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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 31. AUGUST 2025)

30.08.2025 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 31. AUGUST 2025)

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Anna mit Peitsche im Fantasy Land

Meine Lieblingsformulierung über Regietheater stammt von dem deutschen Kritiker Gerhard Stadelmaier, der einmal formuliert hat, „was einem Regisseur halt so durch die Birne rauscht“. Beispiele dafür haben wir mittlerweile zu Hunderten erlebt – da kommt einer Dame oder einem Herren irgendeinen Einfall, und weil niemand fragt: Warum? Was soll’s? Was bringt’s?, denn die Intendanten sind ja genau so vernagelt, dürfen sie machen, was sie wollen.

Nun ist Stefano Poda (den man in Österreich eher in Graz und Klagenfurt kennt) etwas eingefallen: Warum soll „Nabucco“ nicht in der Welt des Kinos spielen? Als Sci-Fi-Oper im Weltraum? Das kann man einem Publikum von heute mühelos verkaufen, jeder geht mal ins Kino und ist in Star Wars oder Star Treck oder andere Abenteuer dieser Art geraten. Optisch zweifellos für ein Publikum von heute. Und wie man bei der Übertragung aus Verona (danke 3sat) sehen konnte, war die Zuschauer in der Arena höchst angetan. Mancher wird vielleicht gedacht haben, er sei in eine Show geraten, wie Madonna sie früher gemacht hat, aber dafür wären die Eintrittspreise womöglich noch höher gewesen…

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Fotos: Fondazione Arena di Verona

Nun ist von „Nabucco“, wenn man sich auf die Handlung kaprizieren wollte, natürlich kein Quentchen übrig geblieben. Aber schließlich gibt es einen Bösewicht-Herrscher und eine noch bösewichtige strenge Herrin mit Peitsche, und das sind Figuren, wie man sie kennt. Freilich, wer ist wer bei dem herumwieselnden Volk, das lässt sich schon schwerer ausmachen.

Aber Ehre, wem Ehre gebührt- Stefano Poda hat sein „Gesamtkunstwerk“ beeindruckt hin bekommen. Der gute Mann ist ja alles in einer Person, hat neben der Regie noch für Ausstattung und Choreographie und auch noch das Lichtdesign  gesorgt und seine eigene Welt kreiert, die dann, wenn man sie annimmt (Motto: Es müssen ja nicht immer die Babylonier und die Juden sein), zumindest optisch völlig überzeugt. Auch dass die Massen einfach choreographisches Bewegungstheater bieten, das sich erstaunlich in die Musik fügt, muss man anerkennen.

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Und die Fantasy-Phantasie des Regisseurs ist auch nicht von schlechten Eltern, zumal er mit Licht- und sonstigen Effekten nicht spart. Und wo wäre das grundsätzlich legitimer als in dieser riesigen Arena, die jeder Opernfreund in sein Herz geschlossen hat?

Es gibt in Verona stets viele Besetzungen der Rollen, aber berühmter als Anna Netrebko war keine der Damen, die die Abigail übernommen haben. Die ist nun neben der Odabella im „Attila“ die halsbrecherischste Rolle, die Verdi je geschaffen hat – und damit genau das, worauf  Anna Netrebko nun, in der derzeitigen hochdramatischen Phase ihrer Karriere, Lust hat. Sie schmettert sich auch bemerkenswert durch die Partie, genießt aber offenbar auch das Kostüm (für das sie vermutlich ein paar Kilo geopfert hat, so eng und elegant sitzt es ihr am Körper), die Peitsche, die sie schwingt, die Fiesheit, die sie verkörpert. Eine Diva, die den Rahmen, in dem sie sich bewegt, offenbar rechtfertig. Die Domina von einem anderen Stern. Die Musik ist Verdis „Nabucco“. Und sonst gibt es eben ununterbrochen viel zu schauen.

Okey, wenn das, was einem Regisseur durch die Birne  rauscht, am Ende in sich so stimmt – so sei es. Und wer sich fragt, wo Nabucco geblieben ist – der kommt demnächst wieder. Vielleicht. Heutzutage würde man nicht darauf schwören.

Renate  Wagner

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Opernhaus Zürich: Wir sind zurück!

Der Sommer hat Sie hoffentlich wieder einmal mit diesem besonderen Cocktail aus endlosen Tagen, flirrenden Nächten und bittersüsser Nostalgie verwöhnt – und doch fehlte etwas: Das Pulsieren des Hauses am Sechseläutenplatz. Umso schöner, dass wir zurück sind aus der Pause! Und dieser Neustart hat es in sich: mit neuem Auftritt, neuen Formaten, neuen Gesichtern – und mit voller Vorfreude auf die erste Spielzeit von Matthias Schulz am Opernhaus Zürich.

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Wir freuen uns auf unzählige Überraschungen, andere Perspektiven und bewährte Highlights – gemeinsam mit Ihnen.
Auf eine wirklich ganz neue Saison!
Ihr Opernhaus-Team

Eröffnungswochenende
Die neue Spielzeit unter neuer künstlerischer Leitung eröffnet mit einem Wochenende, das man so schnell nicht vergisst: vom 19. bis 21. September. Der Bogen reicht von einem Liederabend mit Elīna Garanča über «24h Opernhaus» – ein grosses Fest, bei dem unser Haus eine ganze Nacht und einen ganzen Tag lang seine Türen öffnet – bis hin zur ersten grossen Premiere: Strauss’ «Rosenkavalier». Und als wäre das nicht genug, setzt auch die erste Uraufführung «Wie du warst! Wie du bist!» der neuen Labor-Produktionen im Bernhard Theater gleich ein starkes Zeichen zum Auftakt dieser Saison.

Zum Programm

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Wiener Volksopernfreunde: Soiree am 12. September 2025

Wir hoffen, Sie hatten einen wunderschönen und kulturell ereignisreichen Sommer! Die neue Spielsaison an der Volksoper Wien naht und verspricht spannende Stunden im Haus am Währinger Gürtel…und natürlich auch bei den „Wiener Volksopernfreunden“!

Wir freuen uns, Sie zu unserer ersten Soirée in der neuen Saison herzlich einzuladen:

Freitag, 12.9.2025 im Gasthaus „Lechner“ (Wilhelm-Exner-Gasse 28, 1090 Wien), Beginn: ab 16:30 Uhr!

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Wir begrüßen diesmal KS Morten Frank Larsen, der heuer sein 25-jähriges Jubiläum als Ensemblemitglied der Volksoper feiert!

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und einen interssanten, fröhlichen und informativen Nachmittag!

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Wiener Staatsoper: Verkaufsstart für die Vorstellungen im November 2025

VERKAUFSSTART NOVEMBER-VORSTELLUNGEN
 
Am Montag, den 1. September um 10 Uhr startet der Verkauf für alle Vorstellungen im November 2025. Sie können die Karten → online, aber auch in all unseren → Verkaufsstellen erwerben.

Der November steht im Zeichen einiger Wiederaufnahmen: 

Zunächst gibt es ein Wiedersehen mit Donizettis → Lucia di Lammermoor, danach kehrt Roland Petits Ballett → Die Fledermaus zurück. Ebenfalls wiederaufgenommen werden Francis Poulencs → Dialogues des Carmélites und am Ende des Monats die Peter Stein Inszenierung von Leoš Janáčeks → Věc Makropulos.

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 Adela Zaharia © Klaudia Taday
 
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LUCIA DI LAMMERMOOR
Donizettis Lucia di Lammermoor gehört mit ihrem melodischen Reichtum und der ungemein feinen und vielschichtigen musikpsychologischen Zeichnung der Handelnden unbestritten zu den Schlüsselwerken der italienischen romantischen Oper. Genauso unbestritten gehört die Titelpartie mit zum Schwersten, das von Sängerinnen vokal und schauspielerisch abverlangt werden kann. Allein Lucias Wahnsinnsarie hat, was die Herausforderungen betrifft, Musikgeschichte geschrieben. 
Erstmals an der Wiener Staatsoper wird die rumänische Sopranistin Adela Zaharia die Rolle verkörpern (kurz vorher wird sie hier mit der Donna Anna in Mozarts Don Giovanni debütieren). Sie gewann 2017 den wohl wichtigsten Gesangswettbewerb der Welt, Placido Domingos Operalia, und startete kurz darauf eine steile Karriere, die sie von der New Yorker Met, über das Londoner Royal Opera House, die Pariser Opéra, das Gran Teatre del Liceu in Barcelona und die Nationaloper Amsterdam bis hin zu allen wichtigen amerikanischen und deutschen Opernhäusern führt. In ihrem breiten Repertoire nimmt die Lucia natürlich einen besonderen Platz ein – die Aufführungen an der Staatsoper sind daher ein Muss für alle Operninteressierte!
 Termine → Lucia di Lammermoor 
 16. / 19. / 22. & 25. November 2025
Tickets & Informationen »lucia di lammermoor«
 
 
Roland Petit
Ballett: Die Fledermaus
 Zum Strauss-Jahr 2025 zurück auf die Bühne: In Roland Petits Ballett Die Fledermaus, frei nach der gleichnamigen Operette, trifft Humor auf Eleganz, Ballett auf Pantomime und Slapstick, Walzertanz auf den Cancan… Ein wahres Tanzspektakel zu bekannten und beliebten Melodien von Johann Strauss (Sohn).
 Termine Ballett → Die Fledermaus
18. / 21. / 24. / 27. & 28. November 2025
8. (Vormittag & Abend) & 13. Dezember 2025 (ab 1. Oktober im Verkauf)
tickets & informationen »die fledermaus« (Ballett)
 
 Francis Poulenc
DIALOGUES DES CARMÉLITES 

Immer wieder wird das Publikum auch von Werken abseits der Kernrepertoires überrascht und begeistert: So beispielsweise von Francis Poulencs Dialogues des Carmélites. 2023 kehrte diese Rarität nach vielen Jahren Absenz in einer Neuinszenierung wieder in den Spielplan der Staatsoper zurück und wurde prompt euphorisch gefeiert. Nicht zuletzt der musikalisch wie dramaturgisch packende, effektvolle Showdown am Schafott gehört zu den ganz großen Momenten in der Geschichte des Musiktheaters. Basierend auf historischen Ereignissen während der Schreckensherrschaft der Französischen Revolution, erzählt die Oper das Schicksal der von unerklärlichen Ängsten getriebenen jungen Ordensschwester Blanche, die am Ende, genau diese Ängste überwindend, bereit ist, gemeinsam mit ihren Mitschwestern den Märtyrertod zu erleiden. Geleitet wird die Aufführungsserie vom jungen britischen Dirigenten und Hausdebütanten Robin Ticciati, der mittlerweile an den wichtigsten internationalen Bühnen reüssieren konnte. Die Besetzung weist zum Teil Sängerinnen und Sänger der erfolgreichen Premierenserie auf, aber auch eine Reihe an Rollen- und Hausdebüts: So wird Olga Kulchynska erstmals die zentrale Partie der Blanche verkörpern (sie ist dem Staatsopernpublikum als Micaëla in guter Erinnerung), Bogdan Volkov den Chevalier und die weltweit gefragte französische Mezzosopranistin Sylvie Brunet-Grupposo als Madame de Croissy debütieren.
 Termine → Dialogues des Carmélites
20. / 23. / 26.  & 29. November 2025
Tickets & Informationen »dialogues des carmélites«
 
 Leos Janáček
VĚC MAKROPULOS
Endlich ist sie wieder da: Marlis Petersen, die prägend charismatische, darstellerisch wie gesanglich überragende Interpretin, kehrt nach Rollen wie der Rosenkavalier-Marschallin, Lulu oder Medea wieder ans Haus zurück. Diesmal gestaltet sie in Leoš Janáčeks Věc Makropulos die faszinierende Figur der Emilia Marty: die 337 Jahre alte Tochter eines Wunderarztes, die sich durch ein geheimes Elixier ewige Jugend zu bewahren weiß. Im Laufe der Handlung muss Emilia jedoch erkennen, dass ein endloses diesseitiges Leben nur Einsamkeit bringt… Der Komponist Leoš Janáček, um die Entstehungszeit etwa 70 Jahre alt und sehnsüchtig in seine deutlich jüngere Muse Kamila Stösslová verliebt, schuf mit Věc Makropulos ein Werk, das sich intensiv mit dem Tod, dem Sterben und der Frage nach der Sinnhaftigkeit eines unendlichen diesseitigen Lebens auseinandersetzt: Er selbst hatte zu diesem Thema eine klare Meinung, wie er in einem Brief an seine Muse formulierte: »Wir sind deshalb glücklich, weil wir wissen, dass unser Leben nicht zu lange währt. Deshalb ist jeder Augenblick zu nutzen, gehörig auszuleben.« Die Staatsopern-Erstaufführung des 1926 uraufgeführten Werks fand erst 2015 statt, es inszenierte Peter Stein. Nun kommt es zur hochkarätig besetzten Wiederaufnahme, die von Tomáš Hanus musikalisch geleitet wird. Zu erleben sind unter anderem neben Marlis Petersen auch noch Pavel Černoch und KS Bo Skovhus. 
 Termine → Věc Makropulos
30. November 2025 
3. & 6. Dezember 2025 (ab 1. Oktober im Verkauf)
tickets & informationen »vĚc makropulos«
 
 Claude Debussy
PELLÉAS ET MÉLISANDE
Die ersten beiden Vorstellungen dieser Wiederaufnahme finden bereits im Oktober statt und sind so gut wie ausverkauft. Zwei Mal aber ist Claude Debussys einzige vollendet Oper nochmals im November zu sehen: Eine geheimnisvolle Welt voller Symbole, Botschaften und ahnungsvoller Zusammenhänge. Eine besondere Bedeutung kommt dem Wasser, als unergründlicher Lebensspender zu, aus der die mysteriöse Mélisande zu kommen scheint, um einer in toxischen Verhältnissen verstrickten und zugrunde gehenden Familie das Wesen des Lebens nahezubringen. Debussys eher expressionistische als impressionistische, farbenintensive Klangsprache macht die vielen Dimensionen, die tieferliegenden Bedeutungen hinter der vordergründig scheinenden Dreiecksgeschichte auf einzigartige Weise hörbar und erfahrbar. Zu sehen sind Meister-Interpreten der Zwischentöne wie KS Simon Keenlyside (Golaud), Rolando Villazón (Pelléas) und Kate Lindsey (Mélisande). Eine selten gespielte Kostbarkeit, die man sich nicht entgehen lassen sollte!
Termine → Pelléas et Mélisande
27. & 30. Oktober 2025 
2. & 5. November 2025
tickets & informationen »Pelléas et mélisande«
 
 
 Alexei Ratmansky
Ballett: Kallirhoe
Am 19. Oktober findet die erste Ballettpremiere unter der Leitung der designierten Ballett-Direktorin Alessandra Ferri statt – im November gibt es noch einmal Gelegenheit, eine Vorstellung zu besuchen. Die Geschichte der außergewöhnlich schönen Kallirhoe und ihres Chaereas, auf deren glückliche Hochzeit allerlei Prüfungen und Abenteuer folgen, bevor sie am Ende wieder vereint sind und ihre Liebe in Freiheit leben können, steht im Mittelpunkt von Alexei Ratmanskys Handlungsballett. Ratmansky zählt zu den wichtigsten Tanzkünstlern der Gegenwart und hat mit Kallirhoe ein Werk geschaffen, das – zur eindringlich kraftvollen als auch poetischen Musik von Aram Chatschaturjan – ein choreografisches Portrait einer antiken Welt zeigt. Basierend auf einem der ältesten Liebesromane der Welt verspricht die Europäische Erstaufführung von Kallirhoe nicht nur großartigen Tanz, sondern auch episches Drama voller Leidenschaft, Verrat und Hoffnung.
 Termine → Kallirhoe
19. / 22. / 26. / 28. & 31. Oktober 2025
10. November 2025
4. / 5. / 7. & 12. Jänner 2026 (ab 1. Dezember im Verkauf)
Tickets & Informationen »kallirhoe«
 
 
 WAS IST SONST NOCH ZU ERLEBEN? 
 
In Frank Castorfs → Faust-Inszenierung gestaltet John Osborn, der an der Wiener Staatsoper zuletzt den Hoffmann sang, die Titelpartie, Olga Kulchynska singt erstmals im Haus am Ring die Marguerite und Alex Esposito gibt seinen ersten Staatsopern-Méphistophélès. Es dirigiert Frédéric Chaslin. Barrie Koskys Neuinszenierung von → Don Giovanni aus dem Jahr 2021 kehrt mit einem sehr spannenden Hausdebüt zurück: Adela Zaharia, später im Monat als Lucia zu sehen, wird im Haus am Ring erstmals als Donna Anna zu sehen sein. Freuen darf man sich wieder einmal auf Giuseppe Verdis → Falstaff:  In seinem feinen, humorvollen und klugen Alterswerk hat er seine gesamte Lebenserfahrung auf einzigartige Weise komprimiert. Publikumsliebling Ambrogio Maestri ist Falstaff, eine Rolle wie für ihn maßgeschneidert!

Termine → Faust
6. / 9. / 12. & 15. November 2025
 
Termine → Don Giovanni
29. Oktober 2025
1. / 4. & 7. November 2025
 
Termine → Falstaff
8. / 11. / 14. & 17. November 2025
 
 Spielplan November

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Ballett: Das Hessische Staatsballett bringt ein Frühwerk Sharon Eyals ins Große Haus

Im Juni wurde das Hessische Staatsballett in der Kritiker*innenumfrage des Fachportals Tanznetz auf Platz 2 der Spitzen-Ensembles im deutschsprachigen Raum gewählt. Am Samstag, den 6. September um 19:30 Uhr eröffnet die Kompanie ihre Spielzeit im Großen Haus mit dem Werk einer der wichtigsten zeitgenössischen Choreograf*innen der Gegenwart: Sharon Eyal.

Mit „Corps de Walk“ präsentiert das Hessische Staatsballett ein Frühwerk der weltweit gefeierten Star-Choreografin. Es entstand 2011 als Auftragswerk für die norwegische Nationalkompanie für zeitgenössischen Tanz, Carte Blanche, deren künstlerischer Leiter Ballettdirektor Bruno Heynderickx zu dieser Zeit war. Heynderickx hatte das Stück bei der damals noch nahezu unbekannten Choreografin in Auftrag gegeben: „Ich habe schnell erkannt, dass die Arbeiten dieser Choreografin sehr besonders sind. ‚Gehen ist das neue Tanzen‘, sagte Sharon damals zu mir“, erinnert sich Heynderickx. „Für mich ist „Corps de Walk“ der Anfang von einem Trend.

Mit diesem Stück hat Sharon Eyal einen Stilwechsel vollzogen – viel der für sie charakteristischen Kreationsweise ist hier bereits zu erkennen.“ Zeitgleich mit der Entwicklung der Choreografie entstand in Zusammenarbeit mit Technokünstler Gai Behar und DJ Ori Lichtik im Tanzstudio die Musik zum Stück. Inspiriert von den großen Gruppenszenen des klassischen Balletts, zu dem Sharon Eyal eine starke Affinität hat, setzt sie diesen eine zeitgenössische Vision entgegen: In androgynen Cyborg-ähnlichen Outfits bewegen sich die Tänzer*innen zu elektronischen Beats kollektiv durch den Raum. „Für mich ist das Stück auch eine Reflexion über unsere Gesellschaft“, sagt Bruno Heynderickx. „Wir sind gefügt in ein System. In der Choreografie gibt es immer wieder Tänzer, die ausbrechen
aus der Formation. Im ersten Musikstück gibt es eine Zeile „I know sometimes the world is wrong“ – ein Zitat, das nicht besser in unsere Gegenwart passen könnte.“

Sharon Eyal (Choreografie)
Seit 2005 arbeitet Sharon Eyal mit Gai Behar zusammen. Gemeinsam gründeten sie 2013 das Ensemble S-E-D (vormals L-E-V), mit dem sie für die renommiertesten Bühnen und Festivals weltweit kooperieren, wie The Joyce Theatre in New York City, Jacob’s Pillow in Massachusetts, Sadler’s Wells in London, das Montpellier Danse Festival in Frankreich sowie Julidans in Amsterdam.
Darüber hinaus hat sie Werke für führende Kompanien weltweit geschaffen, darunter „Jakie“ und „Into the Hairy“ mit S-E-D für das Nederlands Dans Theater, „2 Chapters Love“ für das Staatsballett Berlin sowie „ima“ und „SAABA“ für die GöteborgsOperans Danskompani. Für ihre choreografische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, so etwa mit dem FEDORA – Van Cleef & Arpels Prize for Ballet 2017 oder dem deutschen Theaterpreis DER FAUST 2018. Im Jahr 2023 erhielt sie in Frankreich den Titel „Officières de l’ordre des arts et des lettres“.
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