Mark der historischen Figur treffende Anverwandlung nur bewundert werden. Das Schicksal des Kronprinzen aus rücksichtsloser Erziehung, Entfremdung von der Mutter Sisi, erzwungener Heirat, moralischer Verlogenheit beider Elternteile, Bespitzelung durch die Politik und Unterdrückung eigener Interessen entwickelt er mit einer bestechenden Eindringlichkeit und fast beängstigenden Identifikation bis zum vom Drogenkonsum intensivierten Verfall und schließlich gemeinsamen Selbstmord mit Mary Vetsera. Schonungslos legt die vollendet erweiterte neoklassische Choreographie seine Befindlichkeiten offen und lässt in bis zum Rausch führenden, teils heftigen Pas de deux-Verschlingungen die Emotionen der Beteiligten aufeinander prallen. Dabei bewahrt Vogel durchgehend eine Grundhaltung der Noblesse seines Standes und zeigt in den Auseinandersetzungen mit gleich sechs Damen eine enorme Flexibilität und Wandlungsfähigkeit vom gelangweilten Hof-Etiketten-Befolger bis zum leidenschaftlich Liebenden. Am Ende stellt sich da wirklich die Frage: „Wie weit darf ein Künstler in eine andere Rolle hineinschlüpfen ohne sich selbst zu zerstören?“.
Die wichtigste Frau an seiner Seite wird die minderjährige Baronesse Mary Vetsera, der Elisa Badenes wieder glaubhaft flammende Begehrlichkeit und romantisierte Todessehnsucht einverleibt, sich mit Leichtigkeit und Risikofreude Rudolf hingibt und sich in teils halsbrecherischer Weise um seinen Körper wickelt.
Spürbar knistert es immer noch zwischen ihm und der einst geliebten Cousine Gräfin Larisch in der starken, auf leise Art die Intrigantin durchscheinen lassenden Gestaltung durch die auch hier ihre Wärme und und ihren damenhaften Charme spielen lassenden Rocio Aleman.

Sisis Amouren: Miriam Kacerova mit Roman Novitzky als Colonel „Bay“ Middleton. Copyright: Stuttgarter Ballett
Von der Premiere dabei ist auch Miriam Kacerova, die Sisi eine in sich ruhende Persönlichkeit mit kühler Noblesse gegenüber ihrem Sohn gibt, aber im Pas de deux mit ihrem Geliebten Colonel „Bay“Middleton (Roman Novitzky mit humoriger Note) auch ihre Gefühle offenbart.
Im fast kriminell ausartenden Hochzeitsnacht-Pas de deux besticht Diana Ionescu als einerseits zart besaitete, aber auch um Mut und Stärke kämpfende Prinzessin Stephanie. Beim Hochzeitsball hat Rudolf noch mit ihrer Schwester Louise geflirtet, als die Abigail Willson-Heisel auf sicherer Spitze ein Wechselbad aus irritierender und berührter Reaktion veranschaulicht.
Die Halbweltdame Mizzi Kaspar, mit der Rudolf eine vertrauensvolle Beziehung führt, ist in der neuen Besetzung mit Solistin Mizuki Amemiya eine feine, durchaus verführerische Variante, auf die auch die vier ungarischen Offiziere, die Rudolf versuchen für politische Zwecke zu gewinnen,, ein Auge geworfen haben. Henrik Erikson, Martino Semenzato, Fabio Adorisio und Satchel Tanner unterstreichen ihre Bestrebungen mit ausgewogen starker Sprung-Präsenz und Charakter-Profil.
Adhonay Soares sorgt als Rudolf unterhaltender Leibfiaker Bratfisch mit Lockerheit und weich wendiger Beinarbeit für Aufheiterung. Clemens Fröhlich tritt als nunmehriger Charakterdarsteller in große Fußstapfen und besteht seinen Einstand als Kaiser Franz Joseph mit tadelloser Haltung zwischen Strenge und Gemüt.
Alle weiteren Beteiligten in kleineren Rollen (Sonja Santiago als Marys Mutter, Edoardo Sartori als Kammerdiener Loschek, Angelika Bulfinsky als Erzherzogin Sophie, Rolando D’Alesio als Ministerpräsident, Maria Theresa Ullrich als des Kaisers Geliebte Katharina Schratt, Daniele Silingardi als Graf Hoyos, Irene Yang und Fernanda Lopes als Stephanies Schwestern sowie das Corps de ballet in diversen Rollen als Ball-Gäste, Kammermädchen, Diener und Dirnen trugen zur Geschlossenheit dieser Aufführung bei, die in ihrer Dichte einen der herausragenden Abende des Stuttgarter Balletts ermöglichte und intensiviert durch Jürgen Roses Ehrung in ausgelassener Feierlaune zu komplett stehenden Ovationen endete.
Udo Klebes
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Burg Rothenfels Oberwölz/Schweiz
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Wiener Opernsommer (Heumarkt)

Ja, es sind Sommerproduktionen, die nun schon zum dritten Mal im sonst opern- und konzertlosen Juli in Wien stattfinden, aber es sind Produktionen, die im Niveau nicht zu unterschätzen sind – im Vorjahr konnte man zum Beispiel Liparit Avetitsian als Alfredo erleben, heuer ist es vor allem Isabel Leonard in der Titelrolle, die uns die Zeit zwischen Hasan und Grigorian überbrücken lässt. Aber der Reihe nach.
Joji Hattori als Intendant, Dirigent (und Gastronom, aber anders als Herr Holender meint, schickt es sich nicht, ihn auf das schicke Shiki zu reduzieren) ist der unermüdliche Motor dieses Opernsommers und zeigt nach Giovanni und Traviata in diesem Jahr die Carmen. Dass es in Wien nicht ausreichend Carmen-Produktionen gäbe, lässt sich zwar schwerlich behaupten, aber so ein Sommerfestival braucht schon seine Zugpferde. Mit dem ihm bestens vertrauten Wiener Kammerorchester packt Hattori die Partitur beherzt an, kann teils auch sehr schöne Instrumentalsoli bieten (insbesondere Fagott, Englischhorn und auch die Cellogruppe, weniger die Flöte) und fächert Bizets Schönheiten fein auf, was Anlass gibt, auch die Verstärkertechnik des Festivals zu loben (was gerade im Vergleich mit dem Praterpicknick der Wiener Symphoniker auffällt, wo zwei Riesenlautsprecher am Vortag [und zeitgleich] einen dröhnenden Einheitsbrei auf das Publikum warfen). Orchestral also gut und weit weg von Peinlichkeit.
Die Regie bietet erst recht Sommertheater, nutzt geschickt den Heumarkt für Aufmärsche, spart nicht an Ballett, führt die Personen fantasievoll und ist insgesamt so traditionell, dass man Dominik Am Zehnhoff-Söns auch für seinen Mut gratulieren muss, es so zu machen, „wie es gehört“. Zumindest als Sommertheater passt dies gut und kann neues und touristisches Publikum unverschreckt und nicht mehr ganz junge Opernstammgeher mit sanften Pflastern auf riegiegeplagten Wunden in die Spielplanpause entlassen. Bühnenbild und Projektionen von Manfred Waba, dem Großmeister der Freiluftopernproduktionen samt sehr traditionellen Kostümen fügen sich beeindruckend ein, besonders wenn sich die Seitenfassade des Konzerthauses im dritten Akt zur wilden andalusischen Berglandschaft wandelt. Eine wirkliche Konzession an das Segment, das nicht Stammpublikum ist, sind nur die – nicht überkandidelten, teils durchaus informativen – Kommentare eines als Bizet verkleideten Darstellers. Im Vorjahr hatte sich Karls Markovics Rauschebart in jenen Verdis verwandelt, diesmal klebt ein Schwarzbart an Hosea Ratschiller, nicht eben ganz das gleiche Kaliber, der sich der Aufgabe aber immerhin unpeinlich entledigt. Der Chorpart liegt dem Philharmonia Chor Wien gut, auch wenn da zum Volks- und zum Staatsopernchor doch vor allem in den Frauenstimmen eine größere Lücke klafft. Der Kinderchor ist herzig – was denn auch sonst.
Oreste Cosimo (Don José9. Foto. Facebook
Bleiben die Darsteller, allen voran Isabel Leonard. Da sie einen eher hellen, lyrischen Mezzo hat, muss sie sich die Carmen doch mehr erkämpfen als es einer Starbesetzung ansteht. Auch darstellerisch findet sie – offenbar um eine besonders entspannte Darstellung bemüht – noch nicht den Weg zu einer wirklich faszinierenden Titelheldin. Deutlich mehr Engagement bring Oreste Cosimo als Don José ein, der sich so richtig in die Rolle wirft und zur heldischeren Fraktion gehört. Manches klingt da mehr nach Radamès oder Otello, beeindruckt aber durch viel Kraft und intensives Spiel.
Bei den Gegenspielern setzt Daniel Gutmann einen sehr gesunden Bariton ein, auch wenn Escamillo eleganter daherkommen könnte, kommt er mit der Rolle hervorragend klar. Micaela sollte laut Programmheft Nathalie Pena-Comas sein, sah aber aus wie die Alternativbesetzung Gabriela Hrzenjak und überzeugte mit der erforderlichen braven Ausstrahlung und einer feinen Gesangsleistung.
Frasquita war bei Juliette Khalil in süßen Händen und einer der vielseitigsten, wenn auch nicht durchdringendsten Stimmen der Volksoper (Bizet nach nicht nur Lehàr, sondern auch Bonnie Tyler und Céline Dion zu 70 Jahre ESC – schon ein besonderes Phänomen, la pétite Juliette!), Sofiya Almazova ergänzte das Trio der Romni mit sattem Mezzo. Alexander Dimitrov und Leon Mignonneau zeigten das Niveau des in Österreich aufgewachsenen und ausgebildeten Nachwuchses als Zuniga bzw Moralès und Dancaire, Samuel Robertson steuerte als Remendado sehr anständige Tenortöne bei.
Opernfreunde werden einen Besuch einer Folgevorstellung nicht bedauern, selbst die – allerdings wetterbedingt um einen Tag verschobene Première war nicht eben überbucht.
Insgesamt trug Österreich damit am Heumarkt zu einem Triumpf Spaniens bei (und gleichzeitig in LA, aber das ist eine ganz andere Geschichte).
Robert Fucik
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